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Hamburg: Werbung für Klimaschutz braucht „mehr Energie als ein Stadtteil“

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Von: Christian Einfeldt

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Hamburger fordern die Abschaltung von tausenden Werbetafeln, die zum Energiesparen aufrufen. Sie würden „so viel Energie wie ein ganzer Stadtteil verbrauchen“.

Hamburg – Eine Werbekampagne des Bundesministeriums soll Leute zum Energiesparen bewegen. Der angestrebte „Energiewechsel“, so auch der Titel der Werbung, sei Klimaschützern aus Hamburg zufolge schlichtweg nicht möglich. Der Grund: Bereits eine Reklame würde laut der Initiative „Hamburg werbefrei“ „schon jetzt so viel Energie wie ein ganzer Stadtteil verbrauchen“. Die Aktivisten fordern stattdessen ein Handeln, das umweltbewusst ist. Sie fordern die sofortige Abschaltung aller digitalen Tafeln zum Klimaschutz.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Werbung in Hamburg braucht zu viel Strom: Initiative „Hamburg werbefrei“ will sie verbannen

Ob in Hamburg-St. Pauli oder in Eimsbüttel, wo aktuell über eine „oben ohne“-Erlaubnis für alle in Hamburgs Schwimmbädern debattiert wird – Werbetafeln zieren in ganz Hamburg das Stadtbild. Martin Weise und die Initiative „Hamburg werbefrei“ sehen genau darin einen Widerspruch, der Maßnahmen zum Wohle des Klimas torpediert. Erst kürzlich nannte ein Verbraucherschützer Tipps, wie man Gas- und Stromkosten sparen kann. Die in der Hansestadt installierten digitalen Reklametafeln können jedenfalls laut „Hamburg werbefrei“ weder in dieser Debatte, noch in der Debatte um den konkreten Klimaschutz punkten.

Es würde sich um Stromfresser handeln, die angesichts der gezeigten Werbung für Aufregung sorgen. „Liebe Duschfans, ein Energiespar-Duschkopf spart 30 Prozent Energie für Warmwasser“, ist eine der viel zitierten Werbungen des Bundes, die ursprünglich an den Start gingen, um den Klimaschutz bundesweit zu stärken. Die Forderung der Aktivisten ist eindeutig: Alle Werbetafeln müssen umgehend abgeschaltet werden. Klimaschützer Martin Weise weist darauf hin, dass sie „schon jetzt so viel Energie wie ein ganzer Stadtteil verbrauchen“.

Hamburg: Widerspruch bei Klimaschutz-Kampagne? Anzeigen werden „immer mehr“

Die Kritik der Hamburger, die bereits im April eine Petition zur Verbannung von aufdringlicher Werbung ins Leben gerufen haben, wird immer größer. Nicht zuletzt deshalb, weil die städtische Politik des Hamburger Senats, der zuletzt eine Rückforderungen der Coronahilfen in Höhe von mehr als 80 Millionen gefordert hatte, nicht, wie von „Hamburg werbefrei“ erwünscht, reagiert. Das Hamburger Abendblatt berichtete etwa darüber, dass der Senat einen Volksentscheid, der im Jahre 2024 über die Forderungen hätte abstimmen lassen sollen, bereits abgelehnt hatte. Stattdessen läuft seit April eine Petition zur Verbannung von aufdringlicher Werbung in Hamburg, während die entsprechenden Anzeigen laut Martin Weise „immer mehr“ werden.

Auto fährt an Anzeige vorbei.
Hamburger Initiative „Hamburg werbefrei“ übt starke Kritik an der Werbung des Bundesministeriums. © Marcus Brandt/dpa

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, würde bereits einem einzelnen der sogenannten „City Light Boards“ ein jährlicher Verbrauch von mehr als 40.000 Kilowattstunden Strom anhaften. Damit beziehen sich die Klimaschützer auf eine rund zehn Quadratmeter große Werbetafel, die Medienberichten zufolge einen Gesamtverbrauch von rund 30 Single-Haushalten ausmachen würde. „So viele Duschköpfe können Sie gar nicht auswechseln, um den Strom einzusparen, der dadurch verschwendet wird“, sagt Weise im Hinblick auf die gezeigte Werbung.

Wie zuvor schon im Vorfeld die Forderung von Hamburgs CDU-Chef Ploß, der zum Wohle des Klimas einen Ausbau der Kernkraft vorantreiben will, wirkt auch diese Kampagne in ihrem Kontext widersprüchlich. Einerseits könne man nicht die Einhaltung klimapolitischer Maßnahmen fordern, wenn zugleich ein Ausbau von den stromintensiven Werbereklamen angestrebt wird – so die Kritik aus Kreisen der Klimaschützer.

Werbung in Hamburg: „80 Millionen gemeinsam für den Energiewechsel“ – das steckt hinter der Klimakampagne

Eine Antwort seitens des Bundeswirtschaftsministeriums ließ nicht lange auf sich warten: „Aufgrund der Dringlichkeit des Themas haben wir aktuell das Ziel in den Vordergrund gestellt, die gesamte Bevölkerung zeitnah und deutschlandweit fürs Energiesparen zu sensibilisieren und zum Mitmachen zu motivieren“, sagte eine Sprecherin gegenüber der dpa. Weiter heißt es: „Dies führt dazu, dass auch Werbeträger zum Einsatz kommen, die selbst Strom verbrauchen“.

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Das Ministerium um Robert Habeck (Grüne), der zuletzt mit Daniel Günther (CDU) die Kieler Woche 2022 eröffnet hatte, wolle mit der Aktion „80 Millionen gemeinsam für den Energiewechsel“ verstärkt auf den Klimaschutz und Maßnahmen des Energiesparens aufmerksam machen. „Gerade im Herbst werden viele Menschen deutlich höhere Heizrechnungen bekommen als sonst. Allein schon deshalb ist Energiesparen dringend notwendig, und ich weiß, dass viele schon schauen, wo sie etwas einsparen können, gerade, wenn sie ohnehin auf jeden Cent achten müssen“, wurde Habeck zuvor im Juni 2022 von der Deutschen Presse-Agentur zitiert.

„Regelmäßig das Eisfach abtauen, Duschkopf wechseln oder in Büros die Beleuchtung auf LED umstellen – das senkt den Verbrauch. Und wenn viele das machen, bringt das in der Summe wirklich was“, sagte Habeck. Nach dpa-Informationen läuft die Aktion noch bis Ende 2025. Von der Kampagne wolle man jedoch langfristig profitieren. Eine zukünftige Maßnahme steht laut Aussage einer Sprecherin wohl schon jetzt fest: „Für die Zukunft planen wir, die Emissionen unserer Mediaschaltungen zu kompensieren, indem wir in Klimaschutzprojekte investieren“ – ein Schritt, den wohl auch „Hamburg werbefrei“ unterstützt.

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