Auswertung von TomTom

Stau-Stadt Hamburg: Autos stehen trotz Corona

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Verkehrschaos ist in der Hansestadt Alltag. Corona hat daran nahezu nichts geändert. Laut einer neuen Studie bleibt Hamburg Deutschlands zweitgrößte Stau-Stadt.

  • Der Navigationsdienstleister TomTom hat weltweit die Fahrdaten im Corona-Jahr 2020 ausgewertet.
  • Größte Stau-Städte in Deutschland: Hamburg liegt hinter Berlin auf Platz zwei.
  • Verbesserung der Lage in der Hansestadt vorerst nicht sichtbar.

Hamburg – Keine Pendler, weniger Autoverkehr: Der harte Corona-Lockdown hat im vergangenen Jahr die Verkehrsströme ohne Zweifel beeinflusst. Zwar sank in den Städten das Stauniveau, ganz auflösen konnte die Pandemie den Stillstand jedoch nicht. Insbesondere die Hansestadt Hamburg litt 2020 weiter unter einem großen Verkehrschaos, wie jetzt aus einer aktuellen Analyse des Navigationsdienstleisters TomTom hervorgeht. Demnach nimmt die Nord-Metropole weiterhin im Vergleich aller deutschen Städte einen Spitzenplatz ein.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Für seinen Traffic-Index hat das schwedische Unternehmen weltweit das Verkehrsgeschehen in 416 Städten anhand der Bewegungsdaten der Autobesitzer untersucht. Immerhin in 387 Städten wurde ein deutlicher Rückgang des Zeitverlusts während der Hauptverkehrszeiten registriert. Die Forscher führen den durchschnittlichen Rückgang von 28 Prozent auf die Auswirkungen der Corona-Krise zurück.

Unangefochtene Stau-Städte: Berlin und Hamburg liegen vorn

Auch in Hamburg sank das Stauniveau, das den Zeitverlust für Autofahrer wegen Verkehrsbehinderungen ausdrückt, wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen signifikant um fünf Prozent im Vorjahresvergleich. Ganz verschwunden waren die Verkehrsprobleme dadurch aber nicht. Im Gegenteil: Das sogenannte Staulevel lag mit 29 Prozent weiterhin auf hohem Niveau, das heißt, eine Fahrt dauerte hier im Schnitt 29 Prozent länger, als sie ohne Stau dauern würde. Im Vergleich der deutschen Städte ist Hamburg damit die Stadt mit dem zweitgrößten Stauproblem – gleich hinter Berlin (30 Prozent). Ein Jahr zuvor war es noch umgekehrt gewesen. Der Tausch der Spitzenpositionen dürfte für Hamburg, wo der abnehmende Verkehr auch die Luftqualität verbessert hat, aber nur ein schwacher Trost sein.

Muss ein Stauproblem lösen: Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). (24hamburg.de-Montage)

Interessant ist auch: Die Auswirkungen der Corona-Beschränkungen zeigen sich in den deutschen Städten sehr unterschiedlich. Die stärksten Veränderungen gab es während des Berufsverkehrs am Morgen und Abend. So sank der Zeitverlust in den Morgenstunden in Düsseldorf um 16 Prozentpunkte, während er in Stuttgart lediglich um zehn Prozentpunkte zurückging. Diesen Unterschied führt der Kartendienstleister auch auf die unterschiedlichen Arbeitgeber in den Städten zurück. Firmen aus dem Bereich der Finanzdienstleistungen wie in Düsseldorf ermöglichten häufiger Homeoffice als Industrie und Gewerbe in Stuttgart, hieß es. Hamburg hat allerdings beides zu bieten – ein großes Dienstleistungsgewerbe und den Hafen als Industriestandort.

Staufalle Hamburg: Experte fordert neue Verkehrskonzepte

Die Kritik, dass Hamburg eine Autofahrerstadt ist und durch stetig steigende Verkehrs- und Pendlerströme zu einer Staufalle geworden ist, ist nicht neu. Doch vor dem Hintergrund der neuen Zahlen rief das schwedische Unternehmen die Politik in den betroffenen Städten zum Handeln auf. Die starken Rückgänge seien keine Trendwende, sagte TomTom-Verkehsexperte Ralf-Peter Schäfer. „Wir werden in den nächsten Monaten erleben, dass das Verkehrsaufkommen wieder zunehmen wird.“ Denn nach dem Ende der Pandemie würden die Menschen wieder zu alten Routinen zurückkehren und zur Arbeit fahren – so wie immer. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Stadtplaner weiterhin sinnige Verkehrskonzepte überlegten.

Absichtserklärungen und einige Ansätze dazu gibt es in Hamburg bereits. Seit dem vergangenen Jahr sitzen die Grünen mit der SPD am Koalitionstisch. Erklärtes Ziel des neuen grünen Verkehrssenators Anjes Tjarks: Die Autostadt entlasten und den Rad-, Bus- und Bahnverkehr stärken. So gab es zuletzt Pop-up-Fahrradwege zum Test. Außerdem wurde der Jungfernstieg zur autofreien Zone erklärt.

Kritiker wenden jedoch ein, dass durch die Maßnahmen der Autoverkehr erst einmal in andere Bereiche umgelenkt wird und nicht verschwindet. Und hinzukommt noch, dass in den kommenden Monaten durch viele Bauarbeiten, wie etwa bei der wichtigen Elbchausse-Tangente, ein zusätzliches Verkehrschaos in der Hansestadt droht. Gut möglich also, dass sich Hamburg im kommenden Jahr den Spitzenplatz von Berlin zurückerobert. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa/picture alliance & Ulrich Perrey/dpa/picture alliance

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