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Veddel: Die Elbinsel mit viel Geschichte

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Von: Kevin Goonewardena

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 Das Auswanderermuseum Ballinstadt auf der Hamburger Veddel
Das Auswanderermuseum Ballinstadt auf der Hamburger Veddel. (24hamburg.de-Montage) © Markus Scholz/dpa

Sie wird gern als Problemviertel mit hoher Kriminalität, Arbeitslosenquote und wenig attraktiven Werten in Verbindung gebracht. Das wird der Veddel nicht gerecht.

Hamburg-Veddel – Ländliche Idylle, abgerockte Arbeiterviertel, quietschbunte Künstler-WGs, mondäne Stadtvillen: Das alles ist Hamburg. Jede Woche samstags gehen wir auf Streifzug. Heute sagen wir: #ahoiveddel.

#ahoiveddel: Geschichte und Gegebenheiten – ein kurzer Abriss

Die Veddel auf der zur Norderelbe gelegenen Seite der Elbinseln Veddel, Peute und der Elbinsel Wilhelmsburg gehört bereits seit 1768 zur Freien und Hansestadt Hamburg – und damit deutlich länger als der größere, südlich gelegene Stadtteil Wilhelmsburg. Dieser war nach der französischen Annexion zuerst Teil eines  Arrondissement Frankreichs, dann Teil des Königreich Hannovers, später ebensolcher der Großstadt Harburg-Wilhelmsburg und wurde erst mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 in die Freie und Hansestadt Hamburg eingemeindet.

Geprägt ist die Veddel von Industrie beispielsweise dem Aurubis-Werk – einer Kupferhütte und heute einer der größten Arbeitgeber Hamburgs. Auch Schokolade, unter anderem Nestle, wird auf der Veddel produziert. Der Internetgigant Amazon unterhält zudem auf der Veddel ein Logistikzentrum, das, wie bei Amazon üblich, für schlechte Arbeitsbedingungen in der Kritik steht.

Durch Veddel verlaufen wichtige Verkehrstrassen, darunter Regional- und Fernbahngleise, der S-Bahn Hamburg-Strang der Linien S3 und S31 und die Bundesautobahn A1 und A255. Im Gespräch ist eine Erweiterung der U4 nach Wilhelmsburg über die Veddel. Auch den modernsten Busbahnhof im HVV wird Veddel gegen Ende des Jahrzehnts bekommen.

#ahoiveddel: Zwischen Großstadt und Dorfgemeinschaft

Hamburg-Veddel gehört mit nur fünf Quadratkilometern zu den kleinsten Stadtteilen. Die Veddel besteht aus drei Inseln, 47 Hektar Wohnfläche und viel Industrie auf der Peute. Zwischen Bahngleisen und Autobahnen hat sich eine kleine Gemeinschaft gebildet, die an ihrem Stadtteil festhält und dadurch fast wie eine Dorfgemeinschaft wirkt. Die Veddel gehört zu den Arbeiterstadtteilen der Stadt. Der Ruf eines Stadtteils mit hoher Kriminalitätsrate und einem hohen Anteil an Arbeitslosen- und Leistungsempfängern wird zwar immer wieder durch einschlägige Ereignisse befeuert, doch wird der Veddel und ihren Einwohnern dennoch nicht gerecht.

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Rund 50 verschiedene Nationen leben in dem kleinen Stadtteil, in dem die Mieten im Vergleich zum Rest von Hamburg immer noch erschwinglich sind. Am Müggenburger Zollkanal befindet sich das Wohnviertel und besteht aus den roten, typisch hamburgischen Klinkerbauten. Um das Stadtbild aufzuwerten, wurde dort eine schöne Uferpromenade gebaut, die auch als Hochwasserschutzanlage dient. Die verheerende Sturmflut 1962 hat insbesondere auf der Veddel, in Wilhelmsburg und im Raum Süderelbe ihre Hamburger Todesopfer gefordert.

#ahoiveddel: BallinStadt – ein Sprung über den großen Ozean

Wer mit der S-Bahn durch Veddel fährt, dem ist vielleicht der Zusatz „Ballinstadt“ auf dem Stationsschild oder bei der Zugdurchsage aufgefallen. Zwischen 1850 bis 1939 war die Veddel für viele Menschen der Startpunkt in ein neues Leben. In der Zeit wurden rund fünf Millionen Menschen mit der „Hamburg-Amerika Linie“ über den Atlantik nach Amerika in die Neue Welt gebracht. Der Reeder Albert Ballin, Besitzer der „Hamburg-Amerika Linie“, baute in Veddel die Auswanderer-Hallen. Dort mussten sich die angehenden Passagiere vor der Reise vierzehn Tage in Quarantäne begeben.

So sollte verhindert werden, dass sich Krankheiten auf der langen Reise ausbreiten oder die Reisenden aufgrund von Krankheit nicht von Bord gehen dürfen. Heute steht an der Stelle das Auswanderermuseum BallinStadt Hamburg. Die drei Häuser wurden auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern originaltreu nachgebaut. Dort kann man die ganze Ein- und Auswanderungsgeschichte über vier Epochen nachverfolgen und die Wünsche und Träume der Menschen miterleben. Die Barkassenschiffe der „Maritime Circle Line“ bilden bei ihren Rundfahrten durch den Hafen auch Stopps am Auswandermuseum an.

Schon gewusst?

■ Auf der Veddel ist bis heute ein klitzekleiner Teil tschechisches Staatsgebiet in Form des „Moldauhafen.“ Dieses Gebiet fiel in der Folge des Versailler Vertrags an die damalige Tschechoslowakei, später Tschechien. Genutzt wird der Hafen zwar schon seit 2002 nicht mehr, der Pachtvertrag, der auf den Versailler-Vertrag folgte, gilt allerdings noch bis 2028.

#ahoiveddel: Eine Hausfassade aus echtem Gold

Besonders ein Kunstwerk ist auf der Veddel stark diskutiert. Der Künstler Boran Burchhardt startete 2017 mit seinem goldenem Kunstprojekt. Auf der Veddeler Brückenstraße säumen lange Backsteinfassaden das Bild und genau dort entschließt sich der Künstler, die Fassade der Hausnummer 152 mit Blattgold zu schmücken. Zwei Monate dauerte das Projekt, in dem er die komplette Hauswand mit haudünnen Blattgold beklebte. Bei dem Projekt „Veddel vergolden“ geht es darum, Aufmerksamkeit für den Stadtteil zu erzielen, der sonst nur negative Erwähnung findet.

Ganze 85.000 Euro kostete das Kunstprojekt. Das Geld erhielt Boran Burchhardt von der Hamburger Kulturbehörde. Diese Aktion brachte viel Kritik und die Diskussion, wieso es echtes Gold sein müsse und es nicht auch goldene Farbe getan hätte. Burchhardts Galerist Mathias Günther weist darauf hin: „Gold hat einfach ein anderes Gewicht und eine andere Relevanz. So stößt das Kunstwerk die Diskussion an.“ Außerdem stamme das Geld aus dem Kunst-Topf der Stadt und würde nicht für soziale Projekte ausgegeben werden.

#ahoiveddel: Kultiger Fischimbiss gerettet - neues Elbbrücken-Quartier kommt

Seit der Aufgabe des Zollamts 2013 stehen dessen unter Denkmalschutz befindlichen Hallen leer. Doch der Bereich um den alten Veddeler Marktplatz wird in den nächsten Jahren ein ganz neues Gesicht bekommen - mit oder ohne Abriss des städtebaulich und architektonisch auffallenden Gebäudekomplexes. Das Projekt Stadteingang Elbbrücken umfasst dabei nicht nur Gebiete in der HafenCity, Hammerbrook und Rothenburgsort, sondern auch auf der Veddel. Geplant sind mehrere hundert Wohnungen, Büros, Kultur und Freizeiteinrichtungen in teils markanten Gebäuden, darunter einigen Hochhäusern.

Der kleine Imbiss Veddeler Fischgaststätte in Hamburg.
Die Veddeler Fischgaststätte. © Hoch Zwei/Angerer/imago images

Das ehemalige Überseezentrum der HHLA auf der Veddel ist zu diesem Zwecks bereits 2021 abgerissen worden. Auch dem Kult-Fischimbiss „Veddeler Fischgaststätte“ drohte in den vergangenen Jahren mehrfach das Aus – unter anderem wegen des Projektes. Zuerst übernahm der Sohn der letzten Pächterin den bekannten Imbiss und sicherte damit dessen Fortbestand. Dann sorgten Anwohner und Fans der „Veddeler Fischgaststätte“ durch eine Unterschriftenaktion für ein Weihnachtswunder: Die Gaststätte kann eventuell trotz der Baupläne nun weiter bestehen. In dem kleinen, von außen unscheinbaren Lokal mit rauhem 70er-Jahre-Kneipen-Charme werden seit 1932 nach Geheimrezepten kreierte Hamburger Fischspezialitäten serviert.

Vor allem das Gebiet an der Harburger Cezeptenchaussee und dem dortigen Veddeler Deich am Spreehafen, wo einige Hausboote fest vertaut sind, wird in den nächsten Jahren drastisch sein Gesicht verändern und seinen Charme einbüßen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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