Studie der Universität Hamburg

Deutsche sind Impfgegner und Coronavirus-Muffel – Abstand und Hygiene unbeliebt

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Die Deutschen haben Angst vor dem Coronavirus. Trotzdem wollen sich immer weniger impfen lassen. Das hat eine Studie der Universität Hamburg ergeben. Auch Abstands- und Hygieneregeln werden immer seltener eingehalten. 

  • Deutsche haben Angst vor dem Coronavirus-Sars-CoV-2*.
  • Immer weniger wollen sich impfen lassen.
  • Hygienemaßnahmen immer unbeliebter.

Hamburg – Küssen und Händeschütteln zur Begrüßung, keinen Abstand halten im Supermarkt. Die Deutschen sind coronamüde und halten sich immer weniger an notwendige Hygienevorschriften. Die Hälfte der Deutschen würde sich aktuell nicht einmal impfen lassen. Das fand eine Studie des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg heraus.

UniversitätUniversität Hamburg
Adresse20146 Hamburg
PräsidentDieter Lenzen
Studentenzahl42.106 (2014)

Deutsche haben Angst vor Coronavirus, Vorsichtmaßnahmen werden trotzdem ignoriert

Für Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören oder einen geliebten Menschen wegen einer Coronavirus-Erkrankung verloren haben, müssen diese Zahlen wie ein Schlag ins Gesicht sein. Nur 45 Prozent aller Deutschen halten sich an die Abstandsregeln. Nur 39 Prozent an die empfohlene Handhygiene. Das sagt eine Studie des HCHE, die am Montag, 28. September 2020, veröffentlicht wurde. Die Studie wird seit April 2020 betrieben. Regelmäßig werden dazu 7.000 Menschen in Deutschland befragt, um ein repräsentatives Bild zu erhalten.

Die Deutschen sind corona-müde. Auf Hygienemaßnahmen haben sie trotz Angst vor dem Virus keine Lust mehr. (24hamburg.de-Montage)

Durch die regelmäßige Befragung können auch Trends festgestellt werden. Im April 2020 hat es eine überwältigende Mehrheit von 77 Prozent aller Deutschen vermieden, sich zur Begrüßung zu küssen. Jetzt sind es nur noch 58 Prozent. Professor Doktor Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des HCHE erklärt, „dass eine gewisse Müdigkeit bei der Einhaltung der Regeln zu erkennen ist.“

Dabei hätten die Befragten durchaus Angst vor dem Coronavirus-Sars-CoV-2 und einer möglichen Ansteckung. Nur jeder Vierte Befragten findet es gut, dass wieder Zuschauer ins Fußballstadion dürfen. Nur jeder Siebte würde selbst ein Spiel besuchen. Das gleiche Bild ergibt sich bei der Frage nach Konzerten. Kaum einer heißt sie gut (24 Prozent) und nur wenige würden selbst hingehen (18 Prozent). Der Trend dreht sich erst, wenn es um Kino- und Theaterbesuche geht. Immerhin 38 Prozent der Befragten können sich einen Besuch vorstellen.

Ergebnisse der Coronavirus-Studie im Überblick

  • Jeder Vierte glaubt, selbst ein hohes Ansteckungsrisiko zu haben.
  • 45 Prozent aller Deutschen halten sich an die Abstandsregeln.
  • 39 Prozent halten sich an die empfohlene Handhygiene.
  • Die Hälfte aller Deutschen würde sich gegen das Coroanvirus impfen lassen.
  • Nur 15 Prozent der Deutschen würde derzeit in ein Fußballstadion gehen.
  • 56 Prozent sind dagegen, Fans ins Fußballstadion zu lassen.

Immer mehr Deutsche werden Impfgegner

Erstaunlich ist, dass sich trotz dieser Furcht vor dem Coronavirus-Sars-CoV-2 eine gewisse Impfskepsis breit macht. Im April 2020 hätten sich noch rund 70 Prozent aller Deutschen impfen lassen. Jetzt ist nur noch die Hälfte der Deutschen zu einer Impfung bereit. Professor Doktor Jonas Schreyögg sagt dazu: „Wir konnten feststellen, dass zu den Impfgegnern vor allem Personen gehören, die für sich kein gesundheitliches Risiko durch Corona sehen oder die kein Vertrauen in die Informationspolitik ihrer Regierung oder Organisationen wie der WHO haben.“

Der Trend, dass sich immer mehr Menschen sogar explizit weigern, sich impfen zu lassen, zeige sich übrigens in allen EU-Ländern, wie die Studie des HCHE an der Universität Hamburg* hervorhebt. Wie dieser Trend wieder umgekehrt werden kann, ist unklar. „Deshalb ist es wichtig, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um das Vertrauen in öffentliche Informationen zu stärken und das Risiko durch Clusterausbrüche künftig zu minimieren“, schlägt Professor Doktor Jonas Schreyögg etwas vage vor. Verschwörungstheoretiker wie der Kochbuchautor Attila Hildmann diskreditieren lautstark genau diese Einrichtungen*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Peter Steffen/dpa & Ole Spata/dpa

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