Cinderella-Story in Wilhelmsburg

Hamburg Towers: Sportchef Marvin Willoughby will in die Play-Offs

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Basketball-Überraschung des Jahres sind die Hamburg Towers. Schafft es das Newcomer-Team in die Play-Offs der BBL? Das sagt Geschäftsführer Marvin Willoughby.

  • Basketball-Team Hamburg Towers starten mit Siegesserie.
  • Coronavirus erschwert Planungen.
  • Coach Pedro Calles steht für Erfolg.

Hamburg-Wilhelmsburg – Deutschlands Basketball-Ex-Nationalspieler und mittlerweile Hamburg Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby zieht im großen 24hamburg.de-Interview Hamburg Towers-Jahresbilanz, spricht über die Corona-Towers-Krise und gibt den Kurs fürs kommende Jahr vor – und warum die Hamburg Towers dringend eine größere Arena brauchen …

Ex-Basketballspieler und Geschäftsführer:Marvin Willoughby
Aktuelles Team:Hamburg Towers
Geboren:31. Januar 1978 (Alter 42 Jahre), Hamburg
Größe: 2,02 m
Position:Small Forward
Filme:Starting 5
Wie beurteilen Sie das abgelaufene Jahr 2020 aus Sicht der Hamburg Towers?
Aus sportlicher Sicht haben wir eine enorme Entwicklung genommen. Am Anfang der Saison 2019/2020 waren wir nicht konkurrenzfähig. Später haben die Towers meistens nur noch knapp verloren und hatten sogar häufiger Chancen, Spiele für sich zu entscheiden. Die Corona-Krise hat dann alles auf den Kopf gestellt und wir fühlten uns absolut ohnmächtig. Das war der Tiefpunkt. Die Planung für die neue Spielzeit war eine große Herausforderung und es war viel abseits des Sports zu tun. Erstellung des Hygienekonzepts, Gespräche mit Fans und Sponsoren, Anpassung von Verträgen an die neuen Gegebenheiten – es war alles andere als eine normale Saisonvorbereitung. Zumal lange Zeit nicht sicher war, ob und wann wir spielen dürfen. Ich denke, wir haben alles ganz gut hingekriegt.
Warum läuft es jetzt so gut?
Die erste und wichtigste Entscheidung war die Verpflichtung von Pedro Calles. Dass wir einen solch jungen und erfolgreichen Trainer verpflichten konnten, war für uns ein Meilenstein. Pedro hatte auch andere Optionen. Wir konnten ihn aber mit unserer Arbeit und unseren Plänen für die Towers begeistern und ihn davon überzeugen, dass der Wechsel nach Hamburg für seine Karriere der richtige Schritt ist.
Hamburg Towers-Trainer Marvin Marvin Willoughby im Interview mit 24hamburg.de im Hamburger Ding: „Wir müssen die Spieler für unseren Weg begeistern und davon überzeugen, dass sie bei uns den nächsten Schritt machen können.“

Überall wollen wir besser werden.

Marvin Willoughby, Hamburg Towers-Geschäftsführer
Was sind die anderen Erfolgsgeheimnisse der Hamburg Towers?
Dass wir jetzt im Gegensatz zu früher auch die engen Spiele gewinnen. Im Sport ist es im Prinzip ganz simpel: Wenn man gewinnt, ist alles gut. Es zeigt sich, dass Trainer, Spieler und Organisation zusammenpassen. Ich denke, wir haben ein gutes Team zusammengestellt. Die Mannschaft ist wirklich eine Einheit. Das war in der vergangenen Saison nicht der Fall. Das heißt nicht, dass wir in Zukunft jedes Spiel gewinnen. Aber wir agieren auf einem viel höheren Niveau und haben die Hoffnung, dass wir unser Ziel erreichen, uns in der Bundesliga zu etablieren. Dafür reicht eine gute Saison aber nicht aus.
Der Hamburg Towers-Kader wurde wie schon in den vergangenen Jahren fast komplett neu zusammengestellt. Soll es in Zukunft mehr Kontinuität geben?
Ich halte Kontinuität für wichtig. Jedes Jahr wieder bei null anzufangen, ist schwierig. Sollten wir so erfolgreich weiterspielen, bekommen unsere Spieler zwangsläufig Angebote von anderen Vereinen. Und die Hamburg Towers sind nicht die Organisation, die das meiste Geld zahlen kann. Wir müssen die Spieler für unseren Weg begeistern und davon überzeugen, dass sie bei uns den nächsten Schritt machen können. Klar ist, dass wir in allen Bereichen wachsen müssen. Als Organisation, im Sponsoring, in der Kommunikation – überall wollen wir besser werden, um gute Spieler bei uns zu halten.
Basketball-Team:Hamburg Towers
Arena:Edel-optics.de-Arena
Kapazität:3.400
Gründung:2013
Cheftrainer:Pedro Calles
Geschäftsführer:Marvin Willoughby, Jan Fischer
Gesellschafter:Jan Fischer, Jochen Franzke, Tomislav Karajica und Marvin Willoughby
Die Edel-optics.de-Arena ist mit ihren 3.400 Plätzen auf Dauer zu klein. Deshalb soll mit dem Elbdome eine neue Multifunktionshalle entstehen, die bis zu 9.000 Zuschauer fassen soll. Welche Bedeutung hat der Elbdome für die Towers?
Die neue Halle ist enorm wichtig, wenn wir ernsthaft das Ziel verfolgen wollen, perspektivisch eine feste Play-Off-Mannschaft zu sein. Diesen Anspruch haben wir an uns selbst. Um dem gerecht zu werden, brauchen wir die dafür erforderlichen wirtschaftlichen Mittel. Die generieren wir nur in einer größeren Halle. Bei uns ist es nicht wie im Fußball, wo Fernsehgelder und Transfers die meisten Einnahmen bringen. Für uns ist das Ticketing viel wichtiger. Das Potenzial, eine größere Halle zu füllen, ist definitiv da. Schließlich waren alle unsere Spiele in den vergangenen beiden Jahren ausverkauft. Gegen Bayern München wäre im Frühjahr vermutlich sogar die Barclaycard Arena voll gewesen. Das Spiel musste leider wegen der Corona-Pandemie ausfallen.
Wann könnte die neue Halle der Hamburg Towers eröffnet werden?
Wir wissen, dass die Politik unseren Plänen positiv gegenübersteht. Dennoch brauchen die Prozesse ihre Zeit. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr Vollzug melden. Die Finanzierung und alles andere haben wir im Hintergrund bereits vorbereitet. Wenn alles wie geplant läuft, eröffnen wir die Arena im Jahr 2024 oder 2025.
Die Jugendarbeit ist für die Towers enorm wichtig. Als gebürtiger Wilhelmsburger setzen Sie sich besonders für diesen Stadtteil ein. Wie sieht die Jugendarbeit dort in Corona-Zeiten aus?
Gerade für einen Stadtteil wie Wilhelmsburg ist die jetzige Situation brutal. Viele Kinder wohnen in Hochhäusern, sitzen im Lockdown in kleinen Wohnungen fest und können draußen so gut wie gar nichts machen. Da wir mit vielen Schulen eng zusammenarbeiten, konnten wir über diese den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen halten. Jetzt läuft im Prinzip alles digital. So versuchen wir, bei Problemen zu helfen und Tipps für Trainingsmöglichkeiten in der eigenen Wohnung zu geben.
Die Pandemie trifft die gesamte Basketball-Bundesliga hart. Wie nehmen Sie die Stimmung in der BBL wahr?
Der Austausch ist enger als früher. Natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt. Schließlich sind wir auch Konkurrenten. Das schließt aber nicht aus, dass man sich gegenseitig unterstützt und zum Beispiel Tipps gibt, wie man an Fördergelder kommt. Letztendlich ist es für alle schwierig. Wir fahren auf Sicht, weil sich durch Corona ständig etwas ändert. Eigentlich können wir nicht länger als 48 Stunden im Voraus planen. Zweimal pro Woche stehen Corona-Tests auf dem Programm. Erst, wenn diese negativ sind, wissen wir, dass wir spielen können - wenn bei unserem Gegner ebenfalls keine Infektionen auftreten.
Hamburg Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby im großen 24hamburg.de-Interview: „Corona-Krise hat uns auf den Kopf gestellt“ (24hamburg.de-Montage)
Was sind Ihre Wünsche für das kommende Jahr – sportlich und privat?
Erst einmal Gesundheit. Zudem hoffe ich, dass sich die Towers Schritt für Schritt weiter entwickeln. Und natürlich wünsche ich mir, dass unsere Fans endlich wieder zu uns in die Halle kommen dürfen. Sie haben uns selbst dann unterstützt, als es nicht lief. Dass sie jetzt, wo wir gewinnen, draußen bleiben müssen, tut mir unendlich leid. Es ist bitter, dass wir unsere Erfolge nicht mit ihnen teilen können. Was wäre wohl los gewesen, wenn wir gemeinsam unsere erste Tabellenführung in der BBL gefeiert hätten?

Rubriklistenbild: © dpa/Georg Wendt & Johannes A. Rosenburg/24hamburg.de

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