Arbeitsloser Physiker

Hamburg: Prozess im Nachbarschafts-Streit – wollte er seinen Nachbarn umfahren?

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
    schließen

Es war ein Streit unter Anwohnern, der über Jahre schwelte – und dann eskalierte. Nun muss ein 55-jähriger Hamburger sich vor Gericht verantworten.

  • Ein arbeitsloser Physiker zieht nach Hamburg-Sülldorf, von Beginn an hat er mit seinem Nachbarn Streit.
  • Nach Jahren der Auseinandersetzung eskaliert die Situation.
  • Der Angeklagte soll seinen Nachbarn umgefahren und schwer verletzt haben.
  • Nun muss sich der 55-Jährige vor dem Hamburger Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten.

Hamburg – August vergangenen Jahres in einer Reihenhaus-Siedlung in Hamburg-Sülldorf: Zwei Männer, die sich nicht mögen, treffen sich auf einem Parkplatz am Mühlenweg. Sie sind Nachbarn, von Anfang an hatten sie Streit. So auch dieses Mal wieder: Doch dieses Mal ist es anders, dieses Mal eskaliert es.

Stadtteil von Hamburg: Sülldorf
Bezirk: Altona
Fläche: 5,7 km²
Einwohner: 9436 (Stand: 31. Dezember 2019)

Wie nun vor Gericht geschildert, fing es an mit Worten. Der eine provoziert den anderen, die Situation schaukelt sich hoch. Dann wird es handgreiflich: Der angeklagte 55-Jährige schlägt zu. Der andere Nachbar holt daraufhin sein Handy raus – und filmt die Szene. Der 55-jährige Physiker fühlt sich zur Schau gestellt – und setzt sich in sein Auto.

Hamburger Nachbarschaftsstreit eskaliert: Danach rief er seine Mutter an

Doch statt nun einfach wegzufahren, entscheidet sich der Mann anders. Er steuert auf seinen Nachbarn zu – und gibt Gas. Er quetscht den Mann mit einem Auto gegen einen Zaun. Dieser wird dabei schwer verletzt wird. Als das Opfer auf dem Boden liegt, nimmt der Mann einen großen Schluck Kaffee aus seiner Thermoskanne und ruft seine Mutter an. Soweit die Schilderung des Tatherganges im Gerichtsprozess.

Vor dem Hamburger Landgericht muss sich ein Mann verantworten, weil er seinen Nachbarn mit dem Auto umgefahren hat. (24hamburg.de-Montage)

Teils unter Tränen schilderte der Mann vor dem Hamburger Landgericht den Vorfall – und legt damit ein umfassendes Geständnis ab. Er ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. Der Prozess begann am Mittwoch, 3. Februar 2021. Das Urteil wird im März erwartet.

Der 55-Jährige sitzt seit August vergangenen Jahres in Untersuchungshaft, 2015 zog der arbeitslose Physiker in das Haus in Hamburg-Sülldorf. Das hatten ihm seine Eltern gekauft. Er will es nun verkaufen.

Hamburger Nachbarschaftsstreit eskaliert: das Auto als Waffe

Es ist nicht der einzige Prozess in der Stadt Hamburg, der die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht: Auch die Gerichtsverhandlung von Deutschrapper und 187-Strassenbande-Mitglied Gzuz sorgte für Schlagzeilen – vor allem, weil er sich so respektlos aufführte. Dafür gab es dann auch ein entsprechendes Urteil.

Das Auto als Waffe: Ein ähnlicher Vorfall sorgte da für einiges Aufsehen. Ein aufgebrachter Auto-Mob attackierte einen Autofahrer auf der A1. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa & Oliver Schaper/imago

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare