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Sternschanze: Hamburgs buntester Stadtteil

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Von: Kevin Goonewardena

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Das linksautonome Kulturzentrum Rote Flora im Schanzenviertel
Das linksautonome Kulturzentrum Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel. (24hamburg.de-Montage) © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Sternschanze ist der kleinste Stadtteil Hamburgs und der mit den außergewöhnlichsten Leuten. Das Schanzenviertel lädt ihre Besucher zum Entdecken ein.

Hamburg-Sternschanze – Ländliche Idylle, abgerockte Arbeiterviertel, quietschbunte Künstler-WGs, mondäne Stadtvillen: Das alles ist Hamburg. Jede Woche samstags gehen wir auf Streifzug. Heute sagen wir: #ahoisternschanze.

Der Stadtteil Sternschanze, von allen nur „Schanze“ genannt, zählt nicht nur zu den bekanntesten Stadtteilen Hamburgs, er ist ähnlich wie St. Pauli sinn- und identitätsstiftend, und das Wunschwohnviertel vor allem zugezogener junger Menschen. Die bunte Mischung an originellen Leuten, verschiedensten kleinen Läden, fernab vom Mainstream, das aufregende Barleben und die bunte Kunst- und Musikszene, prägen den Ruf des Stadtteils weit über Hamburgs Grenzen hinaus.

#ahoisternschanze: Eine kurze Geschichte des Viertels

Der Name des Stadtteils kommt von einer 1682 entstandenen Verteidigungsanlage auf dem Gebiet, die sternenförmig angelehnt dem Stadtteil seinen Namen gab. Die Anlage hielt die dänische Belagerung Hamburgs aus, die 1686 scheiterte. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nachdem die Befestigung abgetragen wurde, wurden die ersten gemischten Wohn- und Gewerbegebiete gebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand an der Verbindungsbahn zwischen Hamburg und Altona der Bahnhof Sternschanze der S-Bahn Hamburg und Hochbahn. In den 1970er-Jahren wurde der Hamburger Stadtteil von vielen Studenten entdeckt, da es damals nahe der Universität war und ein preisgünstiges Wohngebiet darstellte. Der zentrumsnahe und gut erschlossene Stadtteil entwickelte sich in der Folge immer mehr zum beliebten, günstigen Wohnviertel, hatte aber bis weit in die 1990er Jahre hinein unter der damals sehr ausgeprägten Drogenszene zu leiden. Der Schanzenpark ist bis heute ein stadtweit bekannter Treffpunkt für Dealer. Im Park kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Dealern und der Polizei.

#ahoisternschanze: So kreativ ist das Schanzenviertel

Wer etwas erleben möchte, wird im bekannten Schanzenviertel fündig. Das Herzstück des Gebiets sind das Schulterblatt, die Schanzenstraße, die Susannenstraße, die Bartelsstraße, der Bahnhof Sternschanze und der Sternschanzenpark mit dem dortigen Wasserturm. Ende des 20. Jahrhunderts hat sich dort eine alternative Kunst- und Musikszene entwickelt. Gleichzeitig profitierte das Schanzenviertel durch den Internetboom von 1998 bis 2001. Viele Unternehmen kamen in das Viertel und sanierten ehemalige Fabrikgebäude. Die durch die Aufwertung der Altbauwohnungen und dem Bau von Neubauten in Gang gesetzten Verdrängungsprozesse reichen bis heute an und machen die Sternschanze bis heute zum umkämpften Stadtteil.

In jüngerer Vergangenheit sorgte der Streit um das alternative Wohn-, Arbeits-, und Künstlerprojekt Schanzenhof (Schanzenstraße 75, unter anderem Bio-Restaurant Schanzenhof, Programmkino 3001 und Drogenhilfeeinrichtung Palette) und der Abbruch des Gebäudes der OZM Art Space Gallery (Bartelsstraße 65, mit Arbeiten des legendären Hamburger Sprayers und „Großvaters der Hamburger Graffiti-Szene“ Walter Josef Fischer genannt OZ († 2014), dessen Tod ein bundesweites Medienecho nach sich zog. Die Urban / Graffiti Exhibition Hammerbrooklyn Project der OZM Macher ist mittlerweile im namensgebenden Stadtteil an der Spaldingstraße zu finden.

#ahoisternschanze: Ausgehen in der Schanze – hier findet jeder seine Lieblingsbar

Während man Clubs und Livemusiklocations eher auf St. Pauli zu finden sind, ist die Schanze heute vor allem für das Barleben bekannt. Unzählige Restaurants und Bars tummeln sich im kleinen Stadtteil. Ob Omas Apotheke, Die Mutter – Hamburger Lieblingskneipe des Pop-Chronisten Linus Volkmann – die Walfischbar, Goldfischglas, Berliner Betrüger, Chief Brody - die Nachfolgebar des legendären Kleiner Donner, benannt nach einem Charakter aus der „Der Weiße Hai“-Reihe; oder die Katze, die in der Corona-Pandemie durch einen Corona-Ausbruch mit 600 Infizierten bundesweit in die Schlagzeilen* geriet, für jeden und jede findet sich in der Schanze die richtige Bar. Dazu viele gute, internationale Küchen von Tapas bis asiatisch, von Kumpir bis zu Fisch, insbesondere in der Susannenstraße und auf dem Schulterblatt, dem Zentrum des Viertels um das bundesweit bekannte linksautonome Projekt Rote Flora. Nicht zu vergessen die Falafel-Meile rund um den S-Bahnhof. Und auch Fans des TV-Koch und Unternehmers Tim Mälzer werden im Schanzenviertel fündig: Das Restaurant Bullerei, das nach Corona-Pause nun wieder geöffnet hat, findet sich am Rand des Viertels (Lagerstraße 34B), unweit des Schlachthofs.

#ahoisternschanze: Rote Flora – Konservatives Schreckgespenst und nicht totzukriegendes Kulturzentrum

Die Geschichte der Roten Flora, beziehungsweise ihrer Vorgänger reicht bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, die der Besetzung des damals leerstehenden Gebäudes, das zuletzt von der Kaufhauskette 1000 Töpfe genutzt wurde, fand im Jahr 1989 ihren Anfang. Die Rote Flora ist heute das bekannteste linksautonome Zentrum Deutschlands und das einzige, das es schafft, Tausende zu mobilisieren. Die Stadt hat mittlerweile das Gebäude von dem vormaligen Besitzer zurückgekauft.

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Immer wieder ist die Flora und ihr Umfeld in den landesweiten Schlagzeilen. Zuletzt hatten sich Flora-Aktivisten mit Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) ein erheiterndes Katz-und-Maus-Spiel in der sogenannten „Pimmelgate“-Affäre geliefert, das die Linksautonomen am Ende für sich entscheiden konnten.

Im Flora Park hinter dem Gebäude befindet sich unter anderem ein Hochbunker, der in Gänze als legale Graffit-Hall of Fame und mit einer 20 Meter hohe Kletterwand „Kilimanschanzo“ als Kletter-Spot genutzt wird. Viele der Graffitis dort und im gesamten Schanzenviertel sind von Frost187, Mitglieder der Hamburger Straßenrap-Posse 187 Straßenbande. Die Crew um Bonez MC und GZUZ, der sich mal wieder vor Gericht verantworten muss, betreibt unweit von Schulterblatt und Schanzenstraße auf St. Pauli (Beim Grünen Jäger 14) ihr Tattoostudio 187 Ink.

#ahoisternschanze: Ein ganzer Tag auf der Hamburger-Sternschanze

Doch bevor es abends in das Sternschanzen Barleben geht, kann man auch am Tag das Viertel genießen. Im Schanzenviertel finden sich viele kleine, inhabergeführte Modeboutiqen, Filialen hipper Ketten und Plattenläden. Dazu gehören etwa Chicks N Dicks (unter anderem mit Herrenmode des dänischen Designers Henrik Vibskov, ebenfalls Susannenstraße 4), La vie est belle (Kleider und Accessoires, Bartelsstraße 8), Große Freiheit (Vitage, Schuhe, Taschen in der Susannenstraße 3) oder der Streetwear-, Caps- und Cans-Laden schlechthin, der jedes HipHop-Herz höher schlägen lässt, Underpressure (Schanzenstraße 10). Aber auch Filialen angesagter Ketten finden sich in der Schanze, etwa Etited (Schanzenstraße 97), Carhartt WIP  (Schanzenstraße 10), Kauf dich glücklich (Schulterblatt 1 und Susannenstraße 4), Weekday auf dem Schulterblatt, Fred Perry (Schanzenstraße 46).

3 schnelle Facts – schon gewusst?

■ Die Schauspielerin und Tochter von Punk-Lady Nina Hagen, Cosma Shiva Hagen, betrieb nach einer Kneipe am Fischmarkt auch eine Galerie in der Schanze.

■ Der Hamburger Luxushersteller für hochwertige Schreibgeräte, Lederwaren, Schmuck und Uhren Montblanc hatte sein Stammhaus jahrzehntelang in der Schanzenstraße 75. Das Gebäude trägt heute noch den Namen der Firma.

■ Pop-Sänger Sasha nannte die Schanze rund 15 Jahre sein zuhause.

Besonders auf dem Schulterblatt sind die kleinen, inhabergeführten Boutiquen in den letzten Jahren gewöhnlichen Ketten gewichen, auch Billigläden und Billig-Frisöre haben sich hier vermehrt angesiedelt. Ein Ausflug aufs Schulterblatt lohnt sich dennoch, wie ins Schanzenviertel generell auch heute noch und immer wieder. *24hamburg.de, merkur.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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