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Hamburg: SPD will „oben ohne“ in Freibädern erlauben – auch für Frauen

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Von: Christian Einfeldt

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In Göttingen ist „Oben-ohne“ schon erlaubt. Folgt nun auch Hamburg? Die SPD aus Eimsbüttel fordert eine Umsetzung vehement – und könnte schon bald Erfolge feiern.

Hamburg – Die SPD will ein Zeichen setzen, das über die Grenzen von Hamburg-Eimsbüttel hinausgeht. Ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung: Wie Männer sollen auch Frauen „oben ohne“ in Schwimmbädern baden dürfen. Bereits in wenigen Tagen könnte eine Entscheidung gefallen sein: Am 30. Juni 2022 möchte die Bezirksversammlung über den Antrag abstimmen. Bei entsprechendem Ausgang könnte der Antrag am 1. Juli erstmals greifen: „Solche Unterschiede zwischen den Geschlechtern“ sei 2022 „nicht mehr zeitgemäß“ – so die Argumentation von Hamburgs SPD-Politikerin Paulina Reineke-Rügge, die dem Antrag zugrunde liegt.

Stadtteil von Hamburg:Eimsbüttel
Fläche:3,2 km²
Einwohner:57.593 (31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte:17.998 Einwohner/km²

Schwimmen in Hamburg: SPD fordert, dass alle Menschen „oben ohne“ schwimmen dürfen

Paulina Reineke-Rügge, Bezirksabgeordnete der SPD in Eimsbüttel, will neue, progressive Wege gehen. Im Wortlaut der SPD-Pressemitteilung heißt es: „Für uns ist klar, dass diskriminierende Kleidervorschriften in Eimsbüttel keinen Platz haben“. Die Schlusskonsequenz der Hamburger SPD: Nicht nur Männer – jeder müsste das Recht bekommen, mit freiem Oberkörper baden und herumlaufen zu können. Mit anderen Worten: Wenn es Männern gestattet wird, dann auch allen anderen Menschen.

Die Forderung spiegelt eine Debatte wider, die immer mal wieder aufflammt – national wie international. Ein Diskurs in Frankreich über das Tragen von Burkini, Bikini und „oben ohne“ schwappte zuletzt auch nach Hamburg über. Gegenüber der Hamburger Morgenpost sagte ein Sprecher der Bäderland GmbH, Betreiber von mehreren Hamburger Schwimmbädern, im November 2022, dass es Frauen in den Bändern – wie etwa in der Alster-Schwimmhalle, die Ende 2023 wiedereröffnet werden soll – auch zukünftig nicht gestattet sei, sich oberkörperfrei aufzuhalten. Das Tragen von Bikinis oder Badeanzügen sei als Teil der Badeordnung zu verstehen, hieß es damals.

Ein Badeanzug liegt auf der Mauer.
Die Forderung der Hamburger SPD könnte schon bald „Oben-Ohne-Schwimmen“ für alle erlauben. (Symbolbild) © Annette Riedl/dpa

Hamburg könnte Göttingen folgen: In Niedersachsen ist „oben ohne“ seit 1. Mai erlaubt

Mit ihrem Engagement für eine Haus- und Badeordnung, die keinen Menschen diskriminieren soll, steht die Hamburger SPD aus Eimsbüttel keineswegs alleine da. Bereits in diesem Jahr war es die niedersächsische Stadt Göttingen, die seit dem 1. Mai Frau Oben-Ohne-Schwimmen an zwei Tagen pro Woche erlaubt. Der „Eimsbüttel Nachrichten“ zufolge war der Entscheidung ein Vorfall vorausgegangen, bei dem eine Person, die sich nicht als Mann oder Frau identifiziert, des Platzes verwiesen wurde, weil sie im Schwimmbad ihre Brust nicht bedeckt hatte.

Medienberichten zufolge wurde es als ein Verstoß gegen die Badeordnung gewertet. Die Debatte bekam fortan neuen Auftrieb – mit bekanntem Ergebnis: Samstags und sonntags dürfen auch Frauen und nicht-binäre Menschen in Göttingen oberkörperfrei schwimmen.

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Dass die Debatte nun auch Einzug in die Eimsbütteler Bezirksversammlung findet, ist sicherlich auch der Initiative „Gleiche Brust für alle“ geschuldet. In einer zugehörigen Petition stellt sich die Initiative mit folgenden Denkansätzen vor: „Das Erste, was die meisten Kinder sehen, ist eine Brust“. „Wie kann es dann sein, dass diese in der Öffentlichkeit als nicht-jugendfrei, als per se sexualisiert, wahrgenommen wird?“

Laut Hamburger SPD könnte „Oben-Ohne-Konzept“ schon ab 1. Juli wirksam werden

Dass Hamburg schon bald Göttingen und dem „Oben-Ohne-Konzept“ folgen könnte, hält SPD-Politiker Reineke-Rüggen unterdessen für realistisch. „Da es eine grüne Mehrheit gibt, stehen die Chancen gut, dass der Antrag angenommen wird“.

Eine Umsetzung könnte dann bereits schnell erfolgen: „Sowohl für die städtischen Schwimmbäder wie das Kaifu oder Bondenwald als auch für die privaten Bäder ist die Regelung nicht bindend, sondern eine Empfehlung“, wird die Politikerin seitens des Hamburger Abendblattes zitiert. Wie das Abendblatt berichtet, könnte der Antrag schon ab dem 1. Juli wirksam werden. Wer es denn möchte, könnte dann auch in Hamburgs erstem Freibad „oben ohne“ herumlaufen.

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