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Coronavirus-Kontrollen auf Hamburger Reeperbahn – so tricksen Bar-Besitzer Polizei aus

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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  • Christian Domke Seidel
    Christian Domke Seidel
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Coronavirus-Razzia auf der Reeperbahn in Hamburg: In der Nacht zum Sonntag, 11. Oktober 2020, sind etliche Polizisten auf dem Kiez im Einsatz, um Verstößen gegen die Coronavirus-Regeln aufzulauern.

Hamburg* – Unter anderem weil die Neuinfektionen in der Hansestadt immer weiter ansteigen*, führte die Hamburger Polizei in der Samstagnacht, 10. Oktober 2020, erneut eine Groß-Razzia auf dem Kiez durch. Dabei wollten sie möglichen Verstößen gegen die Coronavirus-Regeln und Schutzkonzepte auf die Schliche zu kommen.

Straße in HamburgReeperbahn
Länge930 m
StädteHamburg

Hamburg: Coronavirus-Razzia auf dem Kiez – Polizisten und Beamte kontrollieren in Clubs und Bars

Nach Informationen des Focus zogen Beamte des Zolls, des Amtes für Arbeitsschutz und der Feuerwehr – teilweise in zivil – gegen 21 Uhr los, um etliche Clubs und Bars auf dem Kiez zu durchforsten. Unter den Kontrolleuren befand sich auch Falko Drossmann, Bezirksamtsleiter in Hamburg-Mitte. In einigen Bars und Kiosken führte er inkognito Testkäufe durch.

Auch uniformierte Polizisten waren in der Nacht zum Sonntag auf dem Kiez unterwegs. Da die Bar-Betreiber diese bereits aus der Entfernung erkennen konnten, versuchten einige von ihnen in letzten Moment die Einhaltung von Coronavirus-Regeln vorzugaukeln. Falko Drossmann konnte diese Tricks schnell entlarven. Gegenüber der Mopo berichtet er von den Tricks der Bar-Betreiber:

In der Nacht zum Sonntag, 11. Oktober 2020 führt Beamte Coronavirus-Kontrollen auf dem Kiez durch. (24hamburg.de-Montage)

Coronavirus-Kontrollen auf Hamburger Kiez – mit dieser Masche tricksten Bar-Betreiber Beamte aus

Türsteher lösten einen internen Alarmknopf aus, um Kollegen im Inneren der Etablissement zu warnen. Andere flüchteten vor den Beamten in die Läden, um schnell für Ordnung zu sorgen und das Tanzen zu unterbinden, bevor sich die Beamten ein Bild vom Geschehen machen konnten“.

In den bekannten Lokalen „Shooters“ und „Albers Eck“ tummelten sich besonders viele Gäste, sodass die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden konnten. In anderen Bars wurden Verstöße gegen die Maskenpflicht und das Tanzverbot festgestellt. Allerdings hätten sich viele Lokalitäten aber auch an die Coronavirus-Regeln gehalten.

Bereits in der Nacht zum Samstag, 10. Oktober 2020, hatten mehr als 250 Beamte Kontrollen in Hamburg durchgeführt. Insgesamt 355 Orte wurden dabei durchsucht. „Bei 314 gab es keine Beanstandungen“, bilanzierte Polizeipräsident Ralf-Martin Meyer auf einer Pressekonferenz.

Corona-Razzia auf dem Kiez: Bezirksamt schließt Bars – „massive Verstöße“

Erstmeldung vom 21. September 2020, 13:57 Uhr: Hamburg kommt in Sachen Coronavirus-Sars-CoV-2 nicht zur Ruhe. Nach einem Ausbruch im Schanzenviertel* kontrollierte das Bezirksamt ab Samstagnacht, 19. September 2020, insgesamt 25 Clubs und Bars auf der Reeperbahn. Dabei seien „massive Verstöße“ festgestellt worden. Zwei Läden mussten sogar schließen. Wird die Reeperbahn zum Corona-Kiez?

Reeperbahn: „Massive Verstöße“ gegen Coronavirus-Regeln festgestellt – zwei Clubs müssen schließen

Die Wirte der Reeperbahn mussten lange dafür kämpfen*, um überhaupt wieder aufsperren zu dürfen. Zu groß schien dem Hamburger Senat* die Gefahr eines Coronavirus-Ausbruchs. Als die Läden dann endlich wieder aufmachen konnten, musste die Polizei Hamburg* auch prompt die Große Freiheit räumen*. Abertausende Menschen machten dort Party und hielten sich an keinerlei Hygienemaßnahmen. Die Konsequenz: mit Sperrstunde und Alkoholverbot soll gegen die zweite Welle des Coronavirus-Sars-CoV-2 vorgegangen werden*.

Die Polizei Hamburg kontrolliert die Zugänge an der Reeperbahn.

Auch deswegen gab es in Hamburg ein Außer-Haus-Alkoholverkaufsverbot*. Das Cornern sollte verhindert werden. Wer Party machen wollte, sollte nicht mehr in großen Gruppen zusammen an der Ecke stehen und trinken. Ein Verbot, das zu Missverständnissen geführt hätte, glaubt Olivia Jones*. Sie geht davon aus, dass viele Gäste nicht gekommen wären, weil sie ein allgemeines Alkoholverbot befürchtet hätten. Deswegen buhlte die Travestie-Künstlerin zusätzlich um neue Kundschaft* für die Reeperbahn.

Bezirksamt Hamburg Mitte kontrolliert Clubs und Bars auf der Reeperbahn

Und die zusätzliche Kundschaft schien gekommen zu sein, wie das Bezirksamt Hamburg Mitte bei einer Kontrolle feststellen musste. Am Samstagabend, 19. September 2020, kontrollierten die Beamten zwischen 23:00 Uhr und 4:00 Uhr etwa 25 Läden an der Reeperbahn, berichtet die Mopo. Bei zehn Stück seien teils „massive Verstöße“ festgestellt worden. Zwei Läden hätten direkt schließen müssen, zwei weitere hätten die Hälfte der anwesenden Gäste rausschmeißen müssen.

Dabei seien die Kontrollen nicht immer problemlos verlaufen, berichtet Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) gegenüber der Mopo. So hätten teilweise Türsteher das Eintreten der Kontrolleure verzögert. Auf diesem Wege hätten Gäste durch den Hinterausgang verschwinden können. Die Polizei hätte wegen der enormen Menschenmengen, die plötzlich aus den Clubs strömten, die Zugänge zur Großen Freiheit regulieren müssen.

Herbertstraße wird gelobt: Hygienemaßnahmen in der Prostitution gut umgesetzt

Das Bezirksamt Mitte kontrollierte dabei dreigleisig. Zum einen sei ein Team unterwegs gewesen, das ausschließlich das Außer-Haus-Alkoholverkaufsverbot kontrolliert hätte. Zusätzlich sei ein Beamter in Zivil durch die Läden gegangen. Das dritte Team hat dann die eigentlichen Kontrollen durchgeführt. Die häufigsten Verstöße gegen die Hygienemaßnahmen seien das Tanzen ohne Maske und total überfüllte Clubs gewesen. Darüber wird auch bei ZDF-Moderator Markus Lanz gesprochen*.

Trotz der erwähnten Probleme seien die Kontrollen grundsätzlich reibungslos verlaufen. Die meisten Lokale hätten „wirklich toll verhalten“, zitiert die Mopo Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD). Die Läden würden „wirklich viel Aufwand betreiben und auf Umsatz verzichten, um die Hygieneregeln einzuhalten. Auch in der Herbertstraße hat das sehr gut funktioniert.“ Nach einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Hamburg dürfen auch die Prostituierte in der Hansestadt ihre Leistungen wieder anbieten*.

Neue Coronavirus-Maßnahmen für Reeperbahn nicht geplant: „Wegen ein paar Idioten“ nicht alle bestrafen

Wie es mit den Coronavirus-Maßnahmen rund um die Reeperbahn jetzt weitergeht, ist noch offen. Von Verschärfungen für die Wirte sieht Falko Droßmann (SPD) erst einmal ab: „Nur wegen ein paar Idioten, wollen wir die anderen Läden nicht mitbestrafen.“ Erst, wenn „nachhaltig und wiederholt“ gegen die Auflagen verstoßen werden würde, könnte über Sanktionen oder gar einen erneuten Lockdown nachgedacht werden.

Den Fehler sieht Falko Droßmann (SPD) nicht bei den Gästen, sondern in erster Linie bei den Betreibern der Clubs und Bars: „Die meisten Gäste wollen wieder eine unbeschwerte Zeit genießen und verlassen sich darauf, dass die Bars und Discos die Corona-Regeln einhalten.“ Die Vorfälle auf der Schanze haben gezeigt, wie schnell unzureichende Hygienemaßnahmen eskalieren können.

Hamburg: Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen – Winterdom 2020 und Fischmarkt vor Comeback

24hamburg.de/hamburg berichtet auch darüber, dass mit dem Hamburger Fischmarkt eine weitere Kult-Einrichtung der Hansestadt* vor der Rückkehr aus dem Coronavirus-Lockdown steht. Auch der Hamburger Winterdom 2020 soll unter strengen Hygienereglungen* stattfinden können. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa/picture alliance

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