Diese Oma ist auf Zack

Hamburger Gangster vor Gericht – Oma aus Harvestehude schnappt den Abzocker

  • Enno Eidens
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Ein Enkeltrick-Abzocker steht vorm Hamburger Landgericht. Geschnappt hat ihn eine Dame aus Hamburg-Harvestehude. Sie ließ sich nicht abzocken.

Hamburg/Harvestehude – Betagte Bürger der Hansestadt müssen stets aufmerksam sein. Trotz massiver Warnungen durch die Hamburger Polizei ist der „Enkeltrick“ noch immer beliebt bei Abzockern – doch die Opfer wehren sich. Nun hat eine Dame aus Harvestehude den Spieß umgedreht: Die Abzocke scheitert, die Polizei schnappt den Gangster. Der steht nun vor Gericht – während sein Clan-Pate gerade entlassen wurde und eine dicke Corona-Party schmeißt.

Stadtteil in Hamburg:Harvestehude
Fläche:200 ha
Postleitzahl:20144, 20146, 20148, 20149, 20249, 20253
Einwohner:17.875 (31. Dez. 2019)
Bezirk:Eimsbüttel
Bevölkerungsdichte:8938 Einwohner/km²
Vorwahl:040

Hamburger Enkeltrick-Betrüger vor Gericht – Oma aus Hamburg-Harvestehude hilft der Polizei

Der Fall Jacek L. – so der Name des Angeklagten Abzockers – liest sie wie das Einmaleins aus dem Lehrbuch der Enkeltrick-Abzocker. Kein Wunder, schließlich hat er seine Kniffe wahrscheinlich bei Arkadiusz L., dem angeblichen Erfinder des Enkeltricks gelernt. Darüber berichtet abendblatt.de. Jacek L. geht ganz nach Lehrbuch vor. Am 3. März 2020 ruft er bei einer 79-jährigen Dame aus der Harvestehuder Sophienterrasse an – durchaus eine schicke Gegend, wo man viel Erspartes vermuten kann.

Der Enkeltrick: Auch in Hamburg werden ältere Personen abgezockt. (24hamburg.de-Montage)

Der Betrüger beginnt die Enkeltrick-Masche ganz nach Leitfaden abzuziehen. Die ältere Dame solle zuerst erraten, wer am Telefon sei. So beschaffen sich die Abzocker ohne große Recherche von vermeintlich verwirrten Senioren Namen aus deren Umfeld. Doch die 79-Jährige ist fit und bemerkt sofort, dass sie abgezockt werden soll. Genau deshalb spielt sie mit und tut so, als würde sie ihren Enkel Daniel erkennen. Der Betrüger nimmt das Geschenk an und setzt die Abzockerei gnadenlos fort. 24hamburg.de* berichtet von dem Hamburger Krimi.

Hamburger Oma entlarvt Enkeltrick-Abzocker – bei der Übergabe schnappt die Falle zu

Die Masche des Abzockers ist kreativ. Er tut so, als hätte er einen Verkehrsunfall gehabt – 18.000 Euro Schaden müssten bezahlt werden. Die Polizei wolle er allerdings nicht einschalten, um seinen Führerschein nicht zu riskieren. Da sollte die Hamburger Oma von „Daniel“ nun aushelfen. Das tut die 79-Jährige auch – scheinbar. Hinterrücks jedoch schaltet die clevere Hamburgerin sofort die Kollegen der Hamburger Polizei ein. Die bereiten sich auf die Geldübergabe am Harvestehuder Mittelweg vor.

Enkeltrick

Als Enkeltrick oder Neffentrick wird ein betrügerisches Vorgehen bezeichnet, bei dem sich Trickbetrüger über das Telefon, meist gegenüber älteren und/oder hilflosen Personen, als deren nahe Verwandte ausgeben, um unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an deren Bargeld oder Wertgegenstände zu gelangen. (Quelle: Wikipedia)

Der Betrüger ist natürlich vorbereitet. Er weiß, dass seine angebliche Oma ihren Enkel erkennen würde. Also tut er so, als müsse er in die Werkstatt und ein gewisser „Herr Roth“ würde das Geld stattdessen für ihn abholen. Jacel L. spielt den Herrn Roth an diesem Tag. Dann geht alles ganz schnell und schmerzlos. Die „Beute“ wird übergeben, die Hamburger Polizei schnappt zu. Jacek L. steht am 25. Augustv 2020 zum ersten Mal vor Gericht. Seit 2013 soll er mehrfach ähnliche Tricks abgezogen haben.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft Jacek L. vor, in sechs Fällen bandenmäßig betrogen zu haben. Bei fünf davon hatte er allerdings kein Erfolg. Eine schlechte Ausbeute für einen Enkeltrick-Abzocker. In Dortmund, Berlin, Essen, Hannover und Hamburg war Jacek L. aktiv. Hinter steckt eine ganze Bande aus Profi-Abzockern aus Polen.

Gangster-Chef feiert wilde Corona-Party in Polen – Abzocker-Bande terrorisiert Deutschland

Der angebliche Chef der Bande heißt „Hoss“ bürgerlich Arkadiusz Lakatosz. Er soll den Enkeltrick ursprünglich erfunden haben und saß mehrfach im Gefängnis. Im Mai 2014 wurde er von polnischen Polizisten in seinem Haus in der Warschauer Innenstadt festgenommen, berichtet der Spiegel. Arkadius feierte wilde Partys und fuhr dicke Autos. Die Ermittler vermuten, dass er das Geld aus einem weiten Netzwerk an Enkeltrick-Abzockern hat. Allein in Deutschland gebe es hunderte Opfer. Erfunden wurde der Enkeltrick angeblich 1999 in Hamburg.

Doch Arkadiusz L. kommt im Frühjahr 2017 wieder frei, ein Gericht stufte ihn als nicht haftfähig ein. Kurz darauf verstößt er gegen die Auflagen und kommt wieder ins Gefängnis. Im März 2020 wird der Abzock-Boss dann wieder entlassen. Laut Abendblatt-Bericht schmiss der Gangster-Boss direkt wieder eine große Party, Champagner und Festmahl inklusive.

Hamburger Polizei informiert über den Enkeltrick – mit diesen Tricks können sich Opfer wehren

Über den Enkeltrick wird inzwischen sehr intensiv informiert, die Erfolgsquote der Abzocker ist deutlich gesunken. Auf ihrer Website informiert die Hamburger Polizei über den Enkeltrick und gibt Tipps, wie man nicht Opfer von Betrug wird. Die meisten Tricks sind dabei eigentlich selbstverständlich und dennoch schwierig zu beherzigen, wenn jemand aus der eigenen Familie vermeintlich in Not ist. Das sind die Tipps der Hamburger Polizei:

  • Raten Sie nicht, wer anruft. Fordern Sie stattdessen Ihr Gegenüber auf, selbst seinen Namen zu nennen.
  • Seien Sie immer dann besonders misstrauisch, wenn Sie am Telefon zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen befragt werden.
  • Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! Versuchen Sie für sich Zeit zu nehmen, um diese angebliche Bitte / Forderung zu überdenken.
  • Stellen Sie gezielte Nachfragen, um festzustellen, ob es sich wirklich um Ihren Enkel handelt. Rufen Sie ihn unter der Ihnen schon bekannten Telefonnummer zurück.
  • Ein gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit! Ein echter Verwandter oder Freund wird das verstehen.
  • Übergeben Sie niemals Geld an Ihnen unbekannte Personen!
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Halten Sie Rücksprache mit Ihnen nahe stehenden Personen.
  • Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen. Damit entziehen Sie den Tätern die Grundlage, auf Sie aufmerksam zu werden.

Grundsätzlich gilt: Misstrauen ist gut. Wer glaubt, abgezockt worden zu sein, soll sich bei der Polizei melden. Viele Opfer trauen sich aus Scham nicht, ihren Verlust anzuzeigen. Die Hamburger Polizei fordert deshalb extra dazu auf und beruhigt die Opfer: „Schämen Sie sich nicht, jeder kann auf diese besonders gemeine Betrugsmasche hereinfallen.“ Die Aufklärungs-Kampagne zeigt Erfolg. Ein älterer Hamburger Herr hat ebenfalls Betrüger enttarnt*. Ob der Enkeltrick noch lange funktioniert oder bald andere Maschen erfunden werden? 

Die Hamburger Polizei hat auf jeden Fall stets viele Aufgaben auf dem Zettel. Ob Sie Hamburger GTA-Kids jagen* oder große Corona-Partys in Hamburg* auflösen müssen – zu tun ist genug. Da kommt es den Kollegen sicherlich gelegen, dass immer mehr ältere Hamburger deutlich wachsamer sind, wenn es um Rentner-Abzocke geht. Auch schlechte Nachrichten wie das Datenleck bei der Hamburger Polizei* sorgen für viel Stress im Revier. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

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