Vor Parteitag

CDU-Vorsitz: Hamburgs Favorit verliert Spitzenduell gegen Laschet

  • Jens Kiffmeier
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Drei Kandidaten, eine Partei: Die CDU hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. In Hamburg gab es einen klaren Favoriten, doch Friedrich Merz verlor die Stichwahl.

  • 1001 CDU-Delegierte kamen am 16. Januar zu einem digitalen Parteitag zusammen.
  • Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz rangen um Parteivorsitz.
  • Der Sieger Armin Laschet kämpft vielleicht mit Olaf Scholz um das Kanzleramt.

Update vom Samstag, 16. Januar 2021, 11.45 Uhr: Die Wahl ist entschieden – die CDU hat auf dem digitalen Parteitag einen neuen Vorsitzenden gefunden. In der ersten Runde gaben 992 von 1001 Delegierten ihre Stimme für einen neuen Partei-Vorsitzenden ab. Norbert Röttgen schied mit 224 Stimmen sofort aus. Zwischen Armin Laschet und Friedrich Merz kam es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Hamburger Favorit Merz errang in der ersten Runde 385 Stimmen, Laschet kam auf 380 Stimmen.

Danach kam es zur Stichwahl zwischen den beiden verbliebenen Kandidaten. Schon bei der letzten Wahl um den CDU-Vorsitz musste Friedrich Merz in die Stichwahl. Damals verlor er gegen Annegret Kramp-Karrenbauer. Und auch diesmal hat Hamburgs Favorit Merz das Nachsehen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet setzte sich mit 521 zu 466 Stimmen in der Wahl durch. Die Entscheidung muss nun noch einmal per formaler Briefwahl bestätigt werden.

Scholz-Herausforderer: Hamburger CDU sieht in Merz den besten Kandidaten

Erstmeldung vom 12. Januar 2021, 12.48 Uhr:

Hamburg – Die CDU will endlich den Stillstand beenden: Fast ein Jahr nach der Rücktrittsankündigung von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer soll endlich ein Nachfolger bestimmt werden. Drei Kandidaten stehen zur Auswahl – doch innerhalb des Landesverbandes der Hansestadt Hamburg gibt es eine klare Präferenz. Er nehme im Landesverband „eine sehr starke Zustimmung für Friedrich Merz wahr“, sagte der Landesparteivorsitzende Christoph Ploß jetzt der dpa. Er gehe davon aus, dass eine deutliche Mehrheit der Hamburger Delegierten den 65-Jährigen auch wählen werde.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Die CDU kommt am kommenden Samstag zu einem digitalen Parteitag zusammen. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Im Rennen stehen neben Merz auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Unions-Außenpolitikexperte Norbert Röttgen. Nach parteiinternen Querelen hatte Amtsinhaberin Kramp-Karrenbauer bereits im März des vergangenen Jahres ihren Rückzug verkündet. Wegen der Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Krise konnte der Parteitag aber zunächst nicht wie geplant stattfinden. Nach langer Debatte entschied man sich nun zu einem Online-Verfahren.

Neuer Parteichef: Was aus Hamburger Sicht für Merz spricht

Die Elb-CDU stellt bei der Wahl 16 der insgesamt 1001 Delegierten. Dies ist nur ein kleiner Teil – aber Favorit Merz dürfte es trotzdem freuen. Der Sauerländer sei der richtige Mann an der Parteispitze, sagte Ploß. Der Landeschef bescheinigte ihm einen „großen wirtschafts- und finanzpolitischen Sachverstand“ – eine Eigenschaft, auf die man in der Hansestadt Hamburg mit dem großen Hafen- und Industriestandort offenbar großen Wert legt. Insbesondere die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise würden in den kommenden Monaten einen enormen Druck entfalten, sagte Ploß in dem Interview. Da sei Merz aus seiner Sicht genau der richtige Mann.

Ringen sie um das Kanzleramt? Unionspolitiker Friedrich Merz (links) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Ob das die Mehrheit der Delegierten auch so sieht, bleibt abzuwarten. Aber immerhin die Umfragen stehen nicht schlecht für Merz. Unabhängig von den eigenen Parteimitgliedern sprechen ihm zumindest viele Deutsche eine gewisse Führungsqualität zu. So traut eine Mehrheit der Deutschen dem 65-Jährigen den CDU-Vorsitz durchaus zu. So sprachen sich in einer Umfrage des Datenspezialisten YouGov insgesamt 38 Prozent für Merz an der Parteispitze aus. Laschet und Röttgen holten nur 27 beziehungsweise 23 Prozent.

Scholz gegen Merz? SPD versucht bereits zu punkten

Der Ausgang des Rennens hat am Ende vielleicht auch Auswirkungen auf Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). Der ehemalige Erste Bürgermeister in Hamburg tritt für die SPD als Kanzlerkandidat bei der anstehenden Bundestagswahl an. Im September wurde er bereits von seiner Partei als Spitzenkandidat nominiert, um im September die langjährige Regentschaft von CDU-Kanzlerin Angela Merkel zu beenden. Die Sozialdemokraten erhofften sich im Kampf um das Berliner Regierungsamt einen Vorsprung gegenüber der Union, die ihre Machtfrage noch nicht klären konnte.

Seit dem Jahreswechsel bemüht sich Scholz nun auffällig hartnäckig darum, Schwung in seinen Wahlkampf zu bekommen. Sowohl mit TV-Interviews als auch mit vielen Aktivitäten auf den sozialen Netzwerken versucht er, mit guten Nachrichten bei den Wählern schon einmal zu punkten. Er legte sich zuletzt mit Corona-Leugnern an, er setzte sich für Gleichberechtigung ein – und er versprach gebeutelten Einzelhändlern ein baldiges Ende in der Corona-Krise. „Vieles von dem, was uns als Gesellschaft bevorsteht, werden wir nur meistern können, wenn wir solidarisch sind“, stellte er bei Twitter klar.

Doch aus Sicht der Hamburger CDU hat Scholz das Thema der sozialen Gerechtigkeit nicht ausschließlich für sich alleine gepachtet. Merz stehe, so ließ Landeschef Ploß verlautbaren, ebenfalls für einen „zielgenauen Sozialstaaat, der den Bedürftigen hilft“. Die Corona-Pandemie führe zu einem großen Schuldenberg zu Lasten der jungen Generation. Von allen drei Kandidaten habe sich Merz das Thema am stärksten auf die Agenda geschrieben.

Ob Kanzlerkandidat Scholz aber sich mit Merz duellieren muss – diese Frage wird auch am Wochenende noch offen bleiben. Denn ein neuer CDU-Chef ist nicht automatisch auch der Kanzlerkandidat. Bei der Nominierung hat üblicherweise auch die Unionsschwesterpartei CSU noch ein Wörtchen mitzureden. Und deren Vorsitzender, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, kann sich das Kanzleramt als nächsten Karriereschritt ebenfalls durchaus vorstellen. Am Ende könnte es also auch heißen: Scholz gegen Söder. Und nicht Scholz gegen Merz – auch, wenn das der Hamburger Landesverband wohl lieber sehen würde. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa/picture-alliance & Fabian Sommer /dpa/picture-alliance

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