Weil Coronavirus auch auf Straße tobt

Lebensgefahr: Hamburg verlängert Coronahilfe für hunderte Obdachlose

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
    schließen

Der Coronavirus-Sars-CoV-2 bedroht obdachlose Menschen. Auch ihnen wurde die Lebensgrundlage geraubt, auch sie werden krank. Doch die Stadt Hamburg hat reagiert und Quartiere eingerichtet, die den Schutz vor Infektionen verbessern sollen.

  • Hamburg verlängert Notprogramm für Obdachlose in der Coronavirus-Krise.
  • Dank Bahnhofsmission am Hauptbahnhof: „Alltag im Chaos.“
  • Auch Prostituierte brauchen jetzt dringend Hilfe.

Hamburg Wer in Hamburg obdachlos ist, kann sich in der kalten Jahreszeit an das Winternotprogramm wenden. Das sind zwei Großunterkünfte, die Obdachlosen Erstversorgung und einen Schlafplatz zukommen lassen. Als die Coronapandemie ausbrach, funktionierte die Stadt diese Einrichtungen zum Notunterbringungs- und Versorgungsprogramm (NUVP) um und öffnete sie wieder. Am gestrigen Donnerstag, 14. Mai, verlängerten die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration die Maßnahme. Vorerst bis Ende Juli.

Schutz vor Coronavirus-Sars-CoV-2: Hamburg verlängert Notprogramm für obdachlose Menschen

Das Bäderland auf St. Pauli hat für obdachlose Menschen geöffnet, damit sie dort duschen können.

Das Notprogramm, das von der sozialen Einrichtung „fördern und wohnen AöR“ betrieben wird, bietet an zwei Standorten insgesamt 650 Menschen einen Schlafplatz und warmes Essen. Im Rahmen des Infektionsschutzes muss aktuell allerdings genau auf die Zahl der Belegungen geachtet werden. So sind, je nach Zimmer, nur zwei oder drei Menschen erlaubt. Eine Anfrage von Die Linke Hamburg ergab, dass aktuell 439 Menschen das Angebot nutzen, wie Hinz&Kunzt berichten.

Die Obdachlosenhilfe in Hamburg hat sich seit Ausbruch der Coronapandemie mittlerweile etwas eingespielt. Wie auch eine Vertreterin der Hamburger Bahnhofsmission am Hauptbahn gegenüber 24hamburg erläutert: „Es ist Alltag im Chaos eingekehrt.“ Hintergrund ist, dass mit Beginn des Ausbruchs die Einrichtungen nicht gleichzeitig obdachlose Menschen versorgen und die Gesundheit ihrer eigenen Mitarbeiter gewährleisten konnten. Viele stellten ihr Angebot daraufhin ein.

Bahnhofsmission schafft „Alltag im Chaos“

Die Bahnhofsmission musste beispielsweise auch die Essensausgabe übernehmen. Zusätzlich und aus der Not heraus. Zu viele andere Einrichtungen hatten ihre Essensausgabe eingestellt, als das eine Versorgung ohne dieses Eingreifen hätte aufrecht erhalten werden können. "Plötzlich war alles anders.", beschreibt die Angestellte die Situation. Und das in einer unmöglichen Situation. Denn die Bahnhofsmission ist immer noch in Containern einquartiert, bis ihre neuen Räumlichkeiten fertig sind. Aber auch das kann noch dauern. Durch den Coronavirus-Sars-CoV-2 verzögern sich die Baumaßnahmen. Ursprünglich wäre die Fertigstellung für den Oktober 2020 angedacht gewesen. Der Termin könnte bis um ein Jahr nach hinten geschoben werden.

Obdachlose Menschen (hier in Berlin) haben es in der Coronapandemie besonders schwer. Sie sind auf die Hilfsangebote des Staates angewiesen.

Doch in der Bahnhofsmission geht die Arbeit natürlich weiter. Die Containerlandschaft konnte mit Plexiglaswänden und Durchreichen so umgebaut werden, dass sie den Auflagen zum Infektionsschutz genügt. Mit Atemmaske können die Mitarbeiter jetzt obdachlose Menschen beraten.

Hier finden obdachlose Menschen Hilfe während der Coronakrise:

  • NUVP-Standort in der Kollaustraße 15 in Hamburg-Lokstedt
  • NUVP-Standort in der Friesenstraße 22 in Hamburg-Hammerbrook
  • Duschmöglichkeiten gibt es im Bäderland-Bad St. Pauli
  • Zusätzliche Notunterkunft für Frauen: Kemenate, Charlottenstraße 30 in Hamburg
  • Bahnhofsmission am Hamburger Hauptbahnhof - Richtung Spitaler Straße
  • Mehrsprachiger Überblick über die Obdachlosenhilfe in Hamburg

Doch die Hamburger selbst wollten sich nicht auf die städtischen Maßnahmen allein verlassen, um den obdachlosen Menschen zu helfen. So hat beispielsweise Daniel Schmid, Kiez-Größe von der Reeperbahn, seinen Elbschlosskeller für Personen geöffnet, die Hilfe brauchen. Hier gibt es Essen, Beratung und medizinische Erstversorgung. Auch Prostituierte, deren Lebensgrundlage durch den Coronavirus zerstört wurde, finden bei Schmid und den öffentlichen Einrichtungen Hilfe. In Hannover überreichte derweil eine anonyme Spenderin der Obdachlosenhilfe einen Goldbarren*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa-zb-Zentralbild/dpa/picture alliance/

Kommentare