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Mieten um mehr als 100 Prozent gestiegen – 90.000 Hamburgern droht satte Erhöhung

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Von: Kevin Goonewardena

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Die Inflation wird mehrere Zehntausend Mieten in die Höhe treiben. Wer betroffen ist – und wo es noch günstigen Wohnraum für Familien gibt.

Hamburg – Die Lage auf den Immobilienmärkten ist seit Jahren angespannt. Und das global. Da ist auch Hamburg keine Ausnahme. Ob Interesse an Eigentum oder Miete, Interessierte müssen in den letzten Jahren immer tiefer in die Tasche greifen, um sich das Leben in der Hansestadt weiterhin leisten zu können oder erst zu ermöglichen. Gefüttert wird diese Entwicklung regelmäßig durch Meldungen noch extremerer Anstiege von Kauf- und Mietpreisen. Wie dieser Nachricht: 90.000 Hamburgern und Hamburgerinnen droht ein satter Anstieg der ohnehin schon hohen Mieten. Das berichtet das Hamburger Abendblatt.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:rund 1,8 Millionen
Prognostizierter Anstieg auf 2 Millionen Einwohner2035 (laut Statistikamt Nord)

Wohnen in Hamburg: Immobilienpreise seit 2011 um 112 Prozent angestiegen

Diese und andere Daten entstammen der Beratungsfirma Empirica Regio, die dem Abendblatt exklusiv vorliegen. 24hamburg.de hat die öffentlich zugänglichen Auszüge des Materials gesichtet. Daraus geht hervor, dass sich die Preise für Eigentum seit 2012 in Hamburg mehr als verdoppelt haben.

Bau von Miet- und Eigentumswohnungen auf dem Baufeld vom Buwog Pergolenviertel in der Nähe des Hamburger Stadtparks.
Im Schnitt entstehen 8000 neue Wohnungen pro Jahr in Hamburg. Doch das reicht nicht und oft sind es die Falschen. © Hanno Bode / Imago

Während sie bis 2012 stagnierten, stiegen sie in den nachfolgenden neun Jahren bis 2021 um satte 112 Prozent an. Auch die Mieten in Hamburg haben sich in dem letzten Jahrzehnt verdoppelt und sind zuletzt so hoch angestiegen, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Als Beispiel: Für eine Wohnung, die 2012 noch für 200.000 Euro zu haben war, mussten 2021 424.000 Euro bezahlt werden.

Wohnen in Hamburg: Im Schnitt 40 Prozent teurer als in Restdeutschland

Doch vor allem mit dem Anstieg der Mieten beschäftigen sich die im Abendblatt veröffentlichten Daten. Und das aus gutem Grund: 76 Prozent der Hamburger wohnen nach Zeitungsangaben zur Miete. Die Bestandsmieten, also Mieten der bestehenden Gebäude ohne Einbezug der neu gebauten Wohnungen, pendeln dabei zwischen 7,40 und 19,40 Euro pro Quadratmeter. Rund 31 Prozent geben Hamburger für Wohnkosten aus, sie müssen im Schnitt 40 Prozent mehr – also zwischen einem Drittel und der Hälfte – als im Bundesdurchschnitt aufwenden.

Es gibt in vielen Städten das Problem, dass zu viele kleine Wohnungen gebaut werden und Raum für Wohnungen mit vier und mehr Zimmern für Familien fehlen

Jan Grade, Geschäftsführer von Empirica Regio

Wohnen in Hamburg: Zu wenig große Wohnungen für Familien

Das sogenannte „Bündnis für das Wohnen in Hamburg“ – eine Vereinbarung zwischen dem Hamburger Senat, der Immobilienwirtschaft und dem städtischen Wohnungsunternehmen SAGA hatte als Ziel die Genehmigung von 10.000 neu zu bauenden Wohnungen pro Jahr ausgegeben und seit 2011, mit Ausnahme der Jahre 2012, 2015 und 2021 auch erreicht. Doch genehmigt ist noch nicht gebaut.

Im Schnitt, heißt es in dem Artikel, werden jedes Jahr 8000 Wohnungen neu fertiggestellt. Durchschnittlich für 7000 Menschen. Nicht nur, dass nicht genug Wohnungen gebaut werden, unter denen die neu entstehen, sind in Großstädten wie Hamburg zu viele kleine Wohnungen. Wohnungen mit vier und mehr Zimmern für Familien entstehen kaum. Und, anders als im Umland, mit Ausnahme des Landkreises Lüneburg, sind in Hamburg die großen Wohnungen teurer als kleine – wenn der Quadratmeterpreis und nicht der Gesamtpreis herangezogen wird.

Wohnen in Hamburg: Starker Rückgang bei großen Wohnungen unter Neubauten

Die Daten des Unternehmens weisen einen Anteil von Neubauwohnungen mit vier Zimmern in den Jahren 2011 bis 2015 von 23 Prozent aus, in den Jahren 2016 bis 2020 sank dieser auf 19 Prozent. Mehr als vier Zimmer wiesen bis 2015 noch 31 Prozent aller Neubauten auf. Seit 2016 beherbergen nur noch 18 Prozent der Wohnungen mehr als vier Zimmer.

Wohnen im Umland: Wo Familien noch günstig wohnen können

Nicht nur die Mieten in der Stadt selbst, sondern auch im Umland werden in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Denn die Wünsche nach mehr Wohnraum und einem Garten lassen sich für Familien dort am ehesten umsetzen. Im Kreis Steinburg (Schleswig-Holstein) gibt es die Vier-Zimmer-Mietwohnung bis zu 49 Prozent günstiger, als in Hamburg. Auch in den Kreisen Stade (Niedersachsen, 8,13 Euro je Quadratmeter) und Herzogtum Lauenburg (8,19 Euro) sind vier und mehr Zimmer noch relativ günstig zu haben.

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Wohnen in Hamburg: Bis zu 90.000 Indexmieten werden steigen

180.000 Hamburger müssen bereits mit einer Mietpreiserhöhung rechnen, geschätzt mindestens 70.000 Hamburger und Hamburgerinnen sind dank der sogenannten Indexmiete zusätzlich von Erhöhungen bedroht. Emperio Regio gibt im Abendblatt die vermutliche Anzahl von Indexmietverträgen in Hamburg gar mit 90.000 an. Die Erhöhung der Indexmieten richtet sich nicht nach dem Mietspiegel oder einer zuvor vereinbarten staffelweisen Erhöhung, sondern nach der Inflation. Experten rechnen im kommenden Jahr mit Mieterhöhungen bei Indexmietverträgen im Bereich von sechs bis sieben Prozent. Dazu kommt die zusätzliche Belastung der ebenfalls weiter ansteigenden Preise für Gas und Strom.

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