Schrott-Idee verhindert

„Abfckprämie“ vom Tisch: Hamburgs Greta und Fridays For Future happy

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Aufatmen bei Luisa Neubauer und Fridays for Future, denn die Klimaaktivisten konnten eine „Schrott-Idee“ der Bundesregierung verhindern. Es ist ein kleiner Erfolg, den die gebürtige Hamburgerin im Kampf gegen den Klimawandel verzeichnen kann. Doch: Die Freude hält nicht lang an.

  • Luisa Neubauer freut sich über einen Beschluss der Bundesregierung.
  • Fridays For Future konnte eine „Schrott-Idee“ verhindern.
  • Mahnender Appell: Von Klimaschutz könne man nicht sprechen.

HamburgFridays for Future (FFF) ist eine Bewegung, die keinen Halt kennt, die immer mehr und immer weiter will. Der Kampf gegen den Klimawandel ist für die jungen Klimaaktivisten gleichzeitig auch ein Kampf gegen die deutsche „abgef*ckte Politik“. Allen voran: die 24-jährige Luisa Neubauer – manche titeln die gebürtige Hamburgerin* als „deutsche Greta Thunberg“*.

Selten gibt sie sich mit politischen Beschlüssen zufrieden, immer wieder rechnet sie mit der Regierung ab.* Immerhin: Jetzt konnten sie und Fridays For Future im Rahmen des Coronavirus-Konjunkturpakets zu einer wichtigen Entscheidung beitragen.

KlimaaktivistinLuisa Neubauer
Geboren21. April 1996 (Alter 24 Jahre), Hamburg
Bekannt fürFridays for Future
OrganisationFridays for Future
BücherVom Ende der Klimakrise: Eine Geschichte unserer Zukunft
AusbildungMarion Dönhoff Gymnasium (2014), Georg-August-Universität Göttingen

Hamburgs „Greta“ Luisa Neubauer (Fridays For Future) über Corona-Konjunkturpaket und Abwrackprämie

Dienstag, 2. Juni 2020: Es ist ausnahmsweise mal kein Freitag, an dem die jungen Klimaaktivisten von Fridays For Future streiken - denn es ist gleichzeitig der Tag, an dem die Bundesregierung über das Konjunkturpaket berät. In über 60 deutschen Städten gehen die Umweltschützer trotz Coronavirus-Krise auf die Straßen - darunter auch in Hamburg. Zwischen Jungfernstieg und Europa Passage kommen etwa 200 Aktivisten zusammen. Ihre Forderung an die Politik: „KlimazielstattLobbyDeal“ oder „Abfckprämie“ – so steht es auf einigen Protestschildern geschrieben.

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Heute wird im KanzlerInnenamt über ein Milliarden-Konjunkturpaket verhandelt. In über 60 Städten gab es deshalb Fridays for Future-Aktionen, die deutlich machten, dass dieses Geld unbedingt nachhaltig und klimafreundlich investiert werden muss, anstatt es den Lobbys hinterherzuwerfen. ⠀ Nur so kann Deutschland seiner internationalen Verantwortung im Klimaschutz gerecht werden. Zudem ist es unsere Generation, die all diese Schulden eines Tages wieder abbezahlen muss.💰 ⠀ Deswegen haben wir heute am Jungfernstieg unter dem Motto #KlimazielStattLobbydeal gezeigt, dass eine #AbfckPrämie keine Option ist. 🚫 ⠀ Ihr könnt HEUTE noch der Bundesregierung eure Meinung schreiben, um zu zeigen, dass Ihr auf sie zählt: fridaysforfuture.de/bailout ⏳ (Link in der Story) ⠀ P.S.: Auf abfckpraemie.lol könnt Ihr sehen, was man mit 5 Milliarden Euro Steuergeldern alles Tolles anstatt einer #AbfckPrämie finanzieren könnte. :) 🚲🚃 (Link in der Story)

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Der Hintergrund: Schon seit mehreren Wochen kritisiert Luisa Neubauer die Abwrackprämie und schießt gegen deutsche Autokonzerne Daimler, BMW und VW.* In einem Interview mit dem Spiegel äußerte sie ihre Meinung zu dem Thema unmissverständlich: „Wir mussten tatsächlich vor dem Kanzleramt gegen eine Abwrackprämie demonstrieren - absurder kann es ja nicht kommen. Als ob es irgendwo gute Gründe gäbe, so ein Instrument zu verteidigen, es sei denn, um die Lobby glücklich zu machen.“

Es lag im Interesse Luisa Neubauers und der Fridays For Future-Bewegung, auch in Zeiten der Sars-CoV2-Coronavirus-Pandemie auf nachhaltige Investitionen zu achten. Investitionen dürften nicht in Form von fossilen Energieträgern verbrannt werden, sondern müssten in nachhaltige Sektoren fließen. „Eine Maßnahme wie die Abwrackprämie hatte bereits 2009 keinen Effekt, außer der Autolobby braucht sie niemand“, sagte die Hamburger FFF-Sprecherin Annika Rittmann gegenüber der dpa.

Konjunkturpaket der Bundesregierung: Luisa Neubauer lobt Entscheidung über Abwrackprämie

Seit Mittwoch, 3. Juni 2020, steht das Konjunkturpaket der Bundesregierung: Mit einer Summe von 130 Milliarden Euro will die Bundesregierung der deutschen Wirtschaft aus der Krise helfen. Und Luisa Neubauer? Die freut sich, denn die Forderungen und Demos von Fridays For Future scheinen Wirkung gezeigt zu haben: „Wir haben eine Abwrackprämie verhindert und in diesem Punkt gegen die Autolobby gewonnen”, sagte die 24-jährige Hamburgerin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Luisa Neubauer erleichtert: Fridays For Future lobt die Beschlüsse des Konjunkturpakets der Bundesregierung. (24hamburg.de-Montage)

Doch die Freude scheint nicht lange anzuhalten. In ihrer Instagram-Story am Mittwochabend lässt Luisa Neubauer ganz andere Töne verlauten. Nach einer kurz gehaltenen Euphorie über die Verhinderung der Abwrackprämie schlägt ihre Stimmung recht zügig wieder in die andere Richtung um. Das Konjunkturpaket sei trotzdem kein Klimapaket, von Klimaschutz könne hier nicht die Rede sein. Allein die gesellschaftliche Skandalisierung des Themas hätte die sogenannte „Schrott-Idee“ der Abwrackprämie verhindert.

Gesellschaftliche Skandalisierung konnte diese Schrott-Idee verhindern.

Luisa Neubauer

Luisa Neubauer: Der Kampf gegen den Klimawandel geht weiter

Für die „deutsche Greta“ Luisa Neubauer dürfe der Beschluss der Bundesregierung über die Abwrack-Prämie nicht als zu großer Erfolg gesehen werden: „Natürlich konnten wir die Abwrackprämie verhindern, aber trotzdem wird jetzt alles, was keine Katastrophe ist, automatisch als Mini-Erfolg gefeiert.“

Das Konjunkturpaket ist kein Klimapaket.

Luisa Neubauer

Gegenüber dem RND erklärt sie: „Klimaschutz bedeutet eben nicht, dass man etwas weniger Steuergelder in die Zerstörung des Klimas pumpt, als die Industrie es gern hätte. Klimaschutz heißt auch nicht, dass eine von zehn Maßnahmen lose etwas mit Emissionsreduktion zu tun hat. Aus diesem Paket wird nicht ersichtlich, wie und ob die Pariser Klimaziele eingehalten werden können.“

Im Kampf gegen den Klimaschutz scheint die Hamburgerin Luisa Neubauer unerbittlich - so schnell gibt sie sich nie zufrieden. Auch wenn die Abwrackprämie verhindert werden konnte, so gehen Fridays For Future und sie bereits wieder in die Vollen. Ihre nächstes Ziel: Die Inbetriebnahme des höchst umstrittenen Steinkohlekraftwerks Datteln 4 zu verhindern.*

* 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Christoph Soeder/dpa/picture alliance

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