Mehr Freiheiten zum Sommer-Wochenende

Corona-Lockerungen in Hamburg: Treffen mit zehn Haushalten erlaubt

  • Jens Kiffmeier
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Kontaktbeschränkungen, Prostitution und Saunen: Der Senat hat neue Lockerungen im Corona-Lockdown beschlossen. Diese Regeln gelten ab Freitag.

Hamburg – Angesichts eines niedrigen Inzidenzwertes fallen in der Hansestadt Hamburg immer mehr Bastionen im Corona-Lockdown. So beschloss der Hamburger Senat am Dienstag weitere Lockerungen bei den strengen Regeln. So sollen sich ab dem kommenden Freitag, 11. Juni 2021, im Freien wieder bis zu zehn Personen aus beliebig vielen Haushalten treffen dürfen, teilte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mit. Neben den Kontaktbeschränkungen wird zudem die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen ausgedehnt, die Prostitution unter strengen Hygieneauflagen erlaubt sowie die Öffnung von Saunen, Dampfbädern und Wellnesseinrichtungen gestattet.

Hamburg:53 neue Corona-Fälle (Dienstag, 8. Juni 2021)
Niedersachsen:71 neue Corona-Fälle (Dienstag, 8. Juni 2021)
Schleswig-Holstein:23 neue Corona-Fälle (Montag, 7. Juni 2021)
Mecklenburg-Vorpommern:8 neue Corona-Fälle (Montag, 7. Juni 2021)

Damit steuert Hamburg auf ein ausgelassenes Sommer-Wochenende zu. Dennoch rief Peter Tschentscher die Hamburgerinnen und Hamburger weiterhin zu Vorsicht auf. Es sei weiterhin „nötig“, dass die bestehenden Corona-Regeln zum Abstands- und Maskengebot eingehalten werden würden. „Denn noch ist die Pandemie nicht überstanden“, mahnte der Rathauschef. Um nicht einen JoJo-Effekt bei den Corona-Zahlen zu befeuern, müssten alle nach wie vor verantwortungsvoll mit den Lockerungen umgehen. „Es gibt ja nicht mehr viel, was verboten ist“, sagte Tschentscher.

Inzidenzwert Hamburg: Senat beschließt Lockerungen – diese Corona-Regeln gelten ab Freitag

Im Gegensatz zu Niedersachsen, wo bereits einige Landkreise Corona-frei sind*, oder Schleswig-Holstein war Hamburg zunächst sehr zögerlich bei den Lockerungen. So fuhr der Senat das Alltagsleben streng nach einem zuvor festgelegten Stufenplan hoch. Nachdem zunächst die Ausgangssperre weggefallen war, durften schrittweise Schulen, Kitas, Einzelhandel oder die Gastronomie halbwegs zu einer Normalität zurückkehren.

Angesichts des niedrigen Inzidenzwertes zu Lockerungen bereit: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Nun erfolgen in Abständen von zehn bis 14 Tagen immer feinere Öffnungsschritte. Doch was genau gilt jetzt eigentlich ab Freitag, 11. Juni 2021? Hier die einzelnen Corona-Regeln im Überblick:

  • Grundsätzlich bleiben die Maskenvorschriften bestehen. Auch das Abstandsgebot von 1,50 Metern zwischen Personen muss weiterhin eingehalten werden.
  • Die Kontaktbeschränkungen werden weiter gelockert. Im Freien können sich 10 Personen aus beliebig vielen Haushalten treffen. Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgerechnet. In Innenräumen gilt weiterhin die 5-Personen-Regel. Die Zehn-Personen-Lockerung gilt auch für Besuche der Außengastronomie.
  • Die Kitas sind seit dem 7. Juni 2021 wieder im Regelbetrieb.
  • In den Schulen findet seit dem 31. Mai 2021 wieder Präsenzunterricht statt.
  • Auch die Hochschulen bieten wieder mehr Präsenzunterricht an.
  • In der Gastronomie dürfen die Innen- und Außenbereiche unter Hygienevorschriften geöffnet werden. Allerdings gilt im Schanzenviertel sowie in Teilen von St. Pauli eine Sperrstunde ab 23.00 Uhr. Außerdem darf in diesen Zonen am Wochenende kein Alkohol ab 20.00 Uhr verkauft oder mitgeführt werden.
  • Hotels und Beherbergungsbetriebe dürfen wieder öffnen. Nachdem zuvor die Auslastung nur 60 Prozent betragen durfte, können die Häuser jetzt wieder komplett belegt werden. Ein negativer Schnelltest, der alle 72 Stunden erneuert wird, ist verpflichtend. Für Hotelgäste darf die Innengastronomie geöffnet werden.
  • Kreuzfahrtschiffe dürfen ab dem 11. Juni 2021 im Hamburger Hafen abgefertigt werden.
  • Sport im Freien ist mit bis zu 30 Erwachsenen erlaubt. Innen ist kontaktfreier Sport mit bis zu zehn Erwachsenen möglich. Hier gilt aber dann eine Schnelltest-Pflicht.
  • Kindersport ist im freien ohne Personengrenze möglich.
  • Fitness-, Sport- und Yoga-Studios dürfen unter Einhaltung eines Hygienekonzepts öffnen. Das gleiche gilt ab Freitag wieder für die Sauna, Dampfbäder und Wellnesseinrichtungen. Es gilt eine Personenbegrenzung berechnet auf die Quadratmeterfläche sowie eine Testpflicht.
  • Grundsätzlich sollen auch Sportveranstaltungen mit bis zu 650 Zuschauern erlaubt werden. Dabei ist eine feste Sitzordnung ebenso wie Testpflicht, Kontaktnachverfolgung und Maskenpflicht vorgeschrieben.
  • Die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen wird weiter ausgedehnt. In Innenräumen sollen Konzerte oder Theaterstücke vor maximal 100 Personen aufgeführt werden dürfen, sofern eine feste Sitzplatzordnung nach dem Schachbrettmuster garantiert werden kann und die Hygienevorschriften eingehalten werden. Draußen können Veranstaltungen mit maximal 500 Besuchern stattfinden.
  • Die Außen- und Innenbereiche von Zoos und Wildgehege können geöffnet werden.
  • Hafen - und Stadtrundfahrten sind wieder möglich (mit bis zu 20 Personen draußen, zehn im Innenraum). Bei Fahrten in offenen Doppeldeckerbussen oder Barkassen kann auf einen Corona-Test verzichtet werden.
  • Prostitution, etwa rund um die Hamburger Reeperbahn, soll den Angaben zufolge unter strengen Hygieneauflagen wieder erlaubt werden.
  • Clubs, Diskotheken und andere Tanzlokale sollen hingegen zunächst weiter geschlossen bleiben.

Grundsätzlich sieht der Senat mit Blick auf die weiterhin niedrigen Corona-Zahlen die weiteren Lockerungen für gerechtfertigt an. Am Dienstag sank die Inzidenz deutlich unter die 20er-Marke. Zwar kamen 53 Neuinfektionen hinzu, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Aber das waren 55 weniger als in der Vorwoche und 27 mehr als am Vortag. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag dabei nur noch bei 17,8. Das ist der niedrigste Wert seit Mitte September letzten Jahres.

Inzidenz sinkt: Niedrige Corona-Zahlen stimmen Experten für den Sommer optimistisch

Experten wie die Hamburger Medizin-Professorin Marylyn Addo schauen derzeit entspannt in die anstehenden Sommermonate, in denen auch zum ersten Mal seit Langem wieder der Hamburger Dom geöffnet werden soll. Mit dem kollektiven Einhalten der Corona-Regeln und den Fortschritten bei den Impfungen habe man in der Hansestadt eine „erfreuliche Entwicklung“ beeinflusst, sagte die Leiterin der Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) der Hamburger Morgenpost. Dennoch gelte es „umsichtig“ zu bleiben, um das Infektionsgeschehen auf niedrigem Niveau zu halten.

Vor diesem Hintergrund hatte vor allem ein ausgelassenes Partyleben an den vergangenen beiden Wochenenden im Senat für Verdruss gesorgt. So hatten Tausende Menschen im Schanzenviertel, im Stadtpark, in Ottensen und rund um die Reeperbahn bei bestem Sommerwetter gefeiert und dabei die Corona-Regeln missachtet. Zum Teil mussten die Treffen gewaltsam von der Polizei aufgelöst werden. Eine Ausweitung des geltenden Alkoholverbots, wie vom Senat angedacht, soll es aber vorerst nicht geben. „Aber dort, wo die Treffen außer Rand und Band geraten, wird die Polizei weiterhin einschreiten“, stellte Tschentscher klar. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwohld/dpa/picture alliance & Marcus Brandt/dpa/picture alliance

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