Wie in Hollywood

Trotz filmreifem Überfall: Deal vom Hamburger Landgericht für Schmuggler dank Coronavirus

  • Enno Eidens
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Die „Osdorf-Connection“ hat beim Hamburger Landgericht einen radikalen Deal bekommen. Damit steht der brisante Kokain-Prozess kurz vor dem Ende. Alles begann mit einem genialen Verkleidungs-Trick, doch die Täter machten einen dummen Fehler.

  • Die Soko „Rocker” der Hamburger Polizei* stellt 1,1 Tonnen Kokain sicher.
  • Seit Mai 2019 Jahr stehen die Hells Angels der „Osdorf-Connection“ vor Gericht.
  • Für die Urteile gab es einen Coronavirus-Deal beim Landgericht Hamburg*.

Update vom 27. Mai, 17:11 Uhr: Hamburg - Für die Kokain-Gangster aus Hamburg gab es nun vor Gericht ein Urteil. Die Deutsche Presse Agentur meldet am Mittwochabend, dass acht Männer hohe Gefängnisstrafen bekommen haben. Der Haupttäter Martin P. (51) bekommt laut BILD-Zeitung 10 Jahre ins Gefängnis, für die sieben Komplizen gibt es je mindestens drei Jahre. Ein anderer Mittäter muss 8 Jahre und 9 Monate ins Gefängnis.

Gericht in HamburgLandgericht Hamburg Ziviljustizgebäude
AdresseSievekingpl. 1, 20355 Hamburg
Telefon040 428280

Landgericht Hamburg: Deal für Hells Angels nach Kokainschmuggel

Erstmeldung, 26. Mai, 09:25 Uhr: Es hätte das perfekte Verbrechen werden können. Oder zumindest ein unterhaltsamer Spielfilm. Die Gangster der Hells Angels verkleideten sich als Polizisten, um einen Lastwagenfahrer zu entführen. Der hatte – völlig ahnungslos – Kokain aus Brasilien geladen. Doch kurz darauf klickten bereits die Handschellen, denn die Täter machten einen dummen Fehler. Nun soll das Urteil fallen, die Täter bekommen einen extra Coronavirus-Deal* vom Landgericht.

Am Mittwoch, 27. Mai, soll das Urteil im Hamburger Landgericht fallen, berichtet die Deutsche Presse Agentur (DPA). Seit dem 8. Mai 2019 - also seit über einem Jahr - laufen die Verhandlungen schon. Dabei haben die Täter Glück, denn das Coronavirus beschleunigt den Prozess. Die Zeit berichtet von einem Deal, mit dem das Gericht den Tätern entgegenkommt – dafür wurden aber umfassende Geständnisse gefordert.

Damit könnte einer der spektakulärsten Kokain-Deals in Hamburg sein juristisches Ende finden. Vor allem der angebliche Plan der Gangster klingt wie die Handlung aus einem Hollywood-Film.

Hamburger Hells Angels entführen Kokain-Lkw aus Brasilien

Die Männer der „Olsdorf-Connection“ sollen am 8. November 2018 einen Lastwagen an der A7* bei Garlstorf südlich von Hamburg überfallen haben. Der Lastwagenfahrer sollte einen aus Brasilien verschifften Container mit Gelatine nach Süddeutschland bringen. In der Masse der Container beim Umschlag* geht illegale Ware oft unter und kommt unbemerkt ins Land. Doch seine Fahrt wurde von den Gangstern mit Gewalt beendet.

Die wollten nämlich das Kokain, das sich versteckt im Lkw befand. Der Fahrer wusste von alledem nichts. Die Gangster überrumpelten ihn mit einem cleveren Trick.

Bei dem Überfall gingen die Täter offenbar nicht zimperlich vor* und machten einen groben Fehler. Mit Blaulicht auf dem Dach stoppten Sie den LKW auf der A7 bei Garlstorf, berichtet das Hamburger Abendblatt. Sie gaben sich als Polizisten aus, dem Fahrer wurden Handschellen angelegt, er kam in ein anderes Auto. Mit dem Kokain-Truck machten sich zwei der Gangster dann auf den Weg nach Hamburg.

Dummer Fehler führt zu Festnahme der Hamburger Kokain-Gangster

Die Hells Angels machten dabei wohl einen Fehler, der ihnen teuer zu stehen kommt. In Hamburg-Harburg lassen sie den Fahrer des entführten Lkw laufen. Der rannte direkt zur Bundespolizei, so das Abendblatt. Sofort übernimmt das Landeskriminalamt den Fall.

Bewaffnete Polizeibeamte stehen während eines Fototermins im Polizeipräsidium neben sichergestellten Kokainpaketen aus einem Lastwagen. (24hamburg.de-Montage)

Mittlerweile hatten die Gangster den Kokain-Lkw auf dem Gelände einer Spedition in der Reginenstraße in Hamburg-Rothenburgsort geparkt. Die Polizei war im Bilde und musste nur noch darauf warten, dass die Männer das Kokain aus dem Versteck holen. Dann ging alles ganz schnell, eine Spezialeinheit der Polizei greift zu, fünf der Täter werden sofort gefasst. Drei andere findet die Polizei kurze Zeit später in Hamburg-Othmarschen.

Die Beamten stellen den wertvollen Stoff sicher: 1,1 Tonne Kokain, eine unglaublich große Menge. Geldwert: geschätzte 160 bis 200 Millionen Euro.

Landgericht Hamburg macht Coronavirus Deal mit den Gangstern

Seit Mai 2019 stehen die acht Männer nun vor Gericht. Am Mittwoch, 27. Mai 2020, soll ein Urteil fallen. Nach Angaben der Zeit wollte das Hamburger Landgericht den Prozess abkürzen, um einen durch das Coronavirus bedingten Abbruch der Verhandlungen zu verhindern. Deshalb machten die Richter ein Angebot: Das Höchstmaß der Strafe würden sie reduzieren. Allerdings nur, wenn alle Beteiligten im Gegenzug detaillierte Geständnisse ablegten. Also mehr Informationen zu etwaigen anderen Beteiligten lieferten.

Und tatsächlich stimmten alle Angeklagten zu. Der Schmuggler-Boss kam so mit zehn Jahren Gefängnis davon. Alle anderen Strafen liegen zwischen dreieinhalb und zehn Jahren. Das Hamburger Landgericht hat trotz des abgeschlossenen Falls genug zu tun. Im Juni 2020 wird der unter anderem der Fall um den KZ-Wachmann Bruno D. verhandelt. Ihm wird Beihilfe zum Mord in 5.320 Fällen vorgeworfen.

Hamburger Zoll beschlagnahmt Kokain im Hafen

Ebenfalls auf der Suche nach Dealern ist der Hamburger Zoll.* Am 4. Mai haben die Fahnder in internationaler Zusammenarbeit eine halbe Tonne Kokain auf einem Frachter sichergestellt. Da Schiff kam ebenfalls aus Brasilien, doch hier waren die Ermittler schon deutlich früher aufmerksam geworden.

Bereits in niederländischen Gewässern wurde das Schiff von den europäischen Kollegen empfangen. Polizeiboote, der deutsche Zoll und die Bundespolizei begleiteten das Schiff in den Hamburger Hafen.* Dort wurde der Frachter um Mitternacht durchsucht, in versiegelten Hohlräumen fanden die Fahnder das illegale Rauschgift – eine halbe Tonne Kokain.*

dpa/ee

Quelle: 24hamburg.de-Hamburg*

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