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Hamburg: Kaum Platz für Geflüchtete – Aktivisten: Unterkunft trotzdem dicht machen!

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Von: Kevin Goonewardena

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In Hamburg herrscht ein Mangel an Unterkünften für Flüchtlinge. Die Forderung nach Schließung einer Unterkunft kommt da ungelegen. Doch sie haben Gründe.

Hamburg – Die hohe Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine sorgt auch in Hamburg aktuell für eine sehr angespannte Unterbringungssituation. Um dem Mangel an Betten entgegensteuern zu können, ist die Stadt auf jede Unterkunft angewiesen, die der Hamburger Senat generieren kann. „Container, Hotel oder Mietshaus – wir brauchen jeden Platz und prüfen laufend die Möglichkeiten“, teilte die städtische Betreibergesellschaft Fördern & Wohnen auf Nachfrage der taz mit. Die kostspielige Unterbringung für 6,2 Millionen Euro ukrainischer Flüchtlinge in einem der Mundsburg-Türme, brachte der Stadt zuletzt Kritik ein.

Ausgerechnet in der angespannten Situation fordert jetzt eine Initiative die Schließung einer Geflüchteten-Unterkunft im Bezirk Bergedorf.

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Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Anzahl Geflüchteter:etwa 56.000 (im Jahr 2018)
davon aus der Ukraine:etwa 25.000 (Stand Ende Mai 2022)

Flüchtlingsunterkunft Cuslack: Marode Zustände in der Anlage

Bereits Anfang des Jahres war die Unterkunft „Cuslack II“, deren Schließung jetzt gefordert wird, aufgrund ihres maroden Zustands in die Schlagzeilen geraten. Das Hamburger Abendblatt hatte damals über die dort herrschenden Zustände berichtet, an denen sich offenbar nicht viel geändert hat. Die Initiative Black Community Hamburg fordert nun die Schließung. Unter anderem, so die Aktivisten gegenüber der taz, würde der auf fünf Quadratmeter bemessene Platz pro Person nicht mal den eigenen Anforderungen von Fördern & Wohnen entsprechen.

notunterkunft für Flüchtlinge aus Containern in Hamburg
Ein typischer Container-Komplex in dem Flüchtlinge untergebracht sind, wie es ihn auch in Cuslack gibt. (Symbolbild) © Bodo Marks / dpa

Die Beschwerden hätten damals zu einer umfangreichen Sanierung geführt, sagt zumindest der Sprecher der Behörde von Sozialsenatorin Melanie Leonhard, Martin Helfrich. „Die uns bekannten vorhandenen Mängel wurden so weit wie möglich beseitigt“, so Helfrich. Die Aktivisten widersprechen der Darstellung – Fotos zeigen unter anderem Schäden an Waschbecken und kaputten Steckdosen in Zimmern, in denen auch Kinder untergebracht sein. Wegen der immer mehr werdenden Zahl an Geflüchteten will Hamburg die Ukraine-Flüchtlinge in Turnhallen unterbringen.

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Flüchtlingsunterkunft Cuslack: Vor wenigen Wochen Kleinkind von Auto getötet

Zuletzt kam ein Kleinkind auf dem Gelände auf tragische Weise ums Leben, als es von einem Auto überrollt wurde. Die Spielbereiche der Kinder sind in Cuslack nicht von den Bereichen abgetrennt, die von Autos befahren werden. Bis vor kurzem habe Fördern & Wohnen auch keine Schlüssel für die Container ausgehändigt. Kinder konnten so unbeobachtet auf das Gelände laufen, Personen gegen den Willen der Bewohner und Bewohnerinnen in deren Räumlichkeiten eindringen. Mittlerweile haben die Geflüchteten Schlüssel und können die Container abschließen.

Flüchtlingsunterkunft Cuslack wird angeblich 2023 geschlossen - Aktivisten haben Zweifel

Ursprünglich errichtet worden ist die Unterkunft im Jahr 2013. Die als Containerdorf konzipierte Notunterkunft ist eigentlich nur für einen kurzen Aufenthalt Schutzsuchender ausgelegt. Doch viele der aktuell noch 212 Menschen wohnen bereits seit mehreren Jahren in dem Komplex. „Wenn überhaupt [ist eine Unterbringung] nur für kürzeste Zeit“ angemessen, so Jasmin Wagener vom Flüchtlingsrat Hamburg. Vier solcher einfachen Container-Unterkünfte gibt es zurzeit in Hamburg, drei bestehen seit mindestens 2015, schreibt die taz. Eine sei im Zuge des Ukraine-Kriegs kürzlich errichtet worden und weitere geplant.

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19 Container-Dörfer mit höherem Standard gebe es außerdem in Hamburg. Das in Cuslack soll ab 2023 nicht mehr dazu gehören, sagt der Senat. Das Gelände sei für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Aktivisten der Black Community Hamburg äußern sich gegenüber der taz skeptisch. „Dass man die Sanierungen jetzt erwägt, deutet nicht darauf hin, dass die Unterkunft nächstes Jahr schließt.“

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