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Hamburg in Sorge: Plötzlich sterben tausende Fische in der Elbe

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Von: Christian Einfeldt

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Im Sommer wird der Sauerstoffmangel in der Hamburger Elbe zum Überlebenskampf: Fische können nur noch schwer atmen – 2022 ist der Zustand besonders „kritisch“.

Hamburg – Jedes Jahr im Sommer beobachten Forscherinnen und Forscher die für Fische folgenschwere Begebenheit: Fische hören auf zu atmen, weil der Sauerstoffgehalt in der Elbe zu gering ist – das Fischsterben in der Hamburger Elbe. Doch dieses Jahr blickt die Stadt besonders sorgenvoll auf ihren größten Fluss. Die Ursache für das Fischsterben scheint gefunden zu sein. Ein sogenanntes Sauerstoffloch leitet den tragischen Tod vieler Fische ein. Warum die Elbe im Sommer 2022 jedoch nur so wenig Sauerstoff enthält, stellt Umweltbehörden vor Rätsel.

Strom in Europa:Elbe
Länge:1.094 km
Flussgebiet:148.268 km²
Mund:Nordsee

Elbe in Hamburg: Plötzlich sterben tausende Fische

Am 22. Juni 2022 macht der Sauerstoffgehalt in der Elbe lediglich einen Wert von 2,7 Milligram Sauerstoff pro Liter aus – das ergaben die aktuellen Messungen, die an der Station Seemannshöft durchgeführt worden waren. Es handelt sich um einen besonders besorgniserregenden Wert. Wie der NDR berichtet, können Fische in einer solchen Situation nur schwer atmen. Medienberichten zufolge muss eine Sauerstoffzufuhr von mindestens vier Milligram Sauerstoff pro Liter gewährleistet sein, damit die Fische in der Elbe problemlos atmen können.

Das grundsätzliche Phänomen ist Forschergruppen keineswegs unbekannt. Jahr für Jahr werden tote Fische ans Hamburger Ufer gespült, die zuvor an Sauerstoffmangel starben. Das Sauerstoffloch breitet sich aus und bringt den Sauerstoffgehalt zumindest zwischenzeitlich ins Schwanken. In den Jahren zuvor haben Messungen häufig bestätigt, dass nur kleinere Bereiche der Elbe betroffen gewesen sein. Dieses Jahr würde sich jedoch eine Ausbreitung des Gebiets deutlich bemerkbar machen. Gegenüber t-online sagt Renate Pinzke, Sprecherin der Hamburger Umweltbehörde: „Die Sauerstoff-Situation im Bereich der Hamburger Tideelbe ist aktuell kritisch.“

Neben dem Hamburger Hafen sieht man Fischer in einem Eimer.
Hamburger Elbe: Jedes Jahr im Sommer gibt es einen Sauerstoffmangel, der für Fische zur Belastung wird. © Philipp Schulze/dpa/imago/Montage

Fischsterben in der Elbe: Was der Sauerstoffmangel mit der Zersetzung von Algen zu tun

Dass in der Elbe, wo schon bald Hamburgs erstes Badeschiff errichtet werden könnte, derzeit ein Sauerstoffmangel vorherrscht, ist unter anderem Hitzeperioden geschuldet, die für ein schnelles Wachstum von Algen sorgen. Wie t-online berichtet, passiert es nun in erster Linie in den oberen Wasserschichten, dass die Algen wachsen. In den unteren Schichten hingegen fällt nur noch wenig Licht ein, sodass entsprechend wenig Sauerstoff produziert werden kann. Bedingt wird dieser Effekt dadurch, dass Algen Prozesse der Photosynthese nicht für sich nutzen können. Die Lebewesen drohen in der Folge abzusterben.

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Setzt der Tod ein, zerfallen die Algen – für deren Zersetzung in tiefen Wasserschichten spielen dabei Mikroorganismen eine entscheidende Rolle. Dieser Umstand führt die Entwicklung ein weiteres Mal fort: Sauerstoff wird verbraucht, während zusätzlich Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird.

Wie die Pressesprecherin der Hamburger Umweltbehörde t-online.de bestätigte, sei das Besondere an dem aktuellen Fischsterben in der Elbe, „dass die Zone des Sauerstoff-Mangels sich mit jeder Flut bis Bunthaus ausdehnt“ – weiter als zuvor. Zufolge des NDR hätten Messungen zuvor lediglich eine Ausbreitung bis nach Blankenese, Hamburgs Stadtteil der Superreichen, nachgewiesen. Wie in St. Peter-Ording, wo unlängst auch ein rätselhaftes Fischsterben beobachtet wurde, wird wohl auch dieser Fall Umweltbehörden daher noch in Zukunft beschäftigen.

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