Schutz von Corona und Kälte

Hamburg: Obdachlosenhilfe – Großspende macht Hotels möglich

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Bisher konnten nur 20 Obdachlose mithilfe der Initiative hotels for homeless in Hotels untergebracht werden. Eine Großspende ermöglicht nun weitere Rettungen.

  • Die Aktion „hotels for homeless“ entstand aus einem Zusammenschluss mehrerer gemeinnütziger Organisationen.
  • Seit dem 9. November konnten 20 Obdachlose in einem Hotelzimmer eingemietet werden.
  • Eine Großspende über 300.000 Euro ermöglicht jetzt 60 weitere Unterbringungen.

Update vom 02. November, 11.45 Uhr: Hamburg – Dank einer 300.000 Euro Großspende des Unternehmens Reemtsma können ab sofort 60 weitere Obdachlose in der Hansestadt Hamburg in in einem Hotel untergebracht werden. Schon zu Beginn der Pandemie im März hatte Reemtsma mit einer Spende die Unterbringung von Obdachlosen in Hotelzimmern möglich gemacht. Laut der Deutschen Presse Agentur gelang es den Obdachlosen, sich in den Hotels ausreichend psychisch und physisch zu erholen. Einigen von ihnen gelang im Anschluss an die Unterbringung sogar der Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und eine eigene Wohnung.

Stadt in Deutschland: Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung: 1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Vorwahl:040

Für Andreas Grutzeck, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in Hamburg, ist unverständlich warum der Senat finanziell nicht für die Unterbringung der Obdachlosen in Hotelzimmern aufkommt. „Das sture Festhalten des Senats an den Sammelunterkünften und die Entscheidung, Kälteschutz vor Infektionsschutz zu stellen, ist nicht rational erklärbar“, teilte er in einer Pressemitteilung mit. „Finanzelle Gründe können es nicht ausschließlich sein, denn die Unterbringung in einem kleinen Hotel im Einzelzimmer kostet nur rund 4000 Euro bis Ende März, ein Platz im Winternotprogramm dürfte wegen der damit verbundenen Personal- und Hygienekosten der Sammelunterkünfte fast doppelt so hoch sein.“

Die Aktion wird nun von Hinz & Kunzt, der Alimaus, Caritas und der Diakonie betreut. Laut Hamburger Morgenpost sollen die ersten 40 Obdachlosen bereits am Mittwoch ihre Zimmer beziehen dürfen.

Obdachlos in Hamburg: Obdachlosenhilfe – Schutz vor Corona und Kälte 

Erstmeldung:

HamburgVolker Mähl ist obdachlos. Doch der 65-Jährige gehört zu den zwanzig Obdachlosen, die dank der Initiative „hotels for homeless“ über den Winter in einem Hotel unterkommen können. Groß ist sein Zimmer mit 12 Quadratmetern nicht, aber es hat alles, was Volker Mähl braucht. Und ist vor allem warm.

Volker Mähl gehört zu den 20 Obdachlosen, die im Hotel überwintern können

Wenn der Winter kommt verkriechen sich die meisten Menschen am liebsten nach Hause, ins Warme. Wohin aber sollen Menschen gehen, die gar kein Zuhause haben? In Hamburg leben (Stand 2019) rund 7000 Menschen auf der Straße. Mehr als 5000 von ihnen konnten in städtischen Notunterkünften wie etwa dem Winternotprogramm untergebracht werden. Laut „Hinz & Kunzt“ bleiben mehr als 1900 Obdachlose ohne Rückzugsmöglichkeit auf der Straße zurück.

Obdachlos in der Corona-Krise: Hamburgs Gesellschaft „soll verantwortung übernehmen“

Obdachlose auf den Straßen sind besonders in den Wintermonaten extremen Bedingungen ausgesetzt. Die niedrigen Temperaturen sind in diesem Jahr aber nicht das einzige Problem der Obdachlosen: Corona stellt ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für diese Menschen mit oft ohnehin geschwächtem Immunsystem dar. Deshalb fordern Sozialarbeiter wie Johan Graßhoff jetzt, dass die Gesellschaft Verantwortung übernimmt.

Selbstisolierung, erhöhte Hygiene, Zuhause bleiben, strikte soziale Distanzierung – sind keine realistische Perspektive für Menschen, die obdachlos sind. Wir müssen jetzt handeln und obdachlose Menschen in Hotels unterbringen und sie schützen“

 Johan Graßhoff (Straßensozialarbeiter in Hamburg) auf strassenblues.de

So wie Volker Mähl gehört auch Paddy zu den Obdachlosen, die bis Ende März in einem Hotel Unterschlupf finden. Als er das Zimmer betritt, kann er seine Freude kaum zurückhalten. „Das ist absolut irre. Da muss man schon einen Sechser im Lotto haben aber mit Superzahl“, sagt er in einem Video auf der Webseite von Straßenblues. Auch über fließend heißes Wasser freut er sich: „Das ist das erste Mal seit langem, dass ich eigenes heißes Wasser habe.“

Hamburg: Initiativen schließen sich zu Aktion „#hotelsforhomeless“ zusammen

Um die Aktion zu ermöglichen haben sich verschiedene gemeinnützige Organisationen zusammengeschlossen. Die Idee dazu kam den Initiatoren während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr. Dazu gehören: Straßenblues, Cafée mit Herz, GoBanyo, Hamburger Gabenzaun, Hanseatic Help, Jesus Center & Pfand gehört daneben.

Organisiert wird für die Obdachlosen nicht nur das Zimmer. Die Initiatoren kümmern sich auch um eine tägliche warme Mahlzeit, Hygieneartikel, Wäschegeld und eine persönliche Betreuung. Den Obdachlosen soll sich so auch nach der Unterbringung eine Perspektive bieten.

Nikolas Migut, Gründer und Vorsitzender des Vereins Straßenblues

Hamburg in der Corona-Krise: Unterbringung der ersten zehn Obdachlosen für 50.000 Euro

Um die Aktion zu ermöglichen, nahmen die Initiatoren rund 50.000 Euro in die Hand. So konnten auf schnellem und unbürokratischem Wege zehn Obdachlose in einem Hostel in Hamburg-Altona untergebracht werden. Bis 31. März können sie bleiben. Um einem Obdachlosen eine Nacht in einem Hotelzimmer zu ermöglichen braucht man nach Aussage der Initiatoren circa 25 Euro.

Über Spendenaufrufe konnte das Organisationsbündnis bisher weitere 30.000 Euro sammeln. So konnte bisher schon insgesamt 20 Obdachlosen ein Zuhause gegeben werden. Rechnet man die Summe pro Nacht auf die Zeitspanne bis Ende März hoch, ergibt sich ein finanzieller Aufwand von circa 4000 Euro pro Betroffenem. Bedeutet: Das Geld ist nun erst einmal aufgebraucht.

Hamburg: Um jedem Obdachlosen in Hamburg eine Nacht im Hotel zu schenken, bräuchte man 47.500 Euro

Dass bisher bereits 20 Obdachlosen die Überwinterung in einem Hotelzimmer ermöglicht werden konnte, ist für die Initiatoren natürlich schon ein Erfolg. Allerdings machen diese 20 nur einen ganz kleinen Teil der Gesamtanzahl aus. Aber: Um allen rund 1.900 Obdachlosen in Hamburg dies zu ermöglichen bräuchte man allein für eine Nacht circa 47.500 Euro.

Bedeutet: Für die Unterbringung der 1900 Obdachlosen in Hamburg von November bis Ende März, wären insgesamt 7,6 Millionen Euro nötig. Eine Summe die keine Organisation alleine stemmen kann. Um jedem Hamburger Obdachlosen einen Monat im Hotel zu ermöglichen bräuchte man alleine 1,4 Millionen Euro.

„home for homeless“: Für Paddy ist die Unterbringung wie ein Gewinn im Lotto

Paddy kann sich für die Unterbringung im Hotel nicht oft genug bedanken. Er freut sich sehr über sein Einzelzimmer, über sein Bett, und einen eigenen Zimmerschlüssel. „Meinen letzten Schlüssel hatte ich vor sieben Jahren in der Hand“, erzählt Paddy im Video. Sein größter Wunsch: Zum Ende der Unterbringung im März will Paddy in der Lage sein selbst eine Wohnung zu mieten.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa/picture alliance

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