Altkanzler und Hamburger Original

Helmut Schmidt: Hamburg-Retter, Bundeskanzler, Sozialdemokrat und Kettenraucher – ein Steckbrief

Untrennbar bis zum Schluss: Helmut Schmidt war bei fast allen seinen Auftritten mit Menthol-Zigarette zu sehen, wie hier im Jahr 2008 auf einem SPD-Sonderparteitag.
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Helmut Schmidt mit Menthol-Zigarette (Archiv-Bild).
  • Nicolai Hackbart
    vonNicolai Hackbart
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Helmut Schmidt war ein beliebter, aber auch umstrittener SPD-Politiker und Bundeskanzler. Alle Infos über dem Staatsmann und sein Lebenswerk.

  • Helmut Schmidt war Sozialdemokrat, Bundeskanzler und Elder Statesman
  • In Hamburg geboren hat er viel für seine Stadt geleistet und blieb ihr bis zum Schluss treu
  • Als Politiker war er bekannt für sein solides Krisenmanagement, wurde aber auch für seine Politik kritisiert.

Hamburg – Helmut Schmidt schloss seine Schullaufbahn im Jahr 1937 erfolgreich mit dem Abitur ab und meldete sich wie viele andere junge Leute zur damaligen Zeit freiwillig zum Wehrdienst. Im Anschluss daran plante er die Aufnahme eines Studiums. Im Zweiten Weltkrieg gehörte Helmut Schmidt dem Reichsluftfahrtministerium an und geriet gegen Ende des Krieges in britische Kriegsgefangenschaft. Die Entlassung erfolgte am 31. August 1945. Kurz darauf begann Helmut Schmidt in seiner Heimatstadt Hamburg mit dem Studium der Volkswirtschaft und Staatskunde, das er mit einem Diplom-Betriebswirt abschloss.

Wenig später schloss sich Helmut Schmidt, bedingt durch seine Kriegsgefangenschaft und den Einfluss seiner Mitgefangenen, der SPD an. Zunächst war Schmidt im Sozialistischen Studentenbund (SDS) aktiv. Viele Jahre später wurde er – nach bereits sehr erfolgreicher Karriere als Hamburger Politikerstellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Seine Ära dauerte von 1968 bis 1984.

Vollständiger NameHelmut Heinrich Waldemar Schmidt
Wann wurde Helmut Schmidt geboren?23. Dezember 1918
Wo ist Helmut Schmidt geboren?Hamburg-Barmbek
Wann ist Helmut Schmidt gestorben? 10. November 2015 in Hamburg-Langenhorn. Er wurde 96 Jahre alt und auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.
Welche Berufe hatte Helmut Schmidt?bis 1953 Verkehrs-Referent und Abteilungsleiter für die Stadt Hamburg, 1953 bis 1987 Mitglied des Bundestages, 1961 bis 1965 Senator in Hamburg, 1974 bis 1982 Bundeskanzler

Helmut Schmidt als Hamburger Persönlichkeit und Krisenmanager

Während seine Tätigkeit als Innensenator und dem damit verbundenen Vorsitz der Polizeibehörde in Hamburg machte sich Helmut Schmidt vor allem während der Hamburger Flutkatastrophe im Jahr 1962 einen Namen. Durch seine Kontakte auf Bundesebene war es Schmidt möglich, schnell und unbürokratisch auf die Mittel des Militärs zurückzugreifen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Auch einige Jahre später als Bundeskanzler Deutschlands stellte Helmut Schmidt sein klares und rasches Krisenmanagement unter Beweis. So ging er mit deutlicher Härte gegen den linksextremistischen Terrorismus der RAF vor, die 1977 politisch motivierte Morde am Generalbundesanwalt Siegfried Bubak und dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Jürgen Ponto beging. Zugleich entführte die RAF elf Parteigenossen, darunter Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Da Helmut Schmidt sich nicht auf die Erpressungsversuche einließ, wurde Hanns-Martin Schleyer von der RAF ermordet. In verschiedenen Dokus bezeichnete Schmidt dies als eine seiner größten persönlichen Niederlagen.

Helmut Schmidt: Krisenbewältigung auf internationaler Ebene

Nachdem es infolge des Kalten Krieges auf der sowjetischen Seite zu einer massiven militärischen Aufrüstung – unter anderem durch atomare Mittelstreckenraketen – kam, machte sich der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt für ein militärisches Gleichgewicht stark und forderte die Nachrüstung auf Seiten der NATO. In der SPD regte sich daraufhin jedoch massiver Widerstand, der von der aufstrebenden Friedensbewegung und einem wachsenden pazifistischen Flügel ausging. Auch der damalige SPD-Parteichef Willy Brandt sprach sich nach Protesten gegen den NATO-Doppelbeschluss aus. Tausende Bundesbürger protestierten in dieser Zeit gegen die Politik des Bundeskanzlers.

Coronavirus: Helmut Schmidt als Vorbild

Helmut Schmidts Tatendrang und sicheres Krisenmanagement wird auch nach seinem Tod hoch angesehen. So kritisierte ein Journalist des Hessischen Rundfunks das zögerliche Verhalten bei dem Umgang mit dem Coronavirus und nannte Helmut Schmidt als Beispiel von konsequentem Handeln, in dem manche Politiker heute nicht glänzen können.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ – Zitate von Helmut Schmidt

Helmut Schmidt war bekannt für seine direkten, kritischen und auch witzigen Zitate. Hier eine Auswahl der Sprüche aus Helmut Schmidts Mund:

  • Willen braucht man. Und Zigaretten.“ – im Jahr 2007 bei Maischberger
  • Es gibt Irrtümer, Fälschungen und Strauß-Reden.“ – im Jahr 1972 über Franz Josef Strauß (CSU)
  • Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ – im Jahr 1980 im Spiegel über Willy Brandts (SPD) Bundestagswahlkampf
  • Die heutige politische Klasse in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an Karrierestreben und Wichtigtuerei und durch ein Übermaß an Geilheit, in Talkshows aufzutreten.“ – im Jahr 1994 in Berlin

Helmut Schmidts Abwahl und Tätigkeiten nach der Kanzlerschaft

Helmut Schmidts Kanzlerschaft endete im Jahr 1982 nach Unstimmigkeiten mit der FDP, dem damaligen Koalitionspartner. So sprachen sich die Liberalen gegen eine weitere Neuverschuldung durch Steuererleichterungen sowie Kürzungen beim Arbeitslosengeld aus. Für die SPD und damit auch Helmut Schmidt waren solche Maßnahmen jedoch absolut unvorstellbar. Infolgedessen traten viele der damaligen FDP-Minister zurück.

Am 1. Oktober kam es schließlich zu einem Misstrauensvotum, in dessen Folge der Kanzler Helmut Schmidt mit Stimmen der CSU/CDU sowie deutlicher Mehrheit der FDP abgewählt wurde. Nach mehr als acht Jahren endete somit die von Krisen und Herausforderungen geprägte Kanzlerschaft des SPD-Politikers Helmut Schmidt. Dieser nahm daraufhin zahlreiche neue Aufgaben an. So wurde er zum Beispiel im Jahr 1983 Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit.

Gedenkmünze: Zwei Euro für Helmut Schmidt

2018 wäre Helmut Schmidt 100 Jahre alt geworden. Zu Ehren des Altkanzlers und Elder Statesman hat die Bundesregierung 2017 beschlossen, eine Gedenkmünze für Schmidt herauszugeben. Die 2-Euro-Münze soll sein politisches Lebenswerk ehren. Die Auflagenzahl beträgt dreißig Millionen Stück.

Helmut Schmidt: Auftritte in unterschiedlichen TV-Formaten

Helmut Schmidt war nach seiner politischen Laufbahn ein stets gern gesehener und geschätzter Gast und Gesprächspartner im Deutschen Fernsehen. Da bekannt war, dass Helmut Schmidt starker Raucher war, durfte er seine Menthol-Zigaretten im Gegensatz zu allen anderen Gästen auch bei öffentlichen TV-Auftritten, wie zum Beispiel in Talkshows, rauchen. In einer TV-Doku berichtete Helmut Schmidt einst, dass er bereits im Alter von nur zehn Jahren – und zusammen mit seiner späteren Ehefrau Loki– seine erste Menthol-Zigarette rauchte.  Loki Schmidt blieb bis zu ihrem Tod im Jahr 2010 an seiner Seite.

Seinen letzten TV-Auftritt hatte Helmut Schmidt im Frühjahr 2015 in der Sendung Menschen bei Maischberger. Hier sprach Helmut Schmidt über aktuelle Themen, über die Ursachen von Konflikten und Krisen sowie über Menschen, die ihn in seinem privaten und politischen Leben beeinflussten.

Helmut Schmidt auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Jahr 2014.

Helmut Schmidt als lebenslang treuer Politiker und Raucher

In seinem Wohnhaus im Norden von Hamburg, genauer gesagt in Langenhorn, empfing Helmut Schmidt auch im hohen Alter noch Besuch von Journalisten und Redakteuren. Dabei gewährte er tiefe Einblicke in die politische Vergangenheit Deutschlands und beantwortete die gestellten Fragen – selbst die kritischen – mit viele Bedacht und Leidenschaft. Immer zur Hand waren dabei natürlich seine geliebten Zigaretten, denen Helmut Schmidt sein Leben lang treu geblieben ist.

Hamburg: Helmut Schmidt und Loki Schmidt: Familie und Menschen- und Pflanzenfreunde

Bei den Hamburgern geschätzt und sehr beliebt war auch Helmut Schmidts Ehefrau Loki Schmidt (91, † 2010), die sich bis zu ihrem Tod für den Naturschutz sowie die Erhaltung und Erforschung der biologischen Vielfalt in Hamburg einsetzte. Sie veröffentlichte in den 90er-Jahren zudem einen Bildband über die botanischen Gärten in Deutschland. Gerade der Botanische Garten der Hamburger Universität lag ihr während ihrer Schaffenszeit sehr am Herzen. Aufgrund ihres Engagements erfuhr dieser am 23. Oktober 2012 eine Namensänderung: Bis heute ist er als „Loki-Schmidt-Garten“ bekannt. 

Die ZEIT-Stiftung finanzierte zudem mit Fördergeldern die Errichtung des Loki-Schmidt-Hauses, das der Universität Hamburg als Museum für Nutzpflanzen dient. Auf 460 Quadratmetern werden etwa 50.000 Objekte zur Schau gestellt. Neben Arzneipflanzen, Pilzen und Hölzern zählen hierzu auch Nutzpflanzen aus Übersee sowie die Rohstoffe und Aufbereitungsstufen unterschiedlicher Pflanzenarten. Auch die Karpologie kommt hierbei nichts zu kurz. Besucher erfahren zudem, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Nutzpflanzen – vom Anbau bis zum Konsum – gelingen kann. Führungen und Workshops finden nach Vereinbarung montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos.

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