Reinster Stoff aus Südamerika

Hafen Hamburg: Koks-Megafund mit Cat-Content – 1,5 Tonnen mit Katzengesichtern

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Erfolg für Fahnder – Pech für Dealer: Die Polizei und der Zoll haben im Hafen Hamburg unglaubliche 1,5 Tonnen Kokain sichergestellt. Den Drogenbossen für Koks in Hamburg entgeht somit ein Umsatz von um die 300 Millionen Euro. 

 
Hamburg – Die wertvolle Fracht sollte eigentlich nach Polen weiter geschifft werden. Doch Polizei und Zoll machten den Koks-Händlern einen Strich durch die Rechnung. Bereits Ende Juni 2020 war der 300 Meter lange ContainerfrachterCMA CGM Jean Gabriel“ in Altenwerder in den Hamburger Hafen eingefahren. Der Container sollte mit elf anderen Transportbehältern auf ein Feederschiff umgeladen werden. Dieses sollte das Gut weiter nach Polen schippern, wie Zollfahndungsamt-Sprecher Frank Nielsen 24hamburg.de auf Nachfrage bestätigt.

Behörde:Hamburger Zollfahndungsamt
Adresse: Sieker Landstraße 13, 22143 Hamburg
Telefon: 040 675710

Hamburger Hafen: Polizei und Zoll finden 1,5 Tonnen Koks zwischen Reissäcken

Zunächst wurden die Container jedoch auf dem Terminal zwischengelagert. Und da kamen die Beamten ins Spiel. Die Ermittlungstruppe aus Zoll und Polizei namens GER hatte einen Hinweis auf den Drogenschmuggel erhalten. Sofort wurde der verdächtige Container zum Zollamt nach Waltershof gebracht und in der Prüfanlage durchleuchtet. Dann der Mega-Erfolg: Der Container war tatsächlich nicht mit einheitlicher Ware – nämlich Reissäcken – beladen. Zwischen den weißen Körnern versteckten sich unzählige Pakete mit dem weißen Wachmacher. Koks-Alarm am Hamburger Hafen! Bei der genaueren Untersuchung der Ladung dann der Schock: Zwischen den Reissäcken versteckten sich rund 47 große mit Koks befüllte Pakete. Weitere 1.277 kleinere Pakete waren in den Gebinden gelagert.

Polizei und Zoll staunten nicht schlecht, als sie in Containern am Hamburger Hafen 1,5 Tonnen reinstes Koks aus Kolumbien vorfanden. (Symbolbild/24hamburg.de-Montage)

Hamburger Hafen: Polizei und Zoll finden 1,5 Tonnen Koks – Pakete mit kuriosen Logos versehen

Da der Reis aus Guayana (Südamerika) stammt, kommt das Koks womöglich aus Kolumbien. Das Hauptanbauland der Kokapflanze, aus der das weiße Rauschgift gewonnen wird, grenzt an Guayana. Auf die „CMA CGM Jean Gabriel“ war der Container im Hafen von Caucedo in der Dominikanischen Republik gelangt. Kurios: Die Koks-Pakete sind mit albernen Logos gekennzeichnet. Darunter seien Katzengesichter, Ampelmännchen und gallische Hähne. Teilweise waren mehrere Hundert Päckchen mit den gleichen Logos versehen. Eine Kennzeichnung, an welches Land wie viel gehen soll? Die Beamten gehen davon aus, dass der Stoff von Polen aus an weitere europäische Länder verteilt werden sollte. Der „gallische Hahn“, der einige Koks-Pakete ziert, könnte beispielsweise ein Hinweis auf einen Abnehmer in Frankreich sein. Großabnehmer hätten die 1,5 Tonnen reines Koks vermutlich um das Dreifache gestreckt.

Hamburger Hafen: Polizei und Zoll entdecken 1,5 Tonnen Koks – einer der erfolgreichsten Funde der letzten Jahre

Dieser Mega-Fund gehört zu den größten Erfolgen des Hamburger Zolls. Lediglich ein Fund aus dem Sommer 2019 kann die 1,5 Tonnen Koks überbieten. Damals waren 4,5 Tonnen Kokain in 4.200 Einzelpakete verpackt gefunden. Sie waren in 211 Sporttaschen versteckt und kamen aus per Frachter Uruguay in den Hamburger Hafen. Der Stoff war für Antwerpen (Belgien) bestimmt. Den Verkaufswert schätzten die Ermittler damals auf eine knappe Milliarde Euro. Im Jahr 2017 hatte der Zoll gigantische 3,8 Tonnen Koks präsentiert, das in drei Chargen, davon zwei etwa in der Größenordnung wie der jetzige Fund, per Schiff nach Hamburg geschmuggelt worden war.

Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, steckte damals ein 41 Jahre alter Türke, der als Fahrer im Hafen gearbeitet hatte, hinter der Koks-Einfuhr. 24hamburg.de berichtete zuletzt über die Zahlen des Drogenschmuggels in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr (2019). Erstaunlich ist, dass die Einfuhr von Kokain und Co. trotz des Coronavirus nicht gesunken ist – was auch auf eine konstante Nachfrage trotz Partyverbot* und anderen Kontaktbeschränkungen schließen lässt. Die Beamten versuchen daher, so viele Drogen wie möglich vom Markt zu nehmen und die Strukturen hinter dem Handel aufzudecken. „Man darf sich nicht erschüttern lassen und wir dürfen nicht kapitulieren vor solchen Entwicklungen“, betonte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig (45, CSU) am Donnerstagnachmittag, 30. Juli 2020.

Drogen-Einfuhr nach Deutschland während Coronavirus-Pandemie: Nur „Körperschmuggel“ zurückgegangen

Laut der Münchnerin sei die Unterdrückung der Drogenkriminalität neben der Prävention, der Suchthilfe und der Beratung von Drogenabhängigen sowie eine Schadensminimierung eine der wichtigsten Säulen der deutschen Drogenpolitik. Die Polizei sagte noch im Juli 2020: „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Schmuggel von Kokain auf dem Seeweg aus Südamerika sind nicht feststellbar.“ Lediglich der „Körperschmuggel“ dürfte nach Einschätzung der Beamten aufgrund der radikalen Reduzierung von Flugverbindungen zurückgegangen sein. In Hamburg könne bis jetzt dennoch keine reduzierte Verfügbarkeit an Betäubungsmitteln festgestellt werden. Im August wurde jedoch etwas anderes festgestellt – ein Datenleck bei der Hamburger Polizei* sorgt für Ärger. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa, Georg Isma/dpa

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