Umbau kann Arsen freisetzen

China-Investoren vergiften Elbe: Grüne stoppen umstrittenes Projekt am Hamburger Hafen

  • Christian Domke Seidel
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Umweltsenator Jens Kerstan stoppt ein ohnehin umstrittenes Umbauprojekt im Hamburger Hafen. Mit ihren ursprünglichen Plänen hätten die chinesischen Investoren die Elbe vergiftet.  

  • Ein chinesischer Investor will den Hamburger Hafen* umbauen.
  • Die Umweltbehörde stoppte die Planungen, weil Gift in Elbe* hätte kommen können.
  • In Hamburg* ist das Vorhaben umstritten.

Hamburg – Das Areal Steinwerder Süd ist das Tor zur Zukunft für den Hamburger Hafen. Ein Gebiet mit 42 Hektar. Der Umbau ist das Herz der Hafenentwicklung in der Hansestadt. Die „China Communications Construction Company Ltd.“ gewannen 2017 einen Ideenwettbewerb der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) was die Nutzung anging. Doch die Art der Umbaumaßnahmen lässt beim neuen Umweltsenator Jens Kerstan alle Alarmglocken schrillen. Der Grünen-Politiker stoppt das Projekt. Auch die Kreuzfahrt-Industrie steht auf dem Prüfstand*.

Hamburger HafenPort of Hamburg
Gründung7. Mai 1189, Hamburg
EigentümerHamburg Port Authority
OrtFreie und Hansestadt Hamburg
Piers/KaisBurchardkai, Tollerort, Altenwerder, Eurogate (alle für Container)
BetreiberHamburg Port Authority, Hamburger Hafen und Logistik
Der Umbau des Hamburger Hafens durch chinesische Investoren könnte die Elbe vergiften.

Aktuell ist das Areal Steinwerder Süd mit kleinen Anlegern durchzogen. Eng und verwinkelt geht es zu. Wäre die HMM Algeciras, das größte Containerschiff der Welt*, falsch abgebogen, es hätte sich wohl hoffnungslos verkeilt. Die Pläne sehen daher vor, eine lange Kaikante zu bauen, an der auch größere, moderne Schiffe anlegen können.

Damit beginnt das Problem. Denn direkt im Schatten der Köhlbrandbrücke* liegt der Oderhafen. Den wollen die chinesischen Investoren zuschütten, um die nötigen Landflächen für ein zeitgemäßes Container-Terminal zu bekommen.

Ist es bald vorbei mit dem Idyll am Hamburger Hafen?

Das Problem: Schlick und Sedimente in dem Gebiet sind mit Giften und Schwermetallen regelrecht verseucht. Keine drei Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt hätten die Umbaumaßnahmen Arsen in die Elbe gepresst. Dann der Schock. Das Planfeststellungsverfahren lief schon. Die Umweltbehörde muss dringend einschreiten und es stoppen, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Eine weitere Katastrophe wie das jüngste Fischsterben* soll unbedingt vermieden werden, wie 24hamburg.de berichtet. Auch die Elbvertiefung sorgt für enorme Umweltprobleme*.

Die Zeitung zitiert zu dieser Entscheidung Jan Dube, Sprecher der Umweltbehörde: „Mit Blick auf das Schlickproblem und die Wasserqualität der Elbe müssen wir vermeidbare Zusatzbelastungen vermeiden. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen sollten wir die technischen Möglichkeiten nutzen, Schwermetalle wie Arsen aus belasteten Sedimenten zu entziehen. Es erscheint aus unserer Sicht nicht verantwortbar, neue und erhebliche Schwermetallbelastungen in die Elbe zu tragen.“

Schon 2017 gab es Kritik daran, dass die chinesischen Investoren den Zuschlag bekommen haben. Jan Nimmermann, Hafenexperte und Professor für Hafenwirtschaft an der Hamburg School of Business Administration, erklärte damals in einem Interview mit der Wirtschaftswoche: „Das Problem ist eher, dass manche Terminals gar nicht voll ausgelastet werden. Hamburg braucht in der aktuellen Situation kein weiteres Containerterminal, das ist nicht sinnvoll. Und deshalb laufen die Wettbewerber gegen diese Pläne Sturm. Die Erweiterung wäre von den Kapazitäten her gar nicht nötig. Der Hafen könnte über 15 Millionen Standardcontainer abwickeln, aber es werden heute nur 9 Millionen Container umgeschlagen.“

Auch einen konstruktiven Vorschlag zum Ausbau unterbreitet er in dem Interview: „Den zweiten Platz beim Ideenwettbewerb hat ja Steinweg gewonnen, die wollten ein Mehrzweckterminal und Kühllager bauen. Solche Ladung wird normalerweise eher auf kurzen Seewegen transportiert, von einem europäischen Land zum nächsten. Das ist ein Wachstumsmarkt. Das wäre aus Hamburger Sicht bestimmt eine sinnvollere Lösung.“

Doch hat der Hamburger Hafen ohne den jetzt gestoppten Umbau überhaupt noch eine Zukunft? Ja. Denn zu dem abgelehnten Bauverfahren gibt es auch eine Alternative. Die chinesischen Investoren müssten den Oberhafen lediglich geschlossen aufschütten. Das bedeutet, dass das Wasser, erst gereinigt und dann kontrolliert in die Elbe gepumpt wird. Es wird nicht mit Gewalt einfach hineingepresst.

Die jetzige Hamburger Regierung hat sich auch den Hafenausbau auf die Fahne geschrieben. Und das auf eine Art, wie es die Wähler von den Grünen Hamburg* auch erwarten. Nämlich möglichst CO2-neutral, hoher Wertschöpfung und sicheren Arbeitsplätzen, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Auch der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu arbeiten. Aktuell kompensiert die HHLA ihren CO2-Ausstoß mit Emissionsreduktions-Zertifikaten. * 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/Oliver Berg/Marc Müller/dpa/picture alliance

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