Missglückte Kampfansage

Nach CDU Kröten-Vergleich: Hamburgs Grüne wütend auf Paul Ziemiak

  • Jens Kiffmeier
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Twitter-Shitstorm gegen CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nach Kröten-Aussage. Hamburger Grüne sind empört.

  • Digitaler Parteitag: Die CDU hat mit Armin Laschet einen neuen Parteivorsitzenden.
  • Union sieht sich im Bundestagswahlkampf nun gut aufgestellt.
  • Generalsekretär verärgert mit Kröten-Vergleich die Grünen als potentiellen Koalitionspartner.

Hamburg – Autsch, das ging daneben: Mit einem Witz über Krötenwanderung hat CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bei den Hamburger Grünen für Empörung gesorgt und unfreiwillig eine hitzige Koalitionsdebatte losgetreten. Mit einem scharfen Kommentar ätzte der grüne Verkehrssenator der Hansestadt Hamburg, Anjes Tjarks, gegen den Unionspolitiker. „Niemand verkörpert die cdu ohne Angela Merkel besser als Paul Ziemiak mit solchen Witzen aus den 80ern“, twitterte @anjes_tjarks als Reaktion auf einen von Ziemiak zuvor versendeten Tweet. Zum Glück entscheide nicht die CDU, wer nach der Bundestagswahl regieren dürfe, sondern die Menschen. Ähnlich verärgert zeigten sich auch andere Spitzengrünen.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Stein des Anstoßes war eine Äußerung von Ziemiak auf dem digitalen Parteitag, auf dem die CDU am Wochenende Armin Laschet als neuen Parteichef bestimmte*. Der NRW-Ministerpräsident tritt nun die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer an, die nach internen Querelen bereits im März des vergangenen Jahres ihren Rücktritt angekündigt hatte. Nach dem Ende der monatelangen Personaldebatten will die Union nun endlich offensiver in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Ziemiaks Witz wird zum Boomerang: Grüne zeigen wenig Lust auf Koalition

Ziemiak machte dann auch sofort den Anfang. Jedoch übersprang er gleich die Wahl und spekulierte gleich über mögliche Koalitionen. Es könne sein, schrieb @PaulZiemiak auf Twitter, dass die CDU nach der Wahl mit den Grünen Bündnisgespräche führen müsste. Deshalb schob er gleich mal eine Kampfansage hinterher: „Die Grünen werden in den Koalitionsverhandlungen mehr Kröten schlucken, als manche von ihnen über die Straße getragen haben.“

Kroetenwanderung.jpg

In den sozialen Netzwerken löste der Tweet heftige Diskussionen aus. Ein Großteil der Nutzer empfand es unter #wegenmorgen als unverfroren, zu diesem Zeitpunkt schon eine Koalitionsdebatte zu eröffnen. Unter die Kommentatoren mischten sich auch viele prominente Stimmen der Grünen. So wies etwa Marina Weisband das Ziemiak-Ansinnen komplett zurück. Sie glaube, twitterte sie unter dem Pseudonym @afelia, dass die Grünen selbstbewusst ohne Koalitionsaussagen in den Wahlkampf ziehen könnten.

Den Tweet wiederum griff Hamburgs ehemaliger Justizsenator und möglicher grüner Bundestagswahlkandidat Till Steffen auf. „Das Schöne an meiner Partei ist“, schrieb @till_steffen, „dass bei uns sehr viele kluge Frauen Politik machen.“ Das war ein klarer Seitenhieb auf Laschet, der in seinem parteiinternen Wahlkampf vor allem mit männlichen Unterstützern agiert und deswegen viel Kritik auf sich gezogen hatte.

Die Union steht unter Zugzwang. Während die SPD sich bereits im Spätsommer des vergangenen Jahres auf Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) als Kanzlerkandidaten bei der anstehenden Bundestagswahl festgelegt hat, sind die Personalien bei der Union noch völlig ungeklärt. Zwar wurde nun in einem ersten Schritt die vakante Stelle des CDU-Vorsitzenden besetzt – doch es ist noch keinesfalls ausgemacht, dass Laschet nun auch automatisch als Kanzlerkandidat nominiert wird. Zwar hat er bereits Ambitionen erkennen lassen, aber in Umfragen liegt er klar und deutlich hinter Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der ebenfalls einen Wechsel ins Kanzleramt nicht ausschließt. Und daneben werden auch noch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Chancen eingeräumt.

Schwarz-Grün nach der Bundestagswahl? CDU-Parteichef könnte die Ökopartei noch brauchen

Doch egal, wer am Ende antritt – der Griff zur Kanzlerkandidaten-Nominierung könnte sich lohnen. Denn glaubt man den aktuellen Stimmungsumfragen in der Bevölkerung, dann könnten CDU und Grüne am Ende als die stärksten Kräfte aus der Wahl hervorgehen. Für die Grünen heißt das aber nicht automatisch, dass sie sich der Union unterordnen wollen. So gratulierte die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock am Wochenende Armin Laschet zur erfolgreichen Wahl, jedoch verbunden mit einer kleinen Kampfansage: „Es wird ein spannender politischer Wettbewerb, welche Kraft unser Land mutig, entschlossen, mit neuem Schwung aus der Krise führt“, schrieb @ABaerbock.

In Hamburg sieht man das ähnlich. So retweetete die Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank (Grüne), den Kommentar von Baerbock mit dem Verweis auf einen grünen Zukunftsplan. Auch Verkehrssenator Tjarks war stark auf Abgrenzung zur CDU bedacht. „Wir haben einen Plan für die Zukunft, die CDU hat Friedrich Merz“, twitterte er. Es scheint also noch ein langer Weg bis zu einer schwarz-grünen Koalition zu sein. Zumindest das lehrt der Ziemiak-Witz. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa & Michael Kappeler/dpa & Georg Wendt/dpa

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