Abschied von Corona-Opfern

Hamburg gedenkt Corona-Toten: Politik plant Gedenkstätte

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Allein in Hamburg starben 1.600 Menschen an oder mit Covid-19. CDU und SPD wollen nun eine Gedenkstätte schaffen, an dem Angehörige trauern können.

Hamburg – Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 sind in Hamburg fast 1.600 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Viele Angehörige konnten jedoch wegen der harten Beschränkungen von ihren Liebsten nicht angemessen Abschied nehmen. Aus diesem Grund möchte die SPD-Regierungsfraktion und CDU-Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft* einen Gedenkort zur Erinnerung an die Corona-Toten in Hamburg schaffen.

Coronafälle in Hamburg – Insgesamt77.047
Coronafälle in Hamburg – Genesen74.600
Coronafälle in Hamburg – Verstorben1.585

„Das einsame Sterben auf den Intensivstationen*, Beerdigungen im allerkleinsten Kreis und die fortwährende Konfrontation mit der Pandemie haben Angehörigen und Freunden das Abschiednehmen und die Bewältigung ihrer Trauer sehr schwer gemacht“, schildert der SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf am Donnerstag die traurige Situation.

Die meisten Menschen, die einen Verlust erlitten haben, hätten gravierende Einschränkungen in allen Lebensbereichen weiterhin mitgetragen, um die Gesundheit anderer Menschen zu schützen, fährt er dpa zufolge fort. Den Antrag für das Vorhaben hat die SPD eingereicht und damit den Anstoß für die Gedenkstätte gegeben.

Dirk Kienscherf spricht sich für eine Gedenkstätte der Corona-Opfer in Hamburg aus

SPD und CDU teilen den Wunsch einer Gedenkstätte für Corona-Tote

SPD-Chef Kienscherf begründet die jetzige Entscheidung damit, dass mit dem Abklingen der Infektionszahlen* nun die Zeit gekommen sei, sich als Gesellschaft diesen Menschen zuzuwenden und noch stärker Anteil zu nehmen. Auch die CDU unterstützt den Gedanken eines Ortes der Trauer. „Die Corona-Pandemie hat auch in Hamburg viele Opfer gekostet und viel Leid verursacht“, äußert der CDU-Fraktionsvorsitzende Dennis Thering. Deswegen unterstütze die Fraktion den Vorschlag, für die Opfer des Corona-Virus einen würdevollen Ort der Trauer zu schaffen.

Am Mittwoch hat sich der Landtag in Kiel mehrheitlich für den Gedenkort ausgesprochen. Wo und in welcher Form dieser Ort für alle Trauernden entstehen soll, ist noch nicht klar.

Hamburg nimmt sich Beispiel an Schleswig-Holstein – „Wir brauchen einen Ort der Trauer“

Damit nimmt Hamburg sich ein Beispiel an dem Bundesland Schleswig-Holstein. Dieses beschloss als erstes Bundesland Deutschlands am Mittwoch, einen zentralen Gedenkort für die Opfer der Corona-Pandemie zu schaffen. „Wir brauchen einen Ort der Trauer“, deklariert die Abgeordnete der SPD, Serpil Midyatli, die auch den Anstoß zu dem Antrag gegeben hatte.

„Die selbstverständlichen Rituale des Trauerns konnten nicht wie gewohnt stattfinden. Den Trauernden fehlte oft die Unterstützung durch Worte und Gesten bei Beerdigungen, die nur im allerkleinsten Kreis stattfinden konnten. Dies ist und bleibt sehr belastend“, heißt es dem Hamburger Abendblatt zufolge in dem Antrag.

Das Ziel der Gedenkstätten für Corona-Opfer ist es, die Familien und Hinterbliebenen mit ihrer Trauer nicht länger allein zu lassen. Ein zentraler, würdiger und offener Ort des Gedenkens soll Angehörige in ihrer Trauer unterstützen und auch die Gesellschaft dazu aufrufen, künftig weiterhin Solidarität und wechselseitige Rücksichtnahme in einer solchen Krise zu zeigen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Daniel Reinhardt/dpa

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