Brutal oder harmlos?

„Geschlagen und getreten“ - Polizeigewalt in Hamburg

  • Carolina Baldin
    vonCarolina Baldin
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Mindestens 10.000 mutmaßliche Fälle illegaler Polizeigewalt im Jahr - mitten in Deutschland. Auch in der Hansestadt werden immer öfter Verdachtsfälle laut. So auch zuletzt in Hamburg-Altona.

  • Hamburg-Altona: Offenbar gewaltsamer Polizei-Übergriff auf Senioren.
  • Staatsanwaltschaft Hamburg: 165 Ermittlungen von „Körperverletzung im Amt“ gegen Polizeibeamte in 2019.
  • Hamburger Polizisten bringen Mieterin unter Einsatz körperlicher Gewalt zu Boden.

Hamburg/Altona - 10.000 mutmaßliche Fälle illegaler Polizeigewalt im Jahr - mindestens. Das geht aus dem Zwischenbericht der Wissenschaftler zu einer Studie zu illegaler Polizeigewalt (Stand: 17. Dezember 2019) der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Prof. Dr. Tobias Singelnstein hervor. Das Projekt läuft noch bis Ende Januar 2021. Auch im Hamburger-Stadtteil Altona soll es im Mai angeblich zu einem gewaltsamen Übergriff durch Polizeibeamte gekommen sein.

BezirkAltona
StadtHamburg
Einwohner275.264 (Stand: 31. Dezember 2019)
Bevölkerungsdichte3556 Einwohner/km²
Adresse der VerwaltungBezirksamt Altona, Platz der Republik 1, 22765 Hamburg
Vorwahl040

Hamburger Polizei wird gewaltsamer Übergriff auf Senioren vorgeworfen

Gegen 22:15 Uhr am 1. Mai in Hamburg-Altona klingeln Hamburger Polizeibeamte an der Haustür einer vierköpfigen Wohngemeinschaft - alle zwischen 60 und 75 Jahren. Ein Anwohner hatte zuvor mutmaßliches Taschenlampenlicht in der Wohnung des sonst offenbar völlig unbeleuchteten Mehrfamilienhauses in der Stresemannstraße beobachtet. Daraufhin hatte er die Hamburger Polizei alarmiert.

Hamburger Polizeibeamte vermuten Einbrecher in der Wohnung 

Einer der WG-Bewohner öffnet den Polizeibeamten „weigert sich aber von Beginn an, den Beamten seinen Namen zu nennen“, so Polizeisprecher Florian Abbenseth. Zudem signalisiert der Mann, dass sich neben ihm noch drei weitere Personen in der Wohnung befinden. Eine Kooperation mit der Polizei verweigert er gänzlich. Keine der drei Personen wollte sich während des Polizeieinsatzes ausweisen. Nur die vierte Mieterin verhält sich ruhig und kooperativ. Sie hatte den ganzen Vorfall aber erst im Nachhinein mitbekommen, da sie sich vorher offenbar schlafen legte.

„Auch wenn die Einsatzkräfte auf den ersten Blick noch keine Einbruchspuren hatten feststellen können, stand für sie zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sicher fest, dass es sich bei den Personen um Berechtigte handelt," erklärt Florian Abbenseth. Aus diesem Grund verschaffen sich die Polizeibeamten Zutritt zur Wohnung. Wie genau, ist nicht bekannt.

In Hamburg-Altona soll es kürzlich zu einem gewaltsamen Polizei-Übergriff gekommen sein. (Symbolbild)

Hamburger Polizisten bringen Seniorin unter Einsatz körperlicher Gewalt zu Boden

Laut Angaben des Polizeisprechers sollen die Hamburger Polizeibeamten versucht haben, mit den Bewohnern ein Gespräch im ruhigen Ton zu führen. Allerdings fielen ihnen zwei der Mieter ununterbrochen und lauthals ins Wort. „Ein sachliches Gespräch war dadurch nicht möglich“, so Florian Abbenseth. In einem selbst aufgenommenen YouTube-Video vom 25. Mai bekräftigt der 75-jährige Mieter, dass er seinen Personalausweis nicht zeigen wollte: „Bei uns im Wohnzimmer gibt es keine Personalienkontrollen.“

Brenzlig wird die Situation, als die über 60-jährige Mieterin versucht die Zimmertür zu schließen und einer Polizeibeamtin mit der Faust ins Gesicht schlägt. Unter Einsatz körperlicher Gewalt wird die Frau zu Boden gebracht und mit Handfesseln fixiert. Immer wieder beleidigt sie die Beamten und lässt sich auf dem Weg zum Funkstreifenwagen mehrfach fallen.

Polizeibeamte setzen in Hamburger Senioren-WG Pfefferspray ein

Weil der Mann trotz einer Unterlassungsaufforderung immer wieder auf einen der Polizeibeamten zugegangen war, wurde gegen ihn Pfefferspray eingesetzt. „Dessen Einsatz war im Vorwege mehrfach angedroht worden“, sagt der Polizeisprecher. Auch er wurde letztlich zu Boden gebracht und gefesselt, wogegen er sich massiv wehrte.

Senioren durch polizeiliches Einschreiten leicht verletzt

Beide Mieter wurden durch den Einsatz der Zwangsmittel leicht verletzt. Ein Rettungswagen war vor Ort. Eine Behandlung ließen beide jedoch unbeantwortet.

Zum Zwecke der Identitätsfeststellung wurden beide Personen ans Polizeikommissariat 26 transportiert. Laut dem Polizeisprecher ist für „die von Amts wegen einzuleitenden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Angriffs auf bzw. Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte" die Feststellung der Personalien erforderlich.

Hamburger Polizisten wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs angezeigt

Gegen 01:10 Uhr erschien eine Angehörige der Frau am Polizeikommissariat 26 und legte die Ausweisdokumente der zwei Personen vor. Unmittelbar danach wurden beide wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Laut taz.de hat die WG die Hamburger Polizeibeamten ihrerseits angezeigt: wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Verletzung der Infektionsschutzmaßnahmen.

Quelle: 24hamburg.de

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