Traumatische Erfahrungen

Versklavt, vergewaltigt, verkauft: Zeugin im Prozess um IS-Witwe von Deso Dogg zeigt Horror auf

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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  • Yannick Hanke
    Yannick Hanke
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Die Witwe des Berliner Gangsta-Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert („Deso Dogg“) muss sich vor dem Hamburger Landesgericht verantworten. Nun sagt eine Zeugin im Gerichtsprozess aus, die der Witwe in Syrien begegnet sein soll. Sie erzählt von grausamen Erfahrungen aus ihrer IS-Gefangenschaft.

  • Hamburg: Prozess gegen IS-Witwe – Omaima A. in Untersuchungshaft
  • Deso Dogg: Gangster-Rapper durch Luftangriff getötet.
  • Zeugin berichtet im Prozess von Horror-Erlebnissen aus IS-Gefangenschaft.

Upddate vom 9. Mai 2020, 8:43 Uhr: Hamburg - Traumatische Erfahrungen in der Gefangenschaft des IS durchlebte eine 29-jährige Jesidin. Sie sagte nun im Prozess gegen die Witwe des IS-Kämpfers Denis Cuspert („Deso Dogg“) aus. Diese soll ihrem Ehemann nach Syrien gefolgt sein, um sich dort dem Islamischen Staat anzuschließen.

NameDenis Cuspert
Geboren18. Oktober 1975, Kreuzberg, Berlin
Gestorben17. Januar 2018, Gharānīdsch
Ehepartnerin:Daniela Greene (verh. 2014–2018)
Alben:Gast ist König, Import Export
ElternSigrid Cuspert, Richard Luc-Giffard

Die 29-jährige Zeugin wurde selbst vom IS versklavt, vergewaltigt und auf dem Frauenhandel verkauft. Sie soll der angeklagten Omaima A. (35) in Syrien begegnet sein. In ihrer Schilderung der Erlebnisse berichtet die 29-jährige Jesidin von qualvollen Erlebnissen. Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht erzählte die Frau am Montag: „Sie haben uns sehr viel Leid angetan. All das zu erzählen, würde viele Tage dauern.“ Sie konnte jedoch nicht bezeugen, dass die IS-Witze ebenfalls Jesidinnen versklavt hat - dies wird der Witwe nämlich vor Gericht vorgeworfen.

Die 29-jährige Zeugin schildert ihre qualvollen Erlebnisse von Beginn an: Am 3. August 2014 überfiel der IS ihr jesidisches Dorf im Nordirak. Ihr Vater und ihre Brüder wurden an diesem Tag von IS-Kämpfern erschossen, da sie sich - wie alle anderen Männer des Dorfes auch - einem Bekenntnis zum Islam verwehrten. Die Frauen brachte man gruppenweise in eine Schule. Die Jesidin gab vor, dass es sich bei ihrem kleinen Bruder um ihren Sohn handelte - aus Angst, vom IS entführt und vergewaltigt zu werden.

Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert (Deso Dogg) vor Gericht in Hamburg. Eine 29-jährige Jesidin hat im Prozess gegen sie ausgesagt. (24hamburg.de-Montage)

Doch die jesidische Frau wurde später nach Syrien verschleppt. Sie erzählt: „Männer kamen vorbei, begutachteten uns, und wenn ihnen eine gefiel, nahmen sie sie mit.“ Ein Kämpfer habe die 29-Jährige vergewaltigt, bevor sie an einen Libyer geriet. „Er hielt mir eine Waffe an den Kopf und sagte: Ich bringe dich um.“ Er habe ihr mit einem Leben gedroht, dass schlimmer als der Tod sei. Die angeklagte Witwe soll sie durch die Frau des IS-Kämpfers kennengelernt haben. Am Tag der Begegnung mit Omaima A. habe die Frau zur Jesidin gesagt: „Macht euch fertig, wir gehen Freunde besuchen.“ Im Dezember 2017 gelang ihr die Flucht.

Hamburger Deso Dogg-Witwe leugnet vor Gericht ihre IS-Zugehörigkeit

Erstmeldung vom 4. Mai 2020, 8:43 Uhr: Laut Bundesanwaltschaft soll die 35-jährige Omaima A. im Jahr 2015 nach Syrien gereist sein, um Ehemann Denis Cuspert zu folgen und sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Die Deutsch-Tunesierin habe mit ihren Kindern im Alter von acht Monaten, zwei und acht Jahren in der IS-Hochburg Rakka gelebt.

Hamburgerin Omaima A. bekennt sich zum IS

Durch die Mitnahme der Kinder in ein Kampfgebiet habe sie deren physische und psychische Entwicklung gefährdet. Darüber hinaus sei ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht gröblich verletzt worden, heißt es in der Anklage. Die 35-Jährige soll ihre Kinder im Sinne des IS erzogen haben.

Ihre älteste Tochter soll eine Schule der Terrororganisation besucht haben. Zudem habe sich die Witwe mit einer Schusswaffe in der Öffentlichkeit gezeigt und ihren Sohn mit IS-Emblemen ausgestattet. Doch das ist längst nicht alles. Per E-Mail habe sie zudem Frauen in Deutschland dazu aufgefordert, sich ebenfalls der Terrororganisation anzuschließen.

Omaima A. neben ihrem ehemaligen Ehemann Denis Cuspert aka Deso Dogg (24hamburg.de-Montage).

Vorwurf des Menschenhandels gegen Deso Dogg-Witwe

Ferner wird die gebürtige Hamburgerin des Menschenhandels und eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit bezichtigt. Konkret lautet der Vorwurf, dass die Deutsch-Tunesierin eine 13-jährige Jesidin zeitweise als Sklavin in ihrem Haushalt gehalten haben soll.

Ein weitere Anklagepunkt lautet Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. So sei die Angeklagte in dem Besitz eines Kalaschnikow-Sturmgewehrs gewesen. Der Ehemann von Omaima A., der aus Frankfurt stammende Nadar H., soll 2015 bei einem Luftangriff in der syrisch-kurdischen Stadt Kobane getötet worden sein.

Denis Cuspert: Toter Gangster-Rapper mit negativem Einfluss auf Deutsch-Tunesierin

Nur wenige Monate später habe sie dessen Freund geheiratet - Denis Cuspert aka Deso Dogg. Dieser hatte sich 2014 dem IS angeschlossen und stand in der USA auf der Terrorliste. Der gebürtige Berliner, Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers, soll zudem in mehreren Propaganda-Videos aufgetreten sein. Diversen Medienberichten zufolge wurde auch Cuspert im Januar 2018 durch einen Luftangriff in Syrien getötet.

Aufgrund von Streitigkeiten mit Cuspert kehrte Omaima A. im August 2016, hochschwanger, zurück nach Deutschland. Anfang September 2019 brachte die Deutsch-Tunesierin in Hamburg ihr viertes Kind zur Welt. Dies wird durch einen Haftbeschluss des Bundesgerichtshofs ersichtlich.

Festnahme von Omaima A. am 9. September 2019 in Hamburg.

Omaima A. in Untersuchungshaft: Prozessbeginn in Hamburg

Rund drei Jahre nach ihrer Rückkehr wurde die Witwe Omaima A. am 9. September 2019 in Hamburg festgenommen.* Seither sitzt die Ex-Frau Deso Doggs in Untersuchungshaft. Bis zum 10. Juli dieses Jahres hat der Staatsschutzsenat am Oberlandesgericht 13 Verhandlungstermine angesetzt. Der erste Termin steht am Montag, den 4. Mai 2020, an.

Die Angeklagte Omaima A. sitzt zu Prozessbeginn in einem Gerichtssaal des Hanseatischen Oberlandesgerichts.

Ein ebenfalls schreckliches Verbrechen läuft seit Oktober 2019 im Hamburger Landgericht. Der ehemalige SS-Wachmann Bruno D. muss sich für Beihilfe zum Mord an 5.230 Menschen im KZ Stutthof* verantworten.

Update: Hamburger Deso Dogg-Witwe bestreitet IS-Mitgliedschaft

In der ersten, seit neun Uhr morgens laufenden Verhandlung bestritt die Angeklagte Omaima A., jemals Mitglied des IS gewesen zu sein. Dies ließ die Deutsch-Tunesierin über ihren Anwalt Tarig Elobied verlauten. Die Frage, ob eine Frau dadurch zur Terroristin werden könnte, indem sie den Haushalt führt, die Familie versorgt und damit ihren Mann den Rücken stärkt, wurde vom Anwalt gegenüber dem 3. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgericht verneint. Ebenso wurde bestritten, dass Omaima A. jemals eine Sklavin gehalten habe.

Laut Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) sei die Angeklagte zum Prozessbeginn „betont locker und lässig aufgetreten“. Sie habe sich im „Business-Outfit“ präsentiert und viel Kontakt zu einer Bekannten im Zuschauerraum aufgenommen. An einer Stelle sei Omaima A. jedoch aus ihrer entspannten Rolle herausgebrochen. Ein Film über ihre Kinder, von denen die 35-Jährige aufgrund ihrer Untersuchungshaft getrennt ist, soll sie zum Weinen gebracht haben.

Quelle: 24hamburg.de

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