Coronavirus-Fazit vom Fachmann

UKE-Experte: Alarm! Coronavirus-Herbst ist da – hohes Infektions-Risiko für Stubenhocker

  • Enno Eidens
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Stefan Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) warnt vor einer zweiten Welle im Herbst – trotzdem zieht der Lungen-Experte ein positives Coronavirus-Fazit für Hamburg und Deutschland.

  • UKE-Arzt Stefan Kluge über die Coronavirus-Pandemie in Hamburg*.
  • Deutschland kriegt dennoch gute Pandemie-Noten.
  • Warnung vor Herbst-Welle: hohes Infektionsrisiko ist möglich.

Hamburg – Die Coronavirus-Pandemie* hat Deutschland hart getroffen – wie fast jedes Land der Welt. Doch die Bundesrepublik ist bisher glimpflich davongekommen. Die Zahl der Toten und Schwerverletzten durch das Virus hält sich in Grenzen. Ein Hamburger UKE-Mediziner spricht jetzt Klartext und warnt der kommenden kalt-nassen Jahreszeit. Im Herbst kann es richtig dicke kommen.

Mediziner:Stefan Kluge
Geboren:1968 (Alter 52 Jahre), Bremen
Bücher:DIVI Jahrbuch 2018/2019: Fortbildung und Wissenschaft in der interdisziplinären Intensivmedizin und Notfallmedizin

Hamburger UKE-Arzt über zweite Infektionswelle im Herbst – gute Coronavirus-Noten für Deutschland

Hamburg leidet nun schon sechs Monate unter der Coronavirus-Pandemie. Doch Stefan Kluge (52), Leiter der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE)*, schätzt die Lage verhältnismäßig entspannt ein. Hamburg sei, wie auch die benachbarten Bundesländer, glimpflich davongekommen. „Wir waren einfach gut vorbereitet, sodass wir in Deutschland keine starke Übersterblichkeit hatten“, sagt Kluge im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Gestorben sind Deutschlandweit über 9.200 Personen, in Hamburg sind es (Stand 26. August) 232 Coronavirus-Tote. Damit liegt die Bundesrepublik weit hinter anderen EU-Staaten wie Spanien (28.924) und dem Vereinigten Königreich (41.433).

Stefan Kluge (52), Leiters der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), warnt vorm Coronavirus-Herbst. (24hamburg.de-Montage)

Der erste offiziell bestätigte Hamburger Coronavirus-Fall wurde am 27. Februar bestätigt. Ein Arzt der UKE-Kinderklinik hatte sich im norditalienischen Trentino angesteckt. Weitere Fälle kamen vor allem durch Ski-Urlauber nach Hamburg. Die meisten Neuinfektionen in Hamburg wurden am 24. März gemeldet – 248 Fälle an nur einem Tag. Am 25. April kam der nächste traurige Rekord – 15 Menschen sterben am Coronavirus. Absoluter Höhepunkt in Hamburg.

Die Zahl der Toten erhöht sich aktuell nur noch langsam, der letzte Corona-Tote verstarb am 20. August. Seit Mitte April sinkt auch die Auslastung der Krankenhäuser stetig. Nur 20 Menschen werden aktuell stationär wegen einer Coronavirus-Infektion behandelt. Am 14. April waren es noch 311 Patienten in den Krankenhäusern, davon hundert auf Intensivstationen. Aktuelle Coronavirus-Zahlen für Hamburg am 26. August 2020:

Bestätigte Fälle in HamburgDavon Geheilte PersonenCoronavirus-Tote
6.136 (+27)5.400232

Coronavirus-Sommer in Hamburg – mehr Infektionen, trotzdem weniger Patienten im Krankenhaus

Die Zahl der Neuinfektionen stiegt während der Sommerferien in Hamburg an, die der Klinikpatienten hingegen nicht. Das liege laut UKE-Arzt Stefan Kluge daran, dass sich mehr jüngere Menschen mit dem Coronavirus infizierten. Diese haben ein geringeres Risiko, schwer zu erkranken oder am Virus zu sterben. Das Durchschnittsalter aller Infizierten ist von 52 auf 32 gesunken. „Die typischen Mallorca-Urlauber am Ballermann sind alle unter 30, und die sterben zum Glück extrem selten“, resümiert Kluge. Das Durchschnittsalter der in Deutschland am Coronavirus verstorbenen Menschen ist 82 Jahre, so die Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI).

Der Hamburger UKE-Experte Stefan Kluge, Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde, lobt auch die gute Vorsicht der älteren Menschen im Umgang mit dem Coronavirus. Im Gegensatz zu jungen Menschen würden diese deutlich achtsamer und vorsichtiger mit der Situation umgehen, unnötige Kontakte und Besorgungen vermeiden. Bei jüngeren Menschen beobachtet Kluge einen etwas sorglosen Umgang. Menschen, die schwere Coronavirus-Fälle bei Angehörigen erleben mussten, würden das anders sehen. Ob sich das die Menschen auf den Hamburger Corona-Partys* auch erst dann zu Herzen nehmen, wenn es zu spät ist?

Hamburger UKE-Experte warnt vor Coronavirus-Risiko im Herbst – gefährliches Aerosol

Stefan Kluge bewertet die in Deutschland getroffenen Anti-Coronavirus-Maßnahmen positiv, Abstandsgebot und Maskenpflicht seien die richtigen Maßnahmen. Auch großzügige Tests seien sinnvoll. Im März wurden in Hamburg rund 3.400 Menschen pro Tag getestet, Mitte August sind es 9.500 Tests. Der UKE-Arzt und Lungenexperte Kluge berichtet zudem von zwei Medikamente, die sich bei Coronavirus-Patienten als wirksam erwiesen hätten.

Das vielfach diskutierte Remdesivir mildere in der Frühphase die Symptome der Patienten ab. In der Spätphase hilft das Cortison-Präparat Dexamethason und verbessert die Überlebenschancen von Beatmungs-Patienten deutlich. Das UKE forscht zurzeit an weiteren Therapien und Erkenntnissen über das Coronavirus, unter anderem in der UKE-Kinderstudie*.

Viele Experten fürchten eine zweite große Infektionswelle im Herbst. Auch der Stefan Kluge blickt mit Vorsicht auf die kommenden kalten und nassen Tage. Da sich die Menschen wieder mehr in geschlossenen Räumen aufhielten, könnten sie sich leichter durch das ausgeatmete Aerosol anstecken. Doch Kluge macht keine Panik, er vertraut auf das gute Kontroll- und Gesundheitssystem, das Deutschland habe. Große Hoffnungen setzt der Hamburger UKE-Experte auf einen Impfstoff, mit dem die Krankheit verhindert oder sogar besiegt werden könnte. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/Christian Charisius/dpa/picture alliance

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