Reeperbahn außer Kontrolle

Prügel für Hamburgs Polizisten: Angst vor Coronavirus-Kiez-Kontrollen

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Es ist die Pflicht der Hamburger Polizei, die Einhaltung der Coronavirus-Maßnahmen zu kontrollieren. Doch dabei bleibt es nicht immer friedlich. Im Gegenteil.

Hamburg – Das Coronavirs-Sars-CoV-2 hat Hamburg fest im Griff. Seit Montag, 19. Oktober 2020, gibt es in der Hansestadt mehr als fünfzig Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner* innerhalb von sieben Tagen. Der Hamburger Senat* hat reagiert und die Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie verschärft. Doch jemand muss diese Regeln umsetzen – die Polizei Hamburg. Dabei stoßen die Beamten nicht immer auf Verständnis. Manch einer wird brutal.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Bevölkerung: 1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Fläche: 755,2 km²
Vorwahl: 040

Polizei Hamburg: Aggressionen gegen Beamte bei Coronavirus-Kontrollen

Eine Sperrstunde samt Alkoholverbot macht derzeit Gastronomen in Hamburg das Geschäft schwer. TV-Koch Tim Mälzer, der wohl berühmteste Wirt in Hamburg, beklagt sich darüber bitterlich in der Sendung von Markus Lanz (ZDF)*. Doch auch für die Betreiber von Bars und Clubs bedeuten die strengen Coronavirus-Regeln drastische Einnahme-Einbußen. Manch einer veranstaltet gar illegale Partys, um die Einnahmen wieder reinzubekommen. Pech nur, wenn die Partytiger erwischt werden und ein Bußgeld über 5.000 Euro droht*.

Die Polizei Hamburg kontrolliert auf der Reeperbahn einen Partygast.

Doch auch die Hamburger sind nicht glücklich mit der Situation. So gilt eine eher verwirrende Maskenpflicht*, die je nach Uhrzeit und Hausnummer einer Straße mal gilt und mal nicht. Die Anwohner in den betroffenen Bezirken sind entsprechend sauer*. All dieser Ärger macht sich gelegentlich Luft und das trifft vor allem die Hamburger Polizei. Denn die Beamten der Hansestadt sind es, die dafür sorgen müssen, dass sich Passanten und Partygäste an die Auflagen halten.

Partymeile Reeperbahn für Polizei Hamburg besonders gefährlich

Dieses Eingreifen passt nicht jedem. Lars Osburg, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Hamburg, bewertet die Gemengelage in der Mopo so: „Die Situation auf St. Pauli* betrachte ich mit Sorge. Hier gibt es im Moment bereits einen erheblichen Handlungsbedarf für die Polizei, um die feiernden Menschen zur Einhaltung der Regeln des Infektionsschutzes zu bewegen.“

Dabei hielt sich das Treiben auf der Reeperbahn am Freitag und Samstag, 16. und 17. Oktober 2020, in Grenzen. Etwa 8.000 Menschen seien auf Hamburgs berühmter Partymeile unterwegs gewesen, berichtete die Polizei Hamburg. An den Wochenenden zuvor waren trotz Coronavirus-Pandemie rund 20.000 Personen unterwegs. Zeitweise musste die Große Freiheit sogar abgesperrt werden. Jetzt scheint sich allerdings die Stimmung zu drehen.

Polizei Hamburg reagiert bei Coronavirus-Regeln mit viel Kulanz

So gibt Lars Osburg, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Hamburg, in der Mopo weiter zu bedenken, dass die Menschen oft mit Aggressionen reagieren würden. Dabei würde die Polizei Hamburg lediglich die Einhaltung der Coronavirus-Regeln überwachen. Wie Besucher der Reeperbahn berichten, tun die Beamten das auch mit viel Kulanz und Wohlwollen. Wohl auch, um eine Eskalation zu vermeiden.

Wegen der steigenden Aggressionen gegenüber den Polizisten erwarte die Gewerkschaft der Polizei, dass bald einheitliche Regelungen gelten würden, so die Mopo weiter. Diese seien für die Bürger leichter zu verstehen als ein bundesweiter Flickenteppich aus Regeln und Maßnahmen. Ministerpräsidenten und Bürgermeister müssten sich hier einigen. Dies würde die Arbeit der Polizei erleichtern.

Party ohne Coronavirus-Regeln möglich, Impfstoff noch in weiter Ferne

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit macht derweil Jugendlichen, die Lust auf Party haben, Hoffnung. Der Leiter der Abteilung für Arbovirologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hatte die Idee, dass eine vorher getestete Gruppe ohne Coronavirus-Regeln feiern gehen könnte*. Ohne Maske, Abstandsregeln und Sperrstunde könnten sie dann auf der Reeperbahn Dampf ablassen, wie 24hamburg.de berichtet. Dies könnte eine Übergangslösung sein, bis endlich ein Coronavirus-Impfstoff fertig ist. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wurde den ersten Testpersonen schon das Mittel MVA-SARS-2-S verabreicht*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa

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