Impf-Desaster

Hamburg schmiert bei Corona-Impfungen ab – letzter Platz für Hansestadt

  • Fabian Raddatz
    VonFabian Raddatz
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Experten sind sich einig: Nur durch Impfen ist eine Rückkehr zur Normalität möglich. Doch statt jetzt richtig Gas zu geben, spritzt Hamburg weiter total lahm.

Hamburg – Statt in den Arm gingen Hamburgs Impfbemühungen bislang eher in die Hose. Hamburg schneidet im großen Deutschland-Vergleich miserabel ab. Die Statistik, ein Armutszeugnis: Vollständig Geimpfte: drittletzter Platz. Impfung der Gesamtbevölkerung: vorletzter Platz. Gelieferte Impfdosen: ebenfalls Vorletzter.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Besonderes bitter auch diese Zahl: Bei den verabreichten Impfdosen je 100 Einwohner ist die Hansestadt Hamburg nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Ländervergleich am schlechtesten. Gerade einmal 22,8 Prozent der Einwohner sind bereits vollständig geimpft!

Hamburg ist Impf-Letzter! CDU macht Druck

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion zieht eine vernichtende Bilanz. CDU-Fraktionschef Dennis Thering: „Beim Impfen hat Hamburg mittlerweile den letzten Platz aller Bundesländer erreicht und Bürgermeister Tschentscher schaut tatenlos zu.“

Eine Krankenpflegerin impft eine Frau mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Woran liegt das? Fakt ist: Hamburg bekommt wenig Impfstoff geliefert, belegt mit 70,7 Dosen den vorletzten Platz. Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) erklärte am Mittwoch in einem NDR-Chat: „Hamburg bekommt verglichen mit seiner Bevölkerung noch sehr wenig Impfstoff.“ Das hätte man bei der Bundesregierung auch schon mehrfach angemerkt.

Tschentscher zum Impf-Desaster: „Sind noch nicht ganz am Ziel“

Jetzt gebe es eine Zusage, dass die Verteilung ausgeglichen werde, die Lieferungen auf dem Weg seien. Leonhard: „Damit habe Hamburg eine Chance, zu einer besseren Impfquote zu kommen“.

Auch Hamburg-Chef Peter Tschentscher (SPD) sagte am Dienstag im Rathaus: „Wir sind noch nicht ganz am Ziel. Wir brauchen bis zum endgültigen Ausgang aus der Pandemie noch eine höhere Impfquote.“ Und sowieso: Hamburg würde seine Impfdosen immer sofort verspritzen.

Impfungen in Hamburg: Ein weiter Weg bis zu Herdenimmunität

Die Zeit für eine bessere Impfquote ist reif: Das gute Wetter zieht die Hamburger massenweise ins Freie. Wer kann es ihnen verübeln – nach vielen Monaten Corona-Lockdown? Vieles macht auf, jede Woche gibt der Hamburger Senat neue Lockerungen bekannt: Nach Öffnung der Innen- und Außengastronomie kann nun sogar der Hamburger Dom öffnen, erst kürzlich gab es grünes Licht für den Sommerdom!

80 Prozent.

Die Quote, die es laut RKI-Präsident Lothar Wieler braucht, um Herdenimmunität zu erreichen.

Nur: Damit das alles auch Bestand hat – nicht nach wenigen Wochen der Freiheit wieder geschlossen wird – müssen genügend Menschen geimpft sein, Herdenimmunität entstehen. RKI-Chef Lothar Wieler nennt 80 Prozent als Quote aus Geimpften und Genesenen, damit das klappt. Da muss Hamburg beim Impftempo noch mächtig auf die Tube drücken.

Denn einen Impftermin derzeit in Hamburg zu bekommen, das ist denkbar schwer – selbst jetzt, wo Hamburg die Impfpriorisierung aufgehoben hat. 24hamburg.de sagt Ihnen, wie Sie jetzt an übriggebliebene Impfdosen kommen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild

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