ADFC aktiver als Regierungsparteien

Aktionstag und Petition: ADFC macht Druck, Hamburgs Verkehrswende lahmt

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Am Samstag, 23. Mai, findet bundesweit ein Aktionstag für neue und mehr Radwege statt. Auch in Hamburg. Hier sieht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Handlungsbedarf. Denn die Regierung hinkt selbst den eigenen Erwartungen hinterher.

Hamburg - Das Coronavirus-Sars-CoV-2 hat den Verkehr in Hamburg verändert, gibt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) zu Protokoll. Es seien weniger Autos unterwegs, dafür mehr Fahrräder. Die können aber aus Platzmangel den geforderten Mindestabstand nicht einhalten. Der ADFC plädiert deswegen für Pop-Up-Radwege in Hamburg. Diese würden in Coronavirus-Zeiten schon in 150 anderen Städten betrieben. Ein bundesweiter Rad-Aktionstag und eine Online-Petition sollen die Forderung untermauern.

ADFCAllgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
Gründung27. September 1979, Bremen
Mitglieder185.000 (08/2019)
EinzugsbereichDeutschland

ADFC Hamburg: Pop-up-Radwege sollen Verkehrswende bringen, Rad-Aktionstag und Online-Petition

Die Verkehrspolitik ist einer der größten Streitpunkte bei den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Gründe in Hamburg. Kein Wunder. Das Thema A26-Ost und die Betriebszeiten am Flughafen sind komplex. Erstaunlich ist aber, das selbst Beschlüsse, bei denen Einigkeit zwischen Peter Tschentscher und Katharina Fegebank herrscht, nicht zu Handlungen führen.

So haben sich SPD und Grüne zwar geeinigt, grundsätzlich die Bauleistung bei Radwegen zu verdoppeln - auf 60 Kilometer pro Jahr. In der Praxis herrscht allerdings Stillstand. Das ist deswegen ärgerlich, da Radfahrer in der Hansestadt akut Hilfe bräuchten, glaubt zumindest der ADFC. Denn die Coronavirus-Krise habe neue Rahmenbedingungen geschafft. Darauf hatte die Interessenvertretung mit einem Protest in Form eines Pop-up-Radweges auch schon aufmerksam gemacht.

Bundesweiter Rad-Aktionstag und Pop-up-Radweg in Hamburg

Und das tut sie jetzt wieder. Am Samstag, 23. Mai, findet tagsüber ein bundesweiter Rad-Aktionstag statt. In Hamburg beteiligen sich daran Greenpeace Hamburg, Radentscheid Hamburg und der ADFC Hamburg. Dafür haben die Gruppen einen Pop-up-Radweg eingerichtet: 200 Meter auf der rechten Fahrspur in östlicher Richtung im Neuen Kamp. Vor der Rindermarkthalle. Damit betreibt der ADFC aktuell eine aktivere Verkehrspolitik in Hamburg als die Regierungsparteien in spe.

Der ADFC Hamburg fordert mehr finanzielle Mittel für den Ausbau und die Pflege der Infrastruktur für Fahrradfahrer.

Doch gänzlich untätig waren auch SPD und Grüne nicht. Die haben angekündigt, am Sandtorkai in der Hafen-City eine Autospur umzuwidmen und für die Radfahrer zu öffnen. Dies sei allerdings nur ein Test, keine langfristige Neu-Planung.

Eine erfreuliche Entwicklung, wie der ADFC mitteilt, der aber auch in Person von Pressesprecherin Wiebke Hansen zu bedenken gibt: „Rad- und Fußverkehr brauchen aber an viel mehr Straßen in Hamburg mehr Platz.“ Und weiter: „Fußgänger*innen und Radfahrende drängen sich, während daneben mehrere Spuren von parkenden und fahrenden Autos belegt werden”.

Verkehrswende in Hamburg?

Geht es nach dem ADFC sind Pop-up-Radwege die Lösung des Problems. Dabei wird eine Autospur einer mehrspurigen Straße für Radfahrer freigegeben und per Pylonen oder farblicher Markierung abgegrenzt. Pop-up-Radwege seien schnell und günstig umzusetzen und bei Bedarf auch rasch wieder abzubauen. So könnten sie während der Coronavirus-Krise für Entlastung auf Hamburgs Radwegen sorgen. Rund 150 Städte weltweit haben nach Angaben des ADFC so schon Platz für Radler geschaffen.

Seit Freitag, 22. Mai, gibt es deswegen auch eine Online-Petition des ADFC Hamburg. Genau 1.000 Unterstützer soll sie finden, nach nicht einmal zwölf Stunden waren es bereits 600. Hansen: „Niemand will noch mehr Autos in der Stadt – schaffen wir jetzt also die Voraussetzungen für die Mobilitätswende und locken wir mehr Menschen aufs Rad."

Wie wichtig ausreichend Abstand ist zeigt der Fall in der Gemeinde Leer. Zum ersten Mal seit den Lockerungen verbreitete sich das Coronavirus über ein Restaurant.

Quelle: 24hamburg.de-Hamburg

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