Beste Wohnlage direkt an der Elbe

HafenCity in Hamburg: Umstrittenes Prestige-Wahrzeichen mit Freizeit-Potenzial

  • Valentina Meiners
    vonValentina Meiners
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Nahe den Hamburger Landungsbrücken entsteht seit 2001 Hamburgs neuester Stadtteil: die HafenCity. Schöne neue Sehenswürdigkeit oder große Geldverschwendung?

  • Die HafenCity mit Elbphilharmonie und Speicherstadt ist ein Muss für alle Touristen, die nach Hamburg reisen.
  • Vor Ort reihen sich die exklusivsten Luxuswohnungen – nur an Grünflächen mangelt es der Reißbrettstadt noch, sagen Kritiker.
  • Das innerstädtische Bauvorhaben zieht europaweit Aufmerksamkeit auf sich.

Hamburg – Wandert man von den Landungsbrücken aus gen Osten, rechts am Portugiesenviertel und links am Niederhafen vorbei, gelangt man über die Niederbaumbrücke beim Baumwall (U3) zur Hamburger HafenCity, deren Westseite von der Elbphilharmonie, dem architektonischen Wahrzeichen der Stadt, bekrönt wird. Das einst als Lagerfläche für Kaffee, Tee, Tabak und Co. genutzte Areal mit 2,2 Quadratkilometern Grundfläche ist seit März 2008 ein eigenständiger Stadtteil Hamburgs, in den durch den Bau moderner Wohngebäude und Büros sowie die Eingliederung von Spielplätzen, Grünanlagen und Geschäften des täglichen Bedarfs immer mehr Leben einzieht.

HafenCity:Hamburger Stadtviertel
Fläche: 240 ha
Einwohner: 4925 (31. Dez. 2019)
Bezirk: Hamburg-Mitte
Höhe: 8 m ü. NN
Postleitzahl: 20457
Koordinaten: 53° 32′ 30″ N, 9° 59′ 36″ O Koordinaten: 53° 32′ 30″ N, 9° 59′ 36″ O

HafenCity in Hamburg: Die Elbe und Fleete prägen den Stadtteil

Das Nebeneinander aus geschichtsträchtigen Backsteingebäuden und futuristischen Glasbauten macht den Charme der HafenCity aus. Zugleich wird der Stadtteil aber auch stark von der Elbe geprägt: Im Norden ist das Gebiet durch den Zollkanal von der Altstadt abgetrennt. Zudem befindet sich nördlich der Binnenhafen, in dem eine Flussschifferkirche ihren Anker gesetzt hat. Herrengraben-, Alster- und Nikolaifleet gehen von hier aus ab in Richtung Binnenalster, während sich durch die HafenCity selbst auch einige Kanäle ziehen. Die Speicherstadt zum Beispiel ist unter anderem deshalb so ein beliebtes Fotomotiv, weil sich mitten durch sie hindurch folgende Fleete spannen:

  • das Kehrwiederfleet
  • das Brooksfleet
  • das St. Annenfleet 
  • das Wandrahmsfleet

 
Beinahe rechtwinklig zueinander angeordnet sind derweil der Magdeburger Hafen und der Brooktorhafen, an deren Treffpunkt sich das Internationale Maritime Museum Hamburg befindet. Weiter im Osten folgen – angrenzend an Hammerbrook und Rothenburgsort – der Ericusgraben, der Oberhafen samt Hammerbrookschleuse und der Billhafen. Die südliche Grenze der HafenCity bildet währenddessen die Norderelbe, die alle Kanalläufe mit Wasser speist. Der Baakenhafen im Süden und der Grasbrookhafen sowie der Sandtorhafen im Westen runden die Landschaft des brückenreichen Stadtteils ab.

Hamburgs HafenCity: Die Anfänge des Hafengebiets

Die Insel Grasbrook, die der beständig wachsenden HafenCity seit 2003 als Standort dient, lag ursprünglich vor der Hamburger Stadtbefestigung. Während sich hinter den Toren der Stadt mehrere Wohnsiedlungen befanden, grasten davor nur Weidetiere. In der sumpfigen Uferregion fand sich im 15. Jahrhundert ein Richtplatz, auf dem Klaus Störtebeker, ein berühmt-berüchtigter Pirat, am 20. Oktober 1401 gehängt wurde. Dasselbe Schicksal ereilte 1701 die Vitalienbrüder, die als Freibeuter ebenfalls die Nord- und Ostsee unsicher machten.

Als die Hansestadt Hamburg immer mehr Bedeutung im internationalen Güterhandel erlangte, wuchs das Hafengebiet beständig an, sodass die Stadtmauern gesprengt und der Grasbrook zum Hafenerweiterungsgebiet wurde. Schiffbauer und andere Maritimgewerke siedelten sich an, Kaispeicher, Fruchtschuppen, Heringskühlhäuser und künstliche Hafenbecken wurden errichtet. Für die 1888 eingeweihte Speicherstadt mussten fünf Jahre zuvor zwanzigtausend Menschen aus den Wohnvierteln Kehrwieder und Wandrahm umgesiedelt werden.

HafenCity in Hamburg: Der Hamburger Hafen nach dem 2. Weltkrieg

Nach den Zerstörungen des Krieges folgte ein umfassender Wiederaufbau. Die alten Hafenbecken jedoch wurden nicht modernisiert, denn es war absehbar, dass sie dem steigenden Containerumschlag nicht gewachsen sein würden. Immer mehr Stückgüter schipperten 1955 nach Hamburg und die Schiffe, die sie trugen, wurden immer wuchtiger

Folglich entschied man sich dazu, den Hamburger Hafen nach Westen zu verlegen, vor den 1911 eröffneten Alten Elbtunnel, der keine weiteren Ausbaggerungen des Flussbettes erlaubt und damit eine Barriere für Schiffe mit mehr als zehn Metern Tiefgang darstellt. Die Folge: Während das Geschäft elbabwärts zu florieren begann, lag das Industriegebiet am Großen Grasbrook viele Jahre lang brach.

Visualisierung des südlichen Überseequartiers

Die Entwicklung der HafenCity Hamburg im 21. Jahrhundert

Anfang des 21. Jahrhunderts zogen die letzten Betriebe davon und die barrierefreie Bebauung des 157 Hektar großen Areals begann. Der erste Spatenstich für das innerstädtische GroßprojektHafenCity“ wurde am 9. April 2001 gesetzt. Dem Beispiel der Londoner Docklands folgend, soll der Ausbau der Waterfrontzone – und deren Nähe zur Hamburger Innenstadt – genutzt werden, um die Stadtentwicklung voranzutreiben. Bis in die 30er-Jahre hinein werden hier 14.000 Wohneinheiten, 3.000 Hotelzimmer und 45.000 Arbeitsplätze geschaffen, während parallel die Infrastruktur ausgebaut wird. 

Begonnen mit dem 2009 fertiggestellten Teilquartier Sandtorkai/Dalmannkai, wird das Baugebiet also immer lebenswerter. Zusammen mit den Schülern und Studierenden sowie Kunden und Touristen sollen sich hier irgendwann 120.000 Menschen pro Tag aufhalten. Die Erlöse aus dem Stadtflächenverkauf refinanzieren dabei die Erschließung des Containerhafens Altenwerder, die eine halbe Milliarde Euro gekostet hat.

HafenCity in Hamburg – Wissenswertes im Überblick:

  • Insgesamt leben über 3.000 Menschen in der HafenCity (Stand: 2016). Die Arbeitslosen- und Altenquote liegt hier deutlich unter dem Hamburger Durchschnitt, während der Ausländeranteil darüber liegt.
  • Das durchschnittliche Jahreseinkommen in der HafenCity beträgt circa 81.500 Euro (Stand: 2010). Zum Vergleich: Der Durchschnitts-Hamburger verdient etwa 35.600 Euro.
  • Das öffentliche Verkehrsnetz wird durch die HADAG-Schiffslinie 72 abgerundet. Diese bedient die Haltestellen Landungsbrücken und Elbphilharmonie. Anleger am Strandkai und an der Uni Hamburg (HCU) sind in Planung.
  • Da das gesamte Gelände bei Sturmflut einer hohen Überflutungsgefahr ausgesetzt ist, sind spezielle Flutschutzmaßnahmen wie Aufschüttungen und Erdgeschoss-Tiefgaragen unerlässlich. 
  • Viele der Gebäude und Straßen sind nach Handelsgütern, Entdeckern und Orten benannt: Tokiostraße, San-Francisco-Straße, Marco-Polo-Terrasse, Arabica-Tower, etc.
  • Auch Promis leben gerne in der HafenCity: Gerüchten zufolge besitzt Schlagersängerin Helene Fischer (* 5. August 1984) ein Apartment in der 2017 eröffneten Elphi, während Boxweltmeister Wladimir Klitschko (* 25. März 1976) im Marco-Polo-Tower leben soll. Kaufpreis: 14.000 Euro pro Quadratmeter.
  • Außerdem war der Hamburger Stadtteil bereits Kulisse zahlreicher Film- und Videodrehs sowie Fotoshootings. Szenen aus „Notruf Hafenkante“, „Honig im Kopf“ und sogar „3 Engel für Charlie“ wurden hier gedreht.

HafenCity in Hamburg: Ist die Speicherstadt Teil der HafenCity?

Die HafenCity ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte, für den der vorherige Stadtteil Klostertor aufgelöst wurde. Zu ihm gehört auch die Speicherstadt. Oft werden HafenCity und Speicherstadt jedoch eigenständig voneinander betrachtet – das umfassende Stadtentwicklungsprojekt im ehemaligen Hafenareal auf der einen Seite und der größte historische Lagerhauskomplex der Welt, der seit 2015 zum UNESCO-Welterbe zählt, auf der anderen Seite. Tipp: Google Maps verrät, welcher Bereich der Elbinsel zur Speicherstadt gehört.

HafenCity in Hamburg – die zehn Quartiere im Überblick:

  • Sandtorkai/Dalmannkai mit Elphi, Schwimmponton im Traditionsschiffhafen, Magellan-Terrassen, Dalmannkaitreppen, Vasco-da-Gama-Platz, Marco-Polo-Terrassen, Senioren- und Genossenschaftswohnungen
  • Sandtorpark/Grasbrook mit Heizkraftwerk (auf dem Gebiet der ersten Gasanstalt Hamburgs), Sandtorpark, Katharinenschule (Pausenhof auf dem Dach), Outdoor-Bewegungsparcours und ASTOR Film Lounge als Premiumkino
  • Strandkai mit Strandhafen, Unilever-Hauptverwaltung, exklusiven Wohnungen im Marco-Polo-Tower und Dienstleistungs-, Gastronomie- sowie Freizeiteinrichtungen
  • Überseequartier mit Magdeburger Hafen, Einzelhandel, Restaurants und Bars entlang des Überseeboulevards, Altem Hafenamt und neuer U-Bahn-Anbindung (U4)
  • Brooktorkai/Ericus mit Osakaallee, Bastion Ericus (ehem. Stadtbefestigungsanlage), Zolldienststelle, Shanghai-Brücke und Gebäude der Spiegel-Gruppe
  • Elbtorquartier mit HafenCity Universität (HCU), Elbarkaden, Stadthaushotel für Menschen mit Behinderung, Ökumenischem Forum, Kaispeicher B, Maritimem Museum und U-Bahn-Anbindung (U4)
  • Am Lohsepark mit TV Akademie Hamburg, Parkanlage und Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ (ehem. Konzentrations- und Vernichtungslager)
  • Oberhafen mit Deichtorhallen, Kulturmeile, Sport- und Tennisplätzen
  • Baakenhafen mit Baakenhafen und Wohnbebauung
  • Elbbrückenzentrum mit kleinen Wolkenkratzern und 233 Meter hohem Elbtower, Amerigo-Vespucci-Platz sowie U- und S-Bahnhof Elbbrücken (U4, S3 und S31)

Ausstellungs- und Dokumentationszentrum in der Hamburger HafenCity

Einige der zuvor genannten Bauwerke befinden sich derzeit noch in der Planungsphase. Wie der aktuelle Bau- und Planungsstand aussieht, zeigt unter anderem das HafenCity InfoCenter im Kesselhaus. Das Ausstellungs- und Dokumentationszentrum bietet mehrere Wissensstationen zum Thema sowie ein Stadtbaumodell (Maßstab 1:500). Außerdem werden Interessierte – wie bereits beim umstrittenen Bau der Elbphilharmonie und U-Bahn-Erweiterung – mittels Broschüren und eines InfoPavillons an der Osakaallee auf dem Laufenden gehalten. Ein dreizehn Meter hoher ViewPoint am Baakenhafen ermöglicht zudem Einblicke in das aktuelle Baustellengeschehen.

HafenCity Hamburg: Kritik am Bauprojekt

Oft werden Neuheiten erst einmal kritisch beäugt – so auch die HafenCity. Die Gegend biete zu wenig Grünflächen und Freizeitangebote, der Fokus bei der Infrastrukturplanung läge zu stark auf dem Auto statt auf nachhaltigeren Fortbewegungsmöglichkeiten und allgemeinhin seien die Wohnpreise zu teuer, sodass sich ein Reichenviertel mit homogener Sozialstruktur herausbilde. Grundsätzlich werde das gesamte Nutzungskonzept zu stark vom monetären Refinanzierungsgedanken bestimmt, so die Kritiker. Die hohe Bebauungsdichte sei gut für die Profitabilität, nicht jedoch für die Wohnqualität.

Kritisiert wird außerdem auch die Architektur der bereits fertigen Gebäudekomplexe, die oft als „würfelartig“, „kalt“ und „uninspiriert“ bezeichnet wird. Ob der Kontrast, der sich damit zur Speicherstadt ergibt, reizvoll oder doch eher zu hart ist, darf jeder selbst entscheiden. Keine Geschmackssache hingegen sind die Umweltprobleme, mit denen die Bewohner der HafenCity zu kämpfen haben: Brückenspinnen haben aufgrund der fehlenden Begrünung keine Fressfeinde mehr und schmücken daher in Scharen die Fassaden der Häuser. Zugleich bedingen die Kreuzfahrtschiffe, die in der Nähe anlegen, eine erhebliche Abgasproblematik.

Sehenswürdigkeiten und Freizeit-Tipps für die HafenCity

Der von der HafenCity Hamburg GmbH entworfene Masterplan, mit dessen Hilfe das Areal in die bestehenden Stadtstrukturen eingegliedert werden soll, sieht Maßnahmen zur Erhöhung des Wohnwerts vor. Neben den genannten Geschäften, Lokalen, Museen, Kinos, Sportstätten und anderen Kulturangeboten wie der Elphi sind in der HafenCity also noch weitere Parkanlagen, Radwege, E-Stationen, preisgedämpfte Mietwohnungen und Kitas sowie Einkaufszenten im Werden. Folgende Freizeit-Tipps geben wir Touristen und Einheimischen schon einmal mit auf den Weg:

Auch die Unterhaltungsangebote am Abend, zum Beispiel Poetry Slams und Tangoabende, und die Vereinslandschaft wachsen prächtig. Ein Besuch lohnt sich also zur jeder Tageszeit. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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