Zusätzliche Erholungs- und Nutzflächen

Gründächer in Hamburg: Schöner Kampf gegen den Klimawandel

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Klimawandel ist wegen der anstehenden Bundestagswahl momentan in aller Munde. Hamburg will mit der „Gründachstrategie“ gegen die Erwärmung der Stadt vorgehen.

Hamburg – Erst am vergangenen Freitag, 24. September sind weltweit Tausende Schüler, Schülerinnen und auch Erwachsene für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. In Hamburg waren rund 80.000 Teilnehmer an dem Fridays-for-Future-Streik beteiligt. Die Hansestadt hat bereits einen Plan, auf ganz besondere Art gegen die Erderwärmung vorzugehen. Als erste deutsche Großstadt hat Hamburg die sogenannte „Gründachstrategie“ ins Leben gerufen.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (Stand: 2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Wie in allen deutschen Großstädten wachsen auch in Hamburg konstant neue Gebäude aus dem Boden. Mindestens 6000 Wohnungen sollen in der Hansestadt jährlich entstehen – die Hafencity expandiert bereits seit Jahren extrem. Aber wie kann all dieser neue Raum effizient und klimafreundlich genutzt werden?

Gründächer in Hamburg: Gegen den Klimawandel sollen 70 Prozent der Dachflächen bepflanzt werden

Als Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung verfolgt die Hamburger Behörde mit der „Gründachstrategie“ langfristig das Ziel, mindestens 70 Prozent der Dachflächen zu begrünen. Das gilt sowohl für Neubauten als auch für bereits existierende flache oder nur wenig geneigte Dächer.

Damit ist Hamburg im weltweiten Vergleich nicht unbedingt Vorreiter: In New York wurde bereits im Jahr 2009 die historische Bahntrasse „High Line“ zu einer großzügigen und für Touristen extrem attraktiven Parkanlage umgebaut. Auch in London, Singapur und Delft existieren Vorbilder für die grüne Initiative.

Sogar in der Hansestadt an der Elbe findet sich die Idee bereits auf einigen Gebäuden wieder. In der Hafencity sind schon prachtvolle Dachgärten entstanden und für den Bunker an der Feldstraße auf St. Pauli ist ein wahrhaft grünes Schlaraffenland angedacht.

Hamburg versucht, mit einer Begrünung von Dächern gegen den Klimawandel anzugehen. (24hamburg.de-Montage)

„Gründachstrategie“ in der Hansestadt – über 100 Hektar begrünte Dachfläche

Laut Hamburger Abendblatt soll in den kommenden Jahren in Hamburg jedoch eine begrünte Dachfläche von insgesamt über 100 Hektar entstehen. Das entspricht circa der doppelten Fläche des beliebten Parks Planten un Blomen – dort herrschte vor Kurzem übrigens noch ein großes Rattenproblem.

Der Umweltbehörde zufolge ergibt sich allein beim Neubau von Wohnungen ein Gründachpotenzial von 44 Hektar, beim Gewerbeneubau werden es voraussichtlich 66 Hektar sein. Dabei sollen die Flächen jedoch nicht nur schön aussehen und ein kühleres Klima spenden, 20 Prozent der begrünten Ebenen sollen von Bewohnern und Beschäftigten als Freiflächen genutzt werden können.

Hamburger sollen ihre Dächer mit Zuschüssen begrünen

Im Zuge der „Gründachstrategie“ fordert die Umweltbehörde alle Hamburger dazu auf, ihre Dächer zu bepflanzen. Dabei können Grund- und Gebäudeeigentümer dem Hamburger Abendblatt nach bis zu 60 Prozent der erforderlichen Kosten pro Quadratmeter als Zuschüsse erhalten. Diese müssen nicht zurückgezahlt werden. Wenn das Gebäude in der Innenstadt liegt, sind noch zusätzliche Förderzuschläge möglich.

Die Umweltbehörde unterstützt das Projekt bis vorerst 2024 mit 3,5 Millionen Euro. Bewilligt und ausgezahlt werden die Fördergelder durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg). Und offenbar findet das Projekt bei den Bürgern bereits Anklang:

Gegenüber dem Hamburger Abendblatt äußerte eine Behördensprecherin: „Die Gründachförderung hat sich etabliert. Die bereitgestellten Mittel in Höhe von 3,5 Millionen Euro sind zu etwa zwei Dritteln ausgeschöpft. Bisher wurden 285 Anträge gestellt, 234 Bewilligungen erteilt und 1200 Beratungsgespräche bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank geführt.“

Gegen den Klimawandel: „Gründachstrategie“ in Hamburg soll Stadt abkühlen

Das hat auch gute Gründe. Denn die begrünten Dächer bringen einige Vorteile mit sich. Aufgrund des Klimawandels kommt es vermehrt zu Starkregenereignissen – dazu kann eine kompakter werdende Stadt immer weniger Wasser versickern lassen. An dieser Stelle kommen die Grünflächen zum Einsatz. Diese funktionieren bei Regen wie Schwämme, sie können viel Wasser aufnehmen und speichern.

Auf diese Weise können laut Geo-Ökologe Michael Richter von der Hafencity Universität Hamburg die Entwässerungssysteme der Stadt entlastet werden, so der Experte im Hamburg Journal. Außerdem kühlt Dachbegrünung die Luft ab und feuchtet sie an. „Wenn man in einem Stadtgebiet überall Gründächer hat, haben verschiedene Forschungen gezeigt, dass man so in der Größenordnung von ein bis drei Grad Celsius den Stadtraum abkühlen kann“, erklärt Experte Richter dem Hamburg Journal. Auch das ist im Zuge der Erderwärmung ein wichtiger Aspekt. Gegen den Klimawandel sollen in Hamburg zukünftig auch Lastenräder vermehrt eingesetzt werden.

Aufgrund der „Gründachstrategie“ können Hamburger Energiekosten sparen – zugunsten der Umwelt

So wird in der ganzen Stadt ein angenehmeres Klima geschaffen und sogar die einzelnen Gebäude profitieren davon. Durch die Vegetation auf dem Dach wird die Temperatur des Gebäudes reguliert: Im Winter geht weniger Energie über das Dach verloren und im Sommer schirmt die Grünfläche auf dem Dach Hitze ab.

So sparen etwaige Bewohner nicht nur Energiekosten, als „Goodie“ von der Stadt werden aufgrund des Rückhalts von Regenwasser Eigentümern eines Gründachs laut Umweltbehörde auch 50 Prozent der Niederschlagswasser-Gebühren erlassen. Nebenbei halten Gründacher länger als konventionelle Flachdächer und fördern die Artenvielfalt der Stadt. Auch in dem Bereich wird dem Klimawandel und dem damit einhergehenden Verlust der Artenvielfalt also konsequent die Stirn geboten.

Grüne Dächer für das Klima und neue Erholungs- sowie Nutzungsflächen für Hamburger

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Insgesamt würde die „Gründachstrategie“ in Hamburg Anwohnern eine verbesserte Wohn- und Lebensqualität bieten mit neuen Erholungs- und Nutzflächen. Außerdem sind laut „Hamburg Journal“ Gründächer aufgrund der Erlasse und Energiekostenverringerungen auf lange Sicht nicht teurer als konventionelle Dächer.

Wie nebenbei ist mit den Gründächern auch dem Klima der Stadt geholfen. Noch sind etwa zwei Prozent von Hamburgs Dächern grün, doch mit diesen Anhaltspunkten könnte sich dies bald ändern. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa/Shotshop/Imago

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