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Docks und Große Freiheit 36: Club-Szene will Corona-Leugner loswerden

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Von: Fabian Raddatz

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Plakate mit Corona-Verschwörungstheorien zieren die bekannten Hamburger Clubs Docks und Große Freiheit 36. Deshalb sollen sie nun raus aus dem Club-Verband.

Update vom Sonntag, 28. März 2021: Hamburg – Der Skandal um die Corona-Schwurbel-Plakate an den Clubwänden von Docks und Große Freiheit artet weiter aus: Nun teilt das Clubkombinat Hamburg, ein Zusammenschluss von Clubs, Veranstalter und Künstlern den Rauswurf der Corona-Leugner.

Live-Musik-Club in Hamburg:Große Freiheit 36
Eröffnung:19. September 1985
Adresse:Große Freiheit 36, 22767 Hamburg
Besondere Auftritte:Beatles, Backstreet Boys, Prince, Rammstein

In einer Stellungnahme auf Facebook, die von Clubs wie Golden Pudel Club, Uebel & Gefährlich, Roter Flora und Molotow unterschrieben wurde, heißt es: „Der Schaden, der durch Eure Wandaktionen an den Außenfassaden Eurer Clubs entsteht, ist groß. Nicht nur für Eure Mitarbeitenden, für die vielen Künstler:innen und für die Gäste, sondern auch für unsere Live-Kultur- und Clubszene weit über die Grenzen der weltoffenen Stadt Hamburg hinaus.“

Und weiter: „Eine ‚offene‘ Plattform für Corona-Kritik zu betreiben, obwohl allseits bekannt ist, wie sehr Pandemie-Leugner:innen, Verschwörungstheoretiker:innen, antisemitische, sowie rechtsnationale Strömungen miteinander verwoben sind und wie sehr Radikale diesen Diskurs aktiv für ihre Zwecke instrumentalisieren“, sei mehr als „naiv“. Man wolle nun weitere Schritte prüfen.

Docks und Große Freiheit: Corona-Leugner unter sich

Erstmeldung vom Donnerstag, 18. März 2021: Hamburg-St. Pauli – Ein Beben geht durch Hamburgs Kulturszene: Plakate mit Corona-Verschwörungs-Theorien hängen am Eingang zweier legendärer Clubs, dem „Docks“ und der „Großen Freiheit 36“ – und die anderen Clubs schießen zurück: In einem Brand-Brief rufen Veranstalter zum Komplett-Boykott auf. Jetzt hat sich sogar Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) eingeschaltet und den Veranstaltern Rückendeckung gegeben.

Brosda hofft, dass „die Vernunft siegt und diese Orte zwar Mythen bleiben, aber nicht mehr Verschwörungsmythen Vorschub leisten.“ Eine Musikstadt Hamburg ohne „Docks“ und „Große Freiheit 36“ könne er sich nicht vorstellen. Und die Clubs? Hüllen sich in Schweigen.

Große Freiheit 36: Corona-Leugner? „Es geht uns allen schlecht“

Reeperbahn, Donnerstagmittag: Vor der „Großen Freiheit 36“ herrscht aufgeregtes Treiben. Arbeiter werkeln am Eingang. Der ist zugekleistert mit Plakaten und Bannern. Darauf stehen Überschriften wie „Höchstschaden für Millionen“. „Info“-Texte zu Maskenpflicht, Impfstoffe, Lockdown – gegen alles wird geschossen, alles eine Lüge.

Ein großer bärtiger Mann mit Mütze steht vor dem Club, dirigiert die Arbeiter. Er scheint das Sagen zu haben. „Der Manager ist nicht da“, sagt er. Doch wofür der Aufbau? „Pressekonferenz, aber nicht wegen der Plakat-Sache.“ Was dann, einen Corona-Leugner-Kongress? Keine Antwort. Erst als es um die Plakate geht, fängt er an zu reden: „Die sollen zum Nachdenken anregen.“

Die Wut auf die Corona-Maßnahmen der Regierung scheint hier groß zu sein. „Es geht uns allen schlecht.“ Dann hat er genug, der große bärtige Mann. Er verschwindet wieder im dunklen Club. Die Hamburger Club-Größen: Corona-Leugner? Ähnliche Plakate finden sich auch am „Docks“. Beide Clubs verweisen auf Presse-Statements, die in den nächsten Tagen folgen sollen.

Große Freiheit 36 und Docks: Corona-Leugner? Künstler laufen Sturm

Derweil schlägt der Plakat-Skandal in Hamburg Wellen: Musiker und Künstler haben am Mittwoch, 17. März 2021, in einem Brand-Brief zum Komplett-Boykott der beiden Clubs „Große Freiheit 36“ und „Docks“ aufgerufen. Unterzeichnet haben große Musikveranstalter wie FKP Scorpio und das Reeperbahn Festival. Eigenen Angaben zufolge machen sie 90 Prozent des Programms der beiden Clubs aus.

Man sei enttäuscht, heißt es in dem Brief, „dass ihr zunehmend gefährlichem und demokratiefeindlichem Gedankengut ein Forum bietet.“ Und weiter: „In einer Zeit, in der unsere Branche zusammenstehen sollte [...] sucht ihr anscheinend den Schulterschluss mit Schwurblern, Verschwörern und jenen, die keinen Widerspruch darin sehen, neben Nazis für Demokratie zu demonstrieren.“ Veranstaltungen unter diesen Bedingungen kämen nicht infrage. Den Schaden für die Gäste und den Kulturstandort Hamburg wolle man in Kauf nehmen.“

Große Freiheit 36 und Docks: Corona-Leugner? Rückfall in alte Muster

Das „Docks“ fiel bereits im Sommer 2020 mit Corona-Verschwörungstheorien auf. Auf Facebook präsentierten die Veranstalter stolz die Plakate, die vor ihrem Club hingen. Dann brach über sie ein Shitstorm hinein. Der Club ruderte daraufhin zurück, entschuldigte sich für die Wortwahl – und distanzierte sich von „rechtem Gedankengut und Hetze“.

Docks-Chefin Susanne Leonhard musste damals ihren Posten als Vorsitzende des „Clubkombinats Hamburg“ räumen, ein Verbund aus Party- und Clubbetreibern. Doch nun folgte offenbar der Rückfall. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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