Impfpflicht fürs Büro

Google und Facebook führen Impfpflicht ein: Wie steht es um Unternehmen im Norden?

  • Mark Stoffers
    VonMark Stoffers
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Nach dem Vorstoß der Internet-Riesen geraten andere Unternehmen in Zugzwang. Wollen Otto, VW und Co, jetzt auch die Impfpflicht für Mitarbeiter in Norddeutschland?

Hamburg – Google und Facebook tun es. Die beiden Internetriesen führen die Impfpflicht für Mitarbeiter ein und lassen nur noch Geimpfte in ihre US-Büros, wenn diese dann im Oktober wieder öffnen.

Unternehmen:Google LLC
CEO:Sundar Pichai (2. Okt. 2015–)
Gründung:4. September 1998, Menlo Park, Kalifornien, Vereinigte Staaten
Hauptsitz:Mountain View, Kalifornien, Vereinigte Staaten
Umsatz:89,46 Milliarden USD (31. Dezember 2016)
Tochtergesellschaften:YouTube, Firebase, Fitbit, Inc., AdMob
Gründer:Larry Page, Sergey Brin

Während ganz Deutschland noch über weniger Rechte für Ungeimpfte diskutiert, die Inzidenz in Hamburg und bundesweit wieder Tag für Tag steigt und die Regierung die Testpflicht von Reiserückkehrern schon ab 1. August 2021 einführen will, schlagen die beiden Internetriesen ihren ganz eigenen Weg ein.

Impfpflicht bei Google und Facebook: Mitarbeiter müssen sich aufgrund der Delta-Variante impfen lassen

Google-Chef Sundar Pichai teilte jedenfalls mit, dass die Regelung zunächst nur die USA betreffe, aber in den kommenden Monaten auch für andere Regionen gelten sollte, sobald dort Impfungen verfügbar seien. Ähnlich äußerte sich auch Facebook-Vizepräsidentin Lori Goler gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der Tech-Konzern werde „verlangen, dass jeder geimpft wird, der einen unserer Standorte in den USA besucht.“

Das Unternehmen hat nach eigener Aussage angedacht, seine Büros bereits im September mit einer Kapazität von 50 Prozent wieder zu besetzen. Gründe für die Maßnahme sind der neuerliche Anstieg der Corona-Neuinfektionen in den USA, der vor allem auf die hochansteckende Delta-Variante zurückgeht.

Dieser neue Ansatz bringt aber auch gleichzeitig andere Unternehmen in die Bredouille, dem Beispiel zu folgen, hieß es in übereinstimmenden Medienberichten.

Folgen norddeutsche Unternehmen wie VW oder Otto dem Beispiel von Google und Facebook bei der Impfpflicht von Mitarbeitern?

Bei den führenden Unternehmen in Norddeutschland scheinen Überlegungen für eine Impfpflicht von Mitarbeitern bisher kein Thema zu sein. VW hat bereits im Mai begonnen seine Belegschaft an sieben Standorten durchzuimpfen. Insgesamt sollen nach Planung von VW 40.000 Mitarbeiter bis August den vollen Schutz durch die Corona-Impfungen* erhalten.

Andere Unternehmen wie der Flugzeugbauer Airbus oder der Autohersteller Mercedes mit ihren Standorten in Bremen und Niedersachsen haben bisher nicht offiziell zu einer möglichen Impfpflicht für die eigene Belegschaft Stellung bezogen.

Hamburger Unternehmen zeigen laut einer Umfrage bisher keine Tendenz zur Corona-Impfpflicht für Mitarbeiter gegen Covid-19

Laut einer Umfrage des Hamburger Abendblatts tut der Impfstatus der Mitarbeitenden auch derzeit bei mehr als einem dutzend Unternehmen mit Standort oder Hauptsitz in Hamburg wenig zur Sache. Alle Mitarbeiter, ob nun vollständig geimpft, ungeimpft, vor Kurzem gegen eine Corona-Infektion geimpft, aber noch nicht mit dem bestmöglichen Impfschutz gegen Covid-19 ausgerüstet oder genesen nach einer Erkrankung im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 sollen nach den Ergebnissen einer Abendblatt-Umfrage weiterhin gleich behandelt werden.

Google und Facebook als Vorbild: Wollen deutsche Firmen Impfpflicht für Mitarbeiter? (kreiszeitung.de-Montage)

Und daran soll in den nächsten Tagen und Wochen wohl erstmal nicht gerüttelt werden.

Unternehmen im Norden haben keinen Kenntnisstand über den Impf-Fortschritt der eigenen Belegschaft

Auf der anderen Seite haben die Abendblatt-Recherchen ebenfalls ergeben, dass in den meisten Fällen die Führungsetagen kaum oder gar keine Kenntnis von dem Impf-Fortschritt der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben.

„Das fragen wir nicht, und das dürfen wir auch gar nicht fragen“, heißt die Antwort auf Anfrage des Abendblatts. Tatsächlich gibt es gar keine rechtliche Grundlage, die es einem Arbeitgeber ermöglicht, einer oder einem Beschäftigten vorzuschreiben, sich impfen zu lassen oder eine Aussage über den Impfstatus abzugeben. Stattdessen vertrauen Unternehmen wie die Haspa auf die Eigenverantwortung und Interesse der Belegschaft eine Corona-Impfung anzustreben.

Unternehmen im Norden halten an ihren Corona-Hygienekonzepten für alle Beschäftigten fest

Allein aus diesem Aspekt heraus ist eine unterschiedliche Philosophie im Umgang mit Geimpften und Ungimpften weder zweckmäßig noch zielführend. Keines der Unternehmen, die vom Abendblatt befragt wurden, glaubt an eine Art Zweiklassengesellschaft im Büro, in der Geimpfte mehr Vorteile als Ungeimpfte genießen.

Vorteile wie in der Kantine Essen gehen oder früher Dienstreisen antreten zu können, sind daher keine Option. Die Position der Teilnehmer der Umfrage ist klar. Im Chor sprachen sich die Firmen Jungheinrich, HHLA, Hapag-Lloyd, Beiersdorf, Freenet, Lichtblick, Hanse Merkur, Signal Iduna, Haspa, Airbus, Lufthansa Technik, Philips, Olympus und Otto gegenüber dem Abendblatt mit einem deutlichen „Nein“ gegenüber Freiheiten von Geimpften aus.

Otto, Airbus, Lufthansa und Beiersdorf zählen auf Corona-Hygienevorschriften

Stattdessen verließe man sich auch weiterhin auf die etablierten Corona-Hygienevorschriften. Sprich: Abstandsregeln und Maskenpflicht einhalten.

Am Ende bringt es Google-Chef Pichai in einer Firmenmitteilung auf den Punkt: „Sich impfen zu lassen, ist eine der wichtigsten Maßnahmen, uns und unsere Gemeinden in den kommenden Monaten gesund zu halten.“ Und dennoch ist die Rechtslage in Deutschland eindeutig: Einen Zwang kann es vom Arbeitergeber im Kampf gegen Corona und die Bereitstellung eines sicheren Arbeitsplatzes im Büro nicht geben.

Da hilft nur die intrinsische Motivation der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/Christian Charisius/Soeren Stache/Marijan Murat/dpa

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