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„Gekratzt, angespuckt, beleidigt“: Gewalt gegen Hamburgs Einsatzkräfte steigt

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Von: Kevin Goonewardena

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Die Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt seit Jahren zu. Studie des Innenministeriums bestätigt Trend. Das fordern jetzt Betroffene und die Gewerkschaft.

Hamburg – Erst vor kurzem sorgte das Behindern einer Rettungsaktion durch Gaffer in Travemünde für Empörung im Norden. Ob die Einsatzkräfte, bei den Wiederbelebungsversuchen eines letztlich verstorbenen Badegast am Ostseestrand aus der Gruppe der zahlreichen Schaulustigen, die die Szenen mit ihren Handys filmten, auch beschimpft oder gar körperlich angegangen wurden, ist nicht bekannt. Doch überraschend wäre es nicht. Alleine die Polizei Hamburg registrierte rund 2300 Fälle von verbaler und körperlicher Gewalt gegen die Beamten im Dienst, berichtet der NDR. Das seien 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Immer häufiger also werden Polizisten Opfer von Gewalttaten.

Nicht nur Rettungssanitäter, Polizeibeamte und Feuerwehrleute müssen sich vermehrt Entgleisung bei Einsätzen gefallen lassen oder um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten. Das Problem ist keineswegs ein lokales. Die Gewalt gegen Helfer nimmt auch in anderen Kommunen zu – nicht nur in der Hansestadt Hamburg.

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Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Anzahl Polizisten:etwa 7800
Anzahl Feuerwehrleute:etwa 5800 (Berufs- und Freiwillige Feuerwehr)

Jeder Dritte im Öffentlichen Dienst mit Gewalterfahrungen – in nur einem Jahr!

Laut einer jetzt vorgestellten Studie des Bundesinnenministeriums haben 23 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst im vergangenen Jahr die beschriebenen Erfahrungen gemacht. Unter den Angestellten bei Bürgerämtern, der Feuerwehr oder Justizbeamten teilen gar ein Drittel solche Erlebnisse. Der Deutsche Gewerkschaftsbund nennt die Zahlen „alarmierend“. Feuerwehrmann Robert Pohl ist einer der Einsatzkräfte, der stellvertretend für viele andere im Hamburg-Journal des NDR gegenüber von Angriffen auf seine Person berichtet – und Forderungen an die Behörden stellt.

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Steigende Gewalt gegen Einsatzkräfte ist seit Jahren ein wachsendes Problem. (Archivbild). © Theo Bick / dpa

Feuerwehr Hamburg: „Niemand muss sich beleidigen lassen.“

Diese, so Pohl, seinen jetzt gefragt. Ein erster wichtiger Schritt wäre es „das Ganze immer als geringfügig einzustellen, „denn niemand im Öffentlichen Dienst, kein Beamter, kein Tarifangbeschäftigter muss sich beleidigen oder körperlich angehen lassen. Hier sind die Streiferfolgsbehörden und die Rechtsprechung gefragt“ so Pohl. Das sah auch Dennis Galdiotor, Innenexperte der CDU Hamburg so, als die Zahlen für die Hansestadt im Februar 2022 vorgestellt wurden.

Ich wurde gekratzt, angespuckt, beleidigt.

Robert Pohl (Deutsche Feuerwerksgewerkschaft Küste) im NDR Hamburg-Journal

„Tag für Tag setzen die Beamten von Polizei und Feuerwehr sowie die Rettungskräfte ihre Gesundheit und ihr Leben für unsere Sicherheit ein. Aber anstatt Anerkennung zu erfahren, werden sie seit Jahren viel zu häufig Opfer von Übergriffen“, sagte Gladiator schon damals der Deutschen Presse Agentur (dpa). Der Politiker wünscht sich, dass Taten gegen Polizisten und andere Einsatzkräfte schneller als bisher zu einer Verurteilung führen.

„Das wir als Menschen behandelt werden, würde uns schon reichen.“

Auch Niklas Löwe von der Polizeigewerkschaft Hamburg äußert sich dem Sender gegenüber zu der Entwicklung. Er sagt, dass er und seine Kollegen und Kolleginnen merken würden, dass immer weniger Leute vor der Polizei Hamburg Respekt hätten. „Ich verlange nicht dass sie uns anhimmeln oder so – aber einfach, dass wir als Menschen behandelt werden, das würde uns schon reichen“, so Löwe.

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DGB: Zahlen alarmierend – mehr Sensibilisierung und Trainings gefordert

Zur Verhinderung und Verfolgung von Gewalt gegen Einsatzkräfte sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund auch jeweiligen Institutionen in der Pflicht. Es brauche „Sensibilisierung in der Führungsebenen“ für diese Thematik, so Tanja Chawla vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gegenüber dem NDR. Ebenfalls seien Maßnahmen wie Deeskalationstrainings, um Beschäftigten in dem richtigen Vorgehen in heiklen Situationen zu schulen oder das Schaffen von Anreizen, um verbale oder körperliche Angriffe anzuzeigen, nötig. Denn: Die aktuelle Studie geht von einer hohen Dunkelziffer aus ...

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