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Gesundheitsbehörde am Limit? Hamburg verfolgt offenbar keine Corona-Kontakte mehr

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Von: Anika Zuschke

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Virusvariante Omikron breitet sich weiterhin schnell aus. Gesundheitsämter sind überfordert. Eine Nachverfolgung von Corona-Kontakten ist kaum mehr möglich.

Hamburg – Weihnachten gilt eigentlich als besinnliches Fest, das man mit der Familie verbringt. Doch auch in diesem Jahr hat das Coronavirus die Feiertage fest in der Hand. Besonders durch die hoch ansteckende Omikron-Variante wird ein entspanntes Zusammenkommen extrem erschwert. Hamburg wurde vom RKI (Robert-Koch-Institut) bereits zu Deutschlands Omikron-Hotspot erklärt – nun kommt hinzu, dass die Hansestadt wohl komplett mit der Kontaktverfolgung aussetzt. Grund dafür ist deutschlandweit eine Überforderung der Gesundheitsämter aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen.

Behörde:Gesundheitsamt
Zugehörigkeit:In Deutschland Teil des öffentlichen Gesundheitsdienstes
Zuständigkeit:Durchführung der ärztlichen Aufgaben der Gesundheitsverwaltung
Leitung eines Gesundheitsamtes:In der Regel durch einen Amtsarzt

Hamburg setzt vollständig mit Suche nach Kontaktpersonen aus – Gesundheitsämter an ihren Grenzen

In Bezug auf die Inzidenzen scheint sich Hamburg auf einem positiven Weg zu befinden – über die Feiertage und Silvester gilt in der Hansestadt auch der Lockdown light. Angaben der Sozialbehörde zufolge wurden am 1. Weihnachtstag 749 neue Corona-Fälle registriert. Das sind 379 Neuinfektionen weniger als an Heiligabend und 159 Fälle weniger als vor einer Woche. Doch werden momentan auch alle möglicherweise Infizierten erkannt?

Offenbar kommen die Gesundheitsämter in weiten Teilen Deutschlands mit ihrer Arbeit kaum mehr hinterher. Das wirkt sich auch auf die Kontaktverfolgung aus. „Eine flächendeckende Nachverfolgung findet im Moment fast gar nicht mehr statt“, räumt Ute Teichert, Verbandschefin der Amtsärzte, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ein. Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg hätten laut der Verbandschefin sogar vollständig die Suche nach Kontaktpersonen ausgesetzt. In diesen Bundesländern ordnen die Gesundheitsämter wohl auch keine Quarantäne mehr nach jedem positiven Corona-Test an. Kostenlose Möglichkeiten für Corona-Tests in Hamburg gibt es beispielsweise am Hauptbahnhof oder am Flughafen.

Hamburg setzt bei der Kontaktverfolgung auf Eigenverantwortung der Bürger – trotz Omikron-Variante

Anstelle dessen appellieren die Länder an die Vernunft und Eigenverantwortung ihrer Bürger. Menschen mit positivem Corona-Test müssen sich selbst über die geltenden Quarantäneregeln in Kenntnis setzen und mögliche Kontaktpersonen informieren. Doch: „Die Frage ist, ob alle das tun“, gibt Teichert gegenüber RND zu bedenken.

Ein Schild mit der Aufschrift „Zu wem hatte ich Kontakt?“ und die „Corona-Warn-App“, die wegen zwei Risiko-Begegnungen ein erhöhtes Risiko anzeigt.
Gesundheitsämter setzen in Hamburg vollständig mit der Suche nach Corona-Kontaktpersonen aus. (24hamburg.de-Montage) © Nicolas Armer/Kira Hofmann/dpa

Eine Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung weist die Aussage Teicherts jedoch zurück. „Die Darstellung, dass Berlin zu den Bundesländern gehöre, in denen die Gesundheitsämter keine Kontaktnachverfolgung im Rahmen der Corona-Pandemie mehr gewährleisten, ist nicht korrekt“, sagt sie. Die Berliner Gesundheitsämter würden die Kontaktnachverfolgung gemäß den Richtlinien des RKIs leisten. Dafür sei laut RND sogar die Bundeswehr im Einsatz. Von Hamburg kam der Hamburger Morgenpost zufolge zunächst keine Stellungnahme.

Infektionen können unentdeckt bleiben: Gesundheitsämter kommen nicht hinterher

Mit einem Stopp der Kontaktverfolgung werden Kontaktpersonen nicht informiert und lassen sich daher nicht testen. Auf diesem Weg können mögliche Infektionen unentdeckt bleiben. Dies sei vor allem bei der sehr ansteckenden Omikron-Variante ein Problem, erklärt der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen gegenüber dem RND. „Wir müssen deshalb wieder dahin zurückkommen, dass die Gesundheitsämter Kontakte nachverfolgen, Quarantäne aussprechen und Fälle tagesaktuell melden können.“

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Schon jetzt stehe Omikron im Fokus der Gesundheitsämter, äußert Teichert laut RND. Dabei erwartet Gesundheitsminister Karl Lauterbach erst zum Jahreswechsel einen erheblichen Anstieg der Omikron-Fälle. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst rechnet aufgrund der Virusvariante im Jahr 2022 mit noch härteren Corona-Regeln*. Teichert zufolge stehen die Gesundheitsämter „womöglich vor einer so großen Belastung wie nie zuvor“. Sie fährt gegenüber dem RND fort, dass die dauerhaft angespannte Lage bei den Gesundheitsämtern auch die Personalnot verschärfe.

„Seit Beginn der Pandemie beobachte ich neben der Fluktuation auch eine Flucht des Personals aus den Gesundheitsämtern“, erklärt die Verbandschefin. Daran sei unter anderem auch eine vergleichsweise schlechte Bezahlung schuld. Gesundheitspolitiker Dahmen stimmt zu: „Dass die Mitarbeitenden der Gesundheitsämter auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie noch so schlecht bezahlt werden, ist beschämend für unser Land.“ * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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