Gentrifizierung im Schanzenviertel

Gentrifizierung: Kult-Obststand am Bahnhof Schanze vor dem Aus

  • Christian Einfeldt
    vonChristian Einfeldt
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Erst Corona – dann die Gentrifizierung? Der Kult-Obststand am S-Bahnhof der Sternschanze muss weg. Was dem Händler wirklich zu schaffen macht

Hamburg – Seit 24 Jahren verkauft Mustafa Zeybek bereits Obst und Gemüse am S-Bahnhof der Sternschanze. Er genießt hohes Ansehen im Schanzenviertel und ist vielen Hamburgern bekannt. Dennoch fürchtet er nun um seinen Kult-Obststand in der Hansestadt Hamburg.

Stadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1,841 Millionen (Stand: 2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Geht es nach dem Bezirksamt Altona, soll der 59-Jährige bereits am 19. Mai die Schanze verlassen. Corona-Hilfszahlungen lassen auf sich warten und könnten jetzt sein Aus bedeuten. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, der seine Existenz jetzt aufs Spiel setzt.

Jetzt trifft es den Kult-Obststand: Hamburger Händler muss seinen Platz bis zum 19. Mai räumen.

Schanzenviertel: Kult-Obststand muss bis zum 19. Mai 2021 geräumt werden

Mustafa Zeybek gehört zu den Menschen, denen die Corona-Pandemie am meisten zu schaffen macht. Rund 4000 Euro müsse er dem zuständigen Bezirk Altona an Miete zurückzahlen. Sollte er den Platz bis zum 19. Mai nicht räumen, könnten weitere Kosten hinzukommen. Dann wird der Platz nämlich kostenpflichtig geräumt.

Die Sorge ist immens. Da seit Beginn der Corona-Pandemie immer weniger Menschen den Obststand aufsuchen, steht jetzt seine Existenz auf dem Spiel. Dass auch andere Branchen stark unter Corona leiden, zeigte zuletzt der Tierpark Hagenbeck, der kurz vor der Pleite steht. Um die Verluste aufzufangen, seien dem Hamburger eine finanzielle Corona-Hilfe zugesichert worden. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis er die Mietrückstände tilgen könne. Doch das Bezirksamt Altona zeigt sich gnadenlos.

Hamburg: Wird der Kult-Obststand Opfer der Gentrifizierung des Schanzenviertels?

„Sie geben mir keine Zeit mehr. Ich soll gehen“, fasst Zeybek das dramatische Ende des Kult-Obststandes zusammen. Doch ist der finanzielle Aspekt, der aktuell bei vielen Geschäften bei ihrer Wiederöffnung in Hamburg eine Rolle spielt, etwa nur ein Vorwand, um den beliebten Obststand loswerden zu können?

Dass nämlich nicht nur Mietrückstände ausschlaggebend sind, wurde bereits vor acht Jahren offensichtlich. Auch im Jahr 2013 sollte der Obststand schon weg. Die finanzielle Not hat sich durch die Corona-Pandemie zwar zugespitzt, doch der eigentliche Grund könnte nach wie vor derselbe sein.

Im Zuge der Gentrifizierung, die in der Schanze und auf St. Pauli regelmäßig Hunderte Demonstranten auf die Straße schickt, ist der Obststand wohl nicht mehr schick genug. Sollte der Mustafa Zeybek tatsächlich am Mittwoch, dem 19. Mai, zum letzten Mal sein frisches Obst verkaufen, wäre das für den 59-jährigen Familienvater eine Tragödie – ihm droht die Arbeitslosigkeit. „Ich ernähre mit Einnahmen meine Familien – bestehend aus einer Frau und zwei Kindern“, sagt Zeybek.

Kult-Obststand erhielt am S-Bahnhof der Schanze über zwanzig Jahre eine Sondergenehmigung

Seit mehr als zwanzig Jahren erhielt der Hamburger Obsthändler eine Sondergenehmigung für den Platz am S-Bahnhof der Sternschanze. Aus einem Alternativstandort wurde im Laufe der Zeit der Platz einer wahren Institution des Schanzenviertels, wo auch dieses Jahr die 1. Mai-Demo in Hamburg stattfand. Doch bereits seit Ende März stehen die Zeichen auf Abschied.

Die Erlaubnis zur Flächennutzung wäre ihm nur noch bis zum 31. März gestattet. Auch bei einer Zahlung der ausstehenden Gebühren wäre zum Ende des Jahres Schluss. Die Zeichen verdichten sich, dass die Gentrifizierung der Schanze mit dem Kult-Obststand ihr nächstes Opfer findet. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sebastian Widmann/dpa

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