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Angeblich rechtsradikales Gemälde am Hamburger Hauptbahnhof hängt wieder

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Von: Bona Hyun

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Weil es angeblich rechtsradikal ist, wurde ein Gemälde am Hamburger Hauptbahnhof einfach abgehängt. Jetzt hängt es wieder. Bahn bedauert Kommunikations-Panne.

Update von Montag, 18. Juli 2022, 7:50 Uhr: Nach dem Streit um das Bild der Künstlerin Yohanna Hirschfeld, das am Hauptbahnhof in Hamburg abgehangen wurde, weil es vermeintlich rechtsradikal ist, hängt wieder. Nachdem die Deutsche Bahn das Bild kurz nachdem es zum ersten Mal aufgehängt worden war trotz Genehmigung wieder abhängen ließ, hat es nun seinen Platz am Hauptbahnhof Hamburg wieder.

Den Vorfall, dass das Schild nach der Genehmigung zum Aufhängen vorerst wieder abgehangen wurde, bedauert die Deutsche Bahn – dies teilte ein Sprecher mit. Laut dessen Aussage habe es einen „Fehler in der internen Kommunikationskette“ gegeben. Man habe sich zudem auch bei der Künstlerin Yohana Hirschfeld entschuldigt. Ihr hatte die Bundespolizei zuvor mitgeteilt, dass die Bahn zunächst Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt habe – aus diesem Grund sei das Bild abgehängt worden.

Wirbel um angeblich rechtsradikales Gemälde am Hamburger Hauptbahnhof

Erstmeldung vom 13. Juli 2022:

Hamburg – Künstlern sollten keine Grenzen gesetzt sein – es sei denn, ihre Kreationen sind thematisch so unangebracht, wie das Kunstwerk, das an Nazi-Gewalt erinnert. Dies wurde nun auch einer Hamburger Malerin vorgeworfen, die einen Banner mit einem von ihr bedrucktem Bild aufhing. Gegen Yohana Rahel Hirschfeld wurde anschließend eine Strafanzeige erstattet wegen Sachbeschädigung und Gefahr im Verzug, weil sie ein angeblich rechtsradikales Bild aufhängen ließ.

Deutsche Malerin und Videokünstlerin:Yohana R. Hirschfeld
Schule:Clara-Schumann-Gymnasium in Bonn
Wohnt in:Hamburg-Ottensen

Angeblich rechtsradikales Gemälde am Bahnhof abgehängt – Strafanzeige gegen Künstlerin

Das Banner mit dem Gemälde wurde in der Nacht zu Freitag, 8. Juli, an die Schachtwand des Hamburger Hauptbahnhofs angehängt. Es stammt aus Hirschfelds Graphic Novel „Eine Altonaer Legende“ und wurde im Auftrag der Jüdischen Gemeinde in Hamburg plakatiert. Doch kurz danach war der Banner verschwunden. Dabei habe die Künstlerin einen schriftlichen Vertrag mit der DB Nord über Befestigung des Banners abgeschlossen. Auch die Bundespolizei sei über die Genehmigung der DB informiert gewesen. Warum also gab es so viel Wirbel um das Kunstwerk?

Ein Gemälde am Hamburger Hauptbahnhof der Künstlerin Yohana R. Hirschfeld
Das angeblich rechtsradikale Gemälde von Yohana R. Hirschfeld wurde von der Deutschen Bahn abgenommen. Das Missverständnis sei inzwischen geklärt. © @Yohana R. Hirschfeld

Strafverfahren gegen Künstlerin eingeleitet: Angeblich war das Gemälde rechtsradikal

Dem Abendblatt teilte Hirschfeld mit, dass die Deutsche Bahn zuerst Alarm geschlagen habe: Ein rechtsradikales Plakat, der Banner mit ihrem Gemälde, hänge am Hamburger Hauptbahnhof. Sogar Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundespolizei schritten ein. Das THW-Team habe das aufgehängte Banner entfernt. Gegen die Künstlerin wurde eine Strafanzeige erhoben. Ein Einsatzleiter der Bundespolizei habe Hirschfeld später mitgeteilt, sie sei Beschuldigte im Strafverfahren wegen Sachbeschädigung.

Missverständnis um angeblich rechtsradikales Bild geklärt – Banner wieder aufgehängt

Nachdem sich der Hamburger Antisemitismusbeauftragte eingeschaltet hatte, verkündete die Leitung der Bundespolizei Hirschfeld, das Banner wieder aufzuhängen. Dies soll laut Angaben des Abendblattes in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag geschehen. Der Inspektionsleiter der Bundespolizei bedauere den Vorfall. „Wir haben eine Anzeige geschrieben, die wir schreiben mussten“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei dem Abendblatt. „Es ging ausschließlich um Sachbeschädigung.“ Denn die Deutsche Bahn habe der Bundespolizei erklärt, es gebe keine Genehmigung für das Banner. Auf Anfrage entgegnete die Deutsche Bahn gegenüber dem Abendblatt, es habe schlichtweg einen Fehler in der internen Kommunikation gegeben.

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Künstlerin vermutet Banner wurde abgehängt, weil Deutsche Bahn das Bild nicht mochte

Hirschfeld begründet den Auslöser für die Demontierung des Banners anders. „Das Bild ist ausschließlich für diesen Ort und diese Gelegenheit gemalt worden“, erklärt Hirschfeld dem Abendblatt. „Mein Eindruck ist, dass das Bild sofort aus dem öffentlichen Raum verschwinden musste“. Denn: Das Bild sei nicht rechtsradikal und es wären auch keine rechtsradikalen Symbole zu sehen. Den Verantwortlichen der Deutschen Bahn habe das Bild wohl nicht gefallen.

Viel Wirbel um ein Kunstwerk gab es zuletzt auch in Hamburg, weil in der Mönckebergstraße auf einmal zwölf Affen standen. Während die Affen für Neugier und Interesse sorgten, erhitzte ein Kunstwerk in Bremerhaven die Gemüter und viele Passanten reagierten empört auf die obszöne Statue, die das männliche Geschlechtsteil abbildete. Trotzdem wurde gegen die Künstler kein strafrechtliches Verfahren eingeleitet – ganz im Gegensatz zum Fall Hirschfelds.

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