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Gegen das Erfrieren: Innovative Superanzüge für Hamburgs Obdachlose

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Von: Kevin Goonewardena

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Obdachlose sind vielen Gefahren ausgesetzt. Ein neuer Superanzug könnte Obdachlose nun vor dem Kältetod schützen. Für die 300 Euro-Anzüge sammelt nun eine Initiative.

Hamburg – Vierzehn Obdachlose sind im vergangenen Winter auf Hamburgs Straßen erfroren. Und das, obwohl der Senat einen Rekordetat in Höhe von 13 Millionen Euro aufgewendet hat, um genau das zu verhindern. Doch nicht nur vor der Kälte müssen sich Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, fürchten. Immer wieder werden Obdachlose nicht nur in der Hansestadt Opfer abscheulicher Gewalttaten, in dem sie beispielsweise angezündet werden.

Doch immer wieder kommt es auch zu blutigen Auseinandersetzungen untereinander. Nun will ein Hamburger Unternehmer seinen Teil zum Kälteschutz beitragen und hat zu diesem Zweck eine Initiative zum Ankauf sogenannter Sheltersuits gestartet. Die vielseitigen Super-Anzüge kommen aus Holland - und kosten 300 Euro das Stück.

Anzahl wohnungsloser Menschen in Hamburg:1910 (nach Erhebung 2018)
Anzahl wohnungsloser Menschen in Hamburg:1029 (nach Erhebung 2009)
Wohnungslose mit dt. Staatsangehörigkeit:36 Prozent (2018)
Wohnungslose mit dt. Staatsangehörigkeit:70 Prozent (2009)

Sheltersuits: Innovative Lösungen aus Holland soll Obdachlosen in Hamburg helfen

Die Idee der sogenannten Sheltersuits kam dem niederländischen Modedesigner Bas Timmer im Jahr 2014, als der Vater eines Freundes auf der Straße erfror, nachdem er die Nacht draußen verbringen musste. Timmer erdachte daraufhin das Kleidungsstück, das sowohl als Kleidungsstück getragen, als auch zu einem Schlafsack umfunktioniert werden kann, wie das Abendblatt schreibt.

Ein Obdachloser liegt unter einer Brücke am Hamburger Dammtor.
Müssen in Zukunft obdachlose Menschen auf der Straße schlafen, weil sie wegen nicht ausreichend vorhandener Schnelltests nicht mehr in die Hilfseinrichtungen gehen können? 24hamburg.de hat nachgefragt. © Hanno Bode/imago

Doch nicht nur den Obdachlosen helfen die Anzüge, die auch bei extremen Niedrigtemperaturen warm halten. In die Produktion sind Geflüchtete integriert, neben der Tätigkeit werden ihnen auch Sprachkurse und umfangreiche Sozialleistungen angeboten.

Hamburger Unternehmen gründet Initiative – auch Firmen wie dm und Alnatura im Boot

Wir sind der Meinung, dass man diesen Menschen helfen muss

Dirk Hünerbein, Geschäftsführer und Director Development von Unibail-Rodamco-Westfield

Unibail-Rodamco-Westfield heißt die Firma, kurz URW, in Hamburg baut sie zurzeit das Einkaufszentrum im Überseequartier der HafenCity. 100 Sheltersuits erwarb URW 2021 im Rahmen des Starts ihrer Initiative zur Unterstützung obdachloser Menschen und verteilte sie anschließend an Hilfsorganisationen in ganz Deutschland. Das berichtet das Abendblatt. 20 Sheltersuits verblieben in Hamburg, gingen unter anderem an das CaFée mit Herz und die Caritas. „Viele Wohnungslose trauen sich nicht, in eine Notunterkunft zu gehen. Der Sheltersuit kann kurzfristig gegen die Kälte helfen“, so der URW-Geschäftsführer Dirk Hünerbein gegenüber der Zeitung.

Mittlerweile, weiß die Zeitung, konnte URW auch Firmen wie dien Luxusmodehändler Breuninger, Alnatura oder dm gewinnen. Auch Privatpersonen können sich an der Anschaffung der Sheltersuits beteiligen.

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Sheltersuits gegen die Kälte: Nur kurzfristige Lösung für Obdachlose

Die Coronapandemie hat die Situation für die Obdachlosen weltweit noch verschärft. Und noch mehr Menschen könnten durch die Pandemie in die Obdachlosigkeit rutschen, befürchten Experten. Allen voran gefährdet seien Kinder. Johan Graßdorf, Straßensozialarbeiter der Diakonie, erinnerte gegenüber der Hamburger Zeitung an das eigentliche Ziel der Bekämpfung der Obdachlosigkeit: „Das Ziel ist nicht, den Obdachlosen das Leben auf der Straße so angenehm wie möglich zu machen, sondern sie von der Straße runter zu bekommen“, erklärte er.

Die Sheltersuits seien demnach eine kurzfristige Lösung, aber keine Option für eine dauerhafte Verbesserung der Situation wohnungsloser Bürger und Bürgerinnen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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