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Gaspreise und Strompreise steigen in astronomische Höhen

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Von: Felix Busjaeger

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Für viele Haushalte wird der Gaspreis und der Strompreis zum Jahreswechsel steigen. In der Grundversorgung drohen Mehrkosten von Hunderten Euro pro Jahr.

Heidelberg/München – Es droht ein böses Erwachen für Millionen Menschen in Deutschland: Ab dem kommenden Jahreswechsel werden die Gaspreise und Strompreise kräftig ansteigen*. Pro Haushalt drohen Mehrkosten von mehreren Hunderten Euro im Jahr. Ein Grund für die starken Preisanstiege für Strom und Gas ist der Konjunkturaufschwung nach dem Corona-Schock vor eineinhalb Jahren. Auf einen Musterhaushalt kommt im nächsten Jahr eine Preiserhöhung von durchschnittlich 305 Euro beim Gas und 91 Euro beim Strom zu. Heizen wird damit deutlich teurer*.

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Gaspreise explodieren: Fast vier Millionen Haushalte von der Gaspreiserhöhung betroffen

Wie das Verbraucherportal Verivox in einer Mitteilung bekannt gab, würden die Gaspreise und bundesweit explodieren: Insgesamt 463 regionale Gasversorger hätten in der zweiten Jahreshälfte Preissteigerungen von durchschnittlich 21 Prozent angekündigt oder bereits die Preise erhöht. In der gesamten Bundesrepublik seien etwa 3,9 Millionen Haushalte von den steigenden Kosten betroffen.

„Die Kosten für die Gasheizung erhöhen die Lebenshaltungskosten der Haushalte auch im kommenden Jahr deutlich“, sagte Thorsten Storck, Energieexperte bei dem Verbraucherportal. Auch der Anbieter EWE erhöht deutlich seine Preise*.

Gaspreis in Deutschland: Mehrkosten von etwa 300 Euro pro Haushalt erwartet

Der steigende CO₂-Preis, höherer Netzgebühren und historisch hohe Großhandelspreise würden derzeit die meisten Anbieter dazu zwingen, ihre Gaspreise zu erhöhen*, erklärte Storck. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeute dies Mehrausgaben von 305 Euro im Jahr.

Die Experten von Check24 kommen sogar noch auf einen höheren Gaspreis und erwarten eine Mehrbelastung von im Schnitt 324 Euro. „Daran ist nicht zuletzt die steigende CO₂-Abgabe schuld, andererseits geben die Versorger gestiegene Einkaufskosten an die Kunden weiter“, so Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24.

Euro-Scheine liegen neben einer Gasflamme auf einem Küchenherd.
Die Gaspreise steigen: Kochen und Heizen wird in einigen Haushalten bald teurer. © Patrick Pleul/picture alliance/dpa

Die CO₂-Abgabe auf fossile Brennstoffe steigt zum Jahreswechsel 2021/2022 von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne deutlich an. Nach Angaben von Verivox zahlte ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh im Jahr 2021 dafür ungefähr 108 Euro, künftig könnten dann 130 Euro für die Gasrechnung fällig sein. Aber auch ohne die steigende Abgabe befindet sich der Gaspreis aktuell auf einem Rekordhoch*: Grund dafür sind viele Gasspeicher in Europa, die derzeit deutlich leerer* sind als sonst zu dieser Jahreszeit. Gleichzeitig stieg die Nachfrage in den vergangenen Monaten stark an.

Gaspreis-Explosion: Globaler Gasmarkt ist ausgelastet

Besonders in Asien gebe es derzeit einen erhöhten Bedarf, erklärte Eren Çam vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln die Gaspreis-Explosion. „Es gibt eine gewisse Knappheit, das treibt die Preise“, so der Experte. Für die leeren Speicher sieht er besonders zwei Entwicklungen verantwortlich: In Lateinamerika wird mehr Gas als gewöhnlich für die Stromgewinnung genutzt. Ein großer Teil der amerikanischen Flüssiggasexporte würden dorthin gehen, sodass für Europa weniger verfügbar ist. Russland hätte zudem nur seine vertraglich festgelegten Mengen an Gas geliefert.

Wie aus Informationen der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht, erfasst die Bundesnetzagentur derzeit 684 Gasversorgungsunternehmen, die die Haushalte in Deutschland beliefern. Nach Angaben der Behörde würden noch rund 17 Prozent aller Haushalte eine Grundversorgung beziehen. Sie haben also weder den Lieferanten gewechselt noch beim örtlichen Grundversorger einen Tarifwechsel vorgenommen.

Stromtarif: Vergleichsportale sehen keine Entlastungen für Verbraucher

Aber nicht nur der Gaspreis steigt, sondern auch der Strompreis. Wie Verivox und Check24 berichten, ist auch hier für die Verbraucher keine Entlastung in Sicht. „Deutschland bleibt wohl auch im kommenden Jahr Strompreisweltmeister. Die EEG-Umlage sinkt zwar deutlich, doch steigende Netzgebühren und hohe Beschaffungskosten sorgen weiterhin für Preisdruck“, sagt Storck. Nirgendwo sonst auf der Welt ist der Strompreis so hoch wie in Deutschland.

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Laut Verivox hätten seit der zweiten Jahreshälfte 194 regionale Stromversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 7 Prozent angekündigt. Bei einem Jahresdurchschnittsverbrauch von 4000 kWh bedeutet das eine Steigerung beim Gaspreis um 91 Euro. Insgesamt sind 1,5 Millionen Haushalte von den Erhöhungen betroffen. Aber nicht alle Anbieter erhöhen die Preise: 22 regionale Versorger senken den Strompreis um durchschnittlich 2,4 Prozent. Dadurch könnten etwa 900.000 Haushalte ungefähr 31 Euro sparen.

Strompreise 2022: Steigende Kosten durch diverse Gründe – Inflation, steigender Gaspreis und hohe Stromnachfrage

Der Grund für die Anstiege beim Strompreis 2022 sind laut Check24 divers: die steigenden Preise für Erdgas, Steinkohle sowie CO₂-Emissionszertifikate, die steigende Nachfrage nach Strom, dazu kommen geringere Erzeugungskapazitäten aufgrund des Steinkohleausstiegs und natürlich die Auswirkungen der Inflation*. Mit einer anderen Datengrundlage kommt das Vergleichsportal auf 94 Grundversorger, die die Strompreise erhöhen und elf Versorger, die die Preise senken. Grund

Verbraucherzentrale warnt vor drastischen Preiserhöhungen: Beim Strompreisvergleich auf frühestmögliche Kündigung achten

Die Versorger hatten bis zum vergangenen Samstag, 20. November 2021, Zeit, um ihre Kunden auf die geplanten Erhöhungen beim Strompreis und Gaspreis aufmerksam zu machen*. „Der Energiemarkt steht Kopf, und bei vielen Verbrauchern landen drastische Preiserhöhungen im Briefkasten oder Maileingang“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Udo Sieverding, der Deutschen Presse-Agentur. „In diesem Jahr sollten Verbraucher daher besonders aufmerksam die Post des Energieversorgers lesen und reagieren.“

Wichtig sei es dann, Preise zu vergleichen. Mit Blick auf die gängigen Vergleichsportale macht der Experte aber auch auf die außergewöhnliche Situation aufmerksam: „Denn auf den vorderen Plätzen sind keine Schnäppchen mehr zu finden, sondern bestenfalls Übergangstarife, um noch Schlimmeres zu verhindern.“ Er empfiehlt daher, dass Kunden auf kurze Vertragslaufzeiten achten und eine frühestmögliche Kündigung im Kopf behalten sollten. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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