Keine Abschiedsfeier

Galeria Kaufhof Insolvenz: Alle Läden in Hamburg geschlossen

  • Johanna Ristau
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  • Christian Domke Seidel
    Christian Domke Seidel
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Die Kaufhof-Filiale im denkmalgeschützten Gebäude an der Mönckebergstraße 3 in der Hamburger Innenstadt schließt am Samstag, 17. Oktober 2020, ein für alle Mal ihre Pforten. Das Insolvenzverfahren ist zu Ende.

  • Hamburg*: Galeria Kaufhof Mönckebergstraße* schließt.
  • Filialen in Wandsbek und Harburg können gerettet werden.
  • Amtsgericht Essen beendet Insolvenzverfahren.

Update vom Freitag, 16. Oktober 2020, 9 Uhr: Die letzten Stunden sind gezählt für treue Kunden der Galeria Kaufhof in der Mönckebergstraße mitten in der Hamburger City! Das Traditionskaufhaus nahe Hamburger Hauptbahnhof* schließt nach 53 Jahren ein für alle Mal die Tore.

UnternehmenGaleria Kaufhof
CEOStephan Fandert (Dez 2018-)
GründerLeonhard Tietz
Gründung1879, Stralsund
DachorganisationSigna Holding
HauptsitzKöln
TochterunternehmenSportCheck, Dinea Gastronomie, Karstadt Feinkost

Eine Mitarbeiterin, die 18 Jahre in dem denkmalgeschützten Gebäude für Galeria Kaufhof Ware verkauft hat, zu 24hamburg.de: „Ich habe schon einen neuen Job, aber es ist natürlich hart nach so viel Arbeit jetzt gehen zu müssen. Viele von uns stehen vor dem Nichts und haben noch keine neue Stelle in Aussicht.“ Eine Abschiedsfeier oder eine vergleichbare Würdigung für das Personal gebe es laut der engagierten Mittfünfzigerin nicht.

Bei den Kaufhof-Mitarbeiter*innen in Hamburg kochen die Emotionen hoch. Vielen droht die Arbeitslosigkeit.

„Wir gehen heute Abend intern mit unserem Abteilungsleiter essen“, sagt sie. Zuletzt hatten sich Kunden der Galeria Kaufhof in der Mönckebergstraße um die Restbestände zu Niedrigpreisen (alles bis zu 70 Prozent reduziert) beinahe gekloppt (mehr Infos unten). Das unmögliche Verhalten stellte die ohnehin schon angeschlagenen Mitarbeiter auf ihre letzten Tage auf eine harte Probe. Bleibt zu hoffen, dass das Galeria-Kaufhof-Personal schon bald in neuen Aufgaben an anderer Stelle aufgehen wird.

Karstadt-Filialen in Hamburg gerettet – aber: nur 143 Mitarbeiter behalten ihren Job

Update vom Mittwoch, 30. September 2020, 13:15 Uhr: Hamburg – Es gibt wieder Hoffnungen für die Warenhäuser des Konzern Galeria Karstadt Kaufhof. Wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) vermeldet, hat das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren beendet. Das beträfe auch die Tochterunternehmen Karstadt Sport, Karstadt Feinkost, Le Buffet und Dinea. Die Unternehmensführung habe einen Insolvenzplan ausgearbeitet, der die Schließung von mehr als 40 Warenhäusern vorsieht. Die Gläubiger haben zugestimmt. In Hamburg allerdings konnten zwei Filialen gerettet werden.

Insolvenzverfahren bei Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof beendet

Die Karstadt-Filiale in Hamburg-Wandsbek bleibt den Kunden und Mitarbeitern erhalten. Das sei vor allem einem neuen Mietvertrag zu verdanken. „Wir haben signifikante Zugeständnisse bei den Mietkonditionen gemacht, Galeria Karstadt Kaufhof wiederum hat eine geringere Laufzeit des Mietvertrages akzeptiert. Damit halten wir den wichtigen Mieter in unserem Objekt und sichern uns eine verlässliche Planungsperspektive für die anschließende Umgestaltung und Nachnutzung dieses erstklassigen Gebäudes“, erklärte Jörn Stobbe von der Union Investment Real Estate gegenüber der Mopo.

Zwei Filialen des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof in Hamburg können gerettet werden. (24hamburg.de-Montage)

Zwei Karstadt-Filialen in Hamburg mit 143 Arbeitsplätzen gerettet

Hintergrund ist, dass der Mietvertrag um 3,5 Jahre bis zum 30. April 2024 habe verlängert werden können. Damit konnten die Arbeitsplätze von rund 120 Mitarbeitern gerettet werden. Diese seien für die nächsten Jahre gesichert, verspricht Betriebsratsvorsitzende Mark-Oliver Thöne. Auch die Filiale Karstadt Sport in Hamburg-Harburg soll erhalten werden, berichtet der NDR. Dort arbeiten 23 Angestellte. Die Unternehmensführung habe sie bereits über die Rettung des Geschäfts informiert.

Hamburg: Galeria Kaufhof Mönckebergstraße schließt für immer – Kunden im Kaufrausch um Billig-Textilien

Erstmeldung vom Freitag, 18. September, 13:21 Uhr: Hamburg – Eine Ära geht zu Ende – mal wieder. Das fusionierte Unternehmen Karstadt-Kaufhof schließt 50 von insgesamt 172 Warenhäusern in Deutschland. In Hamburg sind davon sieben Stores betroffen. Neben den Kaufhof-Filialen in Wandsbek und Bergedorf macht bald auch der Kaufhof in der Mönckebergstraße 3, mitten in der City, dicht.

Kaufhaus in Hamburg:Galeria Kaufhof Hamburg Mönckebergstraße 3
Adresse: Mönckebergstraße 3, 20095 Hamburg
Öffnungszeiten:Montag-Samstag: 10 bis 20 Uhr
Telefon: 040 333070

Kunden haben nun einen kurzfristigen Grund zur Freude. Denn alles muss raus. Artikel werden bis zu 70 Prozent reduziert. Mitarbeiter hingegen stehen extrem unter Druck. Sie müssen sich einen Job suchen. Und die Schnäppchenjagd der Kunden macht ihnen die Arbeit auf die letzten Tage nicht leichter.

Galeria Kaufhof Mönckebergstraße (Hamburg) – Schließung am 17. Oktober, Regale jetzt schon leer

24hamburg.de war vor Ort und hat sich einen Überblick über die Lage verschafft. Mittlerweile befüllen den Laden mehr Rabatt- und „Alles muss raus“-Schilder als Artikel. Die Regale: komplett leer gefegt. Es gibt kaum noch Schnäppchen zu holen. Schmuck, Parfum, Kosmetik ist nur noch in Restbeständen vorhanden. Was am Ende übrig bleibt, wird an einen Abnehmer weiterverkauft.

Die traurigen Statements der Kaufhof-Mitarbeiter auf der Mönckebergstraße in der Hamburger Innenstadt.

Am 17. Oktober 2020 ist der letzte Verkaufstag. Danach räumen die Mitarbeiter der Kaufhof-Filiale, die seit 53 Jahren an der Mönckebergstraße betrieben wird, alles leer. Doch wie motivieren Kaufhof-Mitarbeiter sich überhaupt noch, auf ihre letzten Tage zur Arbeit zu kommen? Ines Reinhard, Betriebsratsvorsitzende, erklärt der „Mopo“, es sei vor allem die Kollegialität, die die Verkäufer*innen antreibt, weiterhin auf der Arbeit zu erscheinen. Niemand wolle seine Kollegen hängen lassen.

Kaufhof Mönckebergstraße schließt: Hamburger Kunden pöbeln für noch mehr Rabatte

Besonders begehrt bei gierigen Kunden seien derzeit Haushalts- und Spielwaren und Parfum. Teilweise ende der Rabattrausch der Kunden sogar in Pöbelei. Ines Reinhard zur „Mopo“: „Einige Kunden haben seit Beginn des Abverkaufs den Respekt vor den Mitarbeitern und der Ware verloren.

Als der Räumungsverkauf losging, haben Mitarbeiter noch liebevolle, mitfühlende und tröstende Worte von den Kunden gehört. Mittlerweile sei das anders. An den Kassen wird gepöbelt und nach noch mehr Rabatten verlangt. Einige Kunden sollen Mitarbeiter an den Kassen sogar anschreien, warum es nicht noch mehr Prozente gibt. Erst vor kurzem soll eine Kundin auf eine andere losgegangen sein, weil sie das Kleidungsstück zuerst gesehen hätte.

Hamburg: Galeria Kaufhof Mönckebergstraße macht dicht, Mitarbeiter psychisch und körperlich am Limit

Betriebsratsvorsitzende Ines Reinhard bringt die prekäre Situation auf den Punkt: „Das Benehmen einiger Kunden, die Angst um den Job, das Arbeitsvolumen so heftig wie in der Vorweihnachtszeit – viele Kollegen können nicht mehr.“ In der Kaufhof-Filiale in der Mönckebergstraße arbeiten rund 200 Mitarbeiter. Auf Schildern, die sie auf die Schaufensterscheiben geklebt haben, demonstrieren sie ihren Unmut: „200 Jobs fallen weg“, „Mit uns stirbt ein Stück Einzelhandel“ und „Wir werden unsere Kunden vermissen“ lauten die traurigen letzten Zeilen der Mitarbeiter.

Doch einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es noch für den Kaufhof an der „Mö“, wie Ines Reinhard erklärt: „Eigentlich haben wir den Punkt ohne Wiederkehr bereits überschritten. Wir hoffen trotzdem, dass es noch zu einer Einigung kommt und die Filiale nicht geschlossen wird.“ Eigentümer (Württembergische Versicherung) und Galeria Karstadt Kaufhof stünden noch in Verhandlungen. Auch die Hamburger Saunen des Unternehmens Bäderland* haben in der Corona-Zeit gelitten. Jetzt dürfen Saunen aber wieder öffnen, wie 24hamburg.de berichtet.

Hamburg: Kaufhof Mönckebergstraße schließt im Oktober 2020 – wenn kein Wunder passiert

Und der Kaufhof auf der Frankfurter Zeil ist der beste Beweis dafür, dass es auch in schwierigen Zeiten von Online-Shopping und Coronavirus* noch Wunder geben kann. Das Frankfurter Warenhaus sollte eigentlich Ende Oktober 2020 dichtmachen. Doch am Freitag, 11. September 2020, dann die frohe Botschaft. Der Kaufhof ist gerettet – vorerst bis 2025. Einen ähnlichen Fall gab es neulich in München. Fakt ist: Ursprünglich sollten 62 von den insgesamt 172 Warenhäusern in Deutschland schließen. Nach Verhandlungen und Mietnachlässen konnte diese Zahl immerhin auf 50 reduziert werden.

In Hamburg konnte bislang lediglich die Filiale im Alstertal-Einkaufszentrum am Heegbarg 31 gerettet werden, aber vielleicht kann sich ja auch die Filiale an der Mönckebergstraße bald noch über ein Wunder freuen. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.  

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa & Markus Scholz/dpa

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