1. 24hamburg
  2. Hamburg

Globaler Klimastreik – was Fridays for Future fordert

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Globaler Klimastreiktag am 23. September 2022 auch in Hamburg. Fridays for Future sehen Zusammenhang zwischen Klima- und Energiekrise und fordern 100 Milliarden Euro.

Update von Freitag, 23. September 2022, 10:55 Uhr: Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer rechnet trotz der aktuellen Gas- und Energie-Krisenzeit für viele Menschen in Deutschland dennoch mit einer hohen Beteiligung am globalen Klimastreik von Fridays for Future an diesem Freitag. „Wir werden heute auf allen Kontinenten streiken, von der Antarktis bis nach Alaska und Angola. An über 270 Orten in Deutschland werden wir uns den Krisen entgegenstellen, und die Regierung unter Druck setzen“, sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur.

Es seien „schwere Zeiten“ für viele Menschen und es sei nicht leicht, in dieser Phase „aufzustehen und auf die Straße zu kommen“, so Neubauer. Dennoch gehe sie davon aus, dass Menschen in ganz Deutschland dem Aufruf von Fridays for Future folgen werden. Auch in Hamburg, wo die Demo heute um 14 Uhr beginnt.

Demo heute in Hamburg: Globaler Klimastreik in der Hansestadt startet um 14 Uhr

Erstmeldung vom 22. September 2022:

Hamburg – Am 23. September findet der nächste globale Klimastreik statt – Straßensperrungen und Route stehen fest, es gibt bereits die ersten Staus. Vor ziemlich genau vier Jahren, am 20. August 2018, positionierte sich die damals 15-jährige Schülerin Greta Thunberg erstmals öffentlich gegen den Klimawandel. Sie blieb nach Ende der Sommerferien dem Unterricht fern, protestierte stattdessen mit einem Schild „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik für das Klima) vor dem schwedischen Parlament in Stockholm. Der fortan tägliche Schulstreik, dem sich immer mehr Kinder und Jugendliche anschlossen, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer globalen Protestbewegung, die unter dem Namen „Fridays for Future“ (FFF) formierte und schnell Zulauf fand.

Name:Fridays for Future
Aktivitätsfeld:Klima- und Umweltschutz
Erstmals aktiv:2018
Bekannte Aktivisten:Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Carla Reemtsma

Globaler Klimastreik am 23. September – so macht Fridays For Future auch in Hamburg mobil

Bereits im Februar 2019 nahmen in Deutschland 30.000 Demonstrierende an einem ersten Aktionstag teil, später wurden es nach Angaben der Veranstalter hunderttausende Demonstranten. Der wöchentliche Streik-Rhythmus konnte hierzulande zwar irgendwann nicht mehr aufrechterhalten werden und die Coronapandemie sorgte ihrerseits für ein Pausieren der Proteste. Geschichte ist die Bewegung allerdings nicht. Für den 23. September 2022 ist bereits der nächste globale Protesttag der Bewegung geplant. Auch in Hamburg wird es eine Demonstration anlässlich des globalen Klimastreiks geben.

Mobil machen zu dem weltweiten Aktionstag am 23. September 2022 in Deutschland auch Amnesty International, Greenpeace, das globalisierungskritische Netzwerk attac, der NABU oder die Naturfreunde Jugend. Der Klimaprotest richtet sich in diesem Jahr in Deutschland auch gegen den Umgang mit der Energiekrise.

Die Angst vor den Nebenkostenabrechnungen ist eine direkte Konsequenz einer Politik, die sich zu lange geweigert hat, echte Energieunabhängigkeit auf Basis erneuerbarer Energien herzustellen.

Luisa Neubauer, Sprecherin Fridays for Future

Fridays for Future „Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit werden gegeneinander ausgespielt.“

In dem Aufruf kritisieren die Organisatoren die bisherige Energiepolitik, es räche sich, „wie massiv die letzten Regierungen die Energiewende verschleppt und uns abhängig von russischen Energieimporten gemacht“ haben, heißt es dort. Statt jetzt voll auf erneuerbare Energien zu setzen, würden sich „Teile von Regierung und Opposition für die alten Klima-Killer: Fracking, Kohle- und Atomkraft“ einsetzen, mit denen das „ausbleibende russische Gas“ ersetzt werden und die Energiepreise eingedämmt werden sollen. 

Dass ein Ausstieg aus klimaschädlichen Energieträgern nicht von heute auf morgen gelingen kann und gerade in der aktuellen Krise jede Kilowattstunde gebraucht wird, wissen auch die Umweltschutzaktivisten. Gerade um schnellstmöglich Alternativen zu schaffen, wollen sie aufs Tempo drücken – und fordern mehr Geld.

Fridays for Future: Sondervermögen von 100 Milliarden für den Klimaschutz gefordert

Angelehnt an das Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro, das Bundesfinanzminister Christian Lindner der Bundeswehr zur Verfügung stellen wird, forderte Fridays for Future-Sprecherin Luisa Naubauer in der vergangenen Woche 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz.

Mit dem Geld soll der Kampf gegen den Klimawandel beschleunigt und gleichzeitig die Energiekrise bekämpft werden – denn die Fridays for Future-Aktivisten sehen bei beiden Krisen die gleichen Wurzeln. Nämlich, die über Jahre manifestierte Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Unterstützung bekommt ihre Forderung aus der Wissenschaft und Wirtschaft. Prominentester Unterstützer: Der Präsident des Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Professor Marcel Fratscher.

Fridays for Future: Das soll mit den 100 Milliarden geschehen

„Bei der militärischen Sicherheit hat es geklappt“, sagt Fridays-Sprecherin Annika Rittmann zum 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die Aktivisten für den Klimaschutz fordern, „jetzt ist die soziale Sicherheit dran.“ Verwendet werden soll das Geld, um Klimaschutzmaßnahmen zu finanzieren, die Infrastruktur umzubauen und bei der Energie-, Verkehrs- und Wärmewende schneller als bisher voranzukommen. Außerdem soll das Geld ermöglichen, dass Deutschland zukünftig autonom über Energieressourcen verfügt und somit weniger abhängig von anderen Staaten wird.

Hätten wir das schon vor zehn, zwanzig Jahren gemacht, hätten wir heute nicht so viele Krisen.

Professor Marcel Fratscher, Präsident des Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Auch Fort- und Weiterbildungsprogramme, berichtet etwa tagesschau.de, seien mit dem Geld geplant. „Das wäre eine gute Wirtschaftspolitik“, so Marcel Fratzscher. „Bei den bisherigen Entlastungspaketen der Regierung ist die langfristige Transformation der blinde Fleck.“

Eine riesige Menschenmenge ist auf Hamburgs Straßen bei der Fridays for Future Demonstration unterwegs
Greta Thunberg nimmt an der Fridays for Future Demonstration am 21.02.2020 in Hamburg teil. (Archivbild). © Peter Hartenfelser/imago

Fridays for Future: Längere Laufzeiten nicht kategorisch abgelehnt

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, lehnt Luisa Neubauer längere Laufzeiten für Atomkraftwerke jedoch keineswegs ab. „Im allerschlimmsten Fall wird man die Atomenergie jetzt vielleicht noch nutzen müssen“, sagte der deutsche Kopf der Bewegung im Gespräch mit dem Netzwerk. Man müsse die Verlängerung von Laufzeiten von zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke hierzulande „an den Ansprüchen der Gegenwart messen und nicht an den Ansprüchen der 1980er-Jahre“, so Neubauer. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte Anfang des Monats angekündigt, zwei deutsche AKWs vorerst als Notreserve einzusetzen.

Auch interessant

Kommentare