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Peinlich: Orchester strandet am Flughafen Hamburg – „noch nie erlebt“

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Von: Kevin Goonewardena

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Am späten Abend dürfen am Flughafen Hamburg keine Flieger mehr starten. Diese Erfahrung musste nun unfreiwillig ein berühmtes Orchester machen. Der Schaden ist groß.

Hamburg – In der jüngeren Vergangenheit ist es am Hamburger Airport immer wieder zu Problemen bei den Sicherheitskontrollen gekommen. Erst zum Start der Pfingstferien hatten diese erneut zu Wartezeiten von mehr als 2 Stunden geführt. Viele Passagiere sind seit langem genervt. Nun erwischte es das Orchester des weltberühmten Mailänder Opernhauses Scala. Über 100 Musiker und Musikerinnen mussten schließlich eine weitere Nacht in Hamburg verbringen – nachdem sie nach der aufwendigen Sicherheitskontrolle teilweise schon im Flugzeug gesessen hatten. Der Imageschaden für die Stadt ist groß. Der Flughafen Hamburg versucht sich an einer Erklärung.

Name:Flughafen Hamburg / Hamburg Airport Helmut Schmidt
Adresse:Flughafenstr. 1-3, 22335 Hamburg
Internationaler Flughafencode:HAM
Anzahl Passagiere (2021):rund 5,3 Millionen
Anzahl Passagiere (2019, vor Corona):rund 17,3 Millionen

Flughafen Hamburg: Auch Mailänder Orchester hat Probleme bei den Sicherheitskontrollen

Der Vorfall, über den jetzt das Hamburger Abendblatt berichtet, ereignete sich bereits am Abend des 18. Mai nach einem Konzert des Orchesters „Filarmonica della Scala“ in der Hamburger Elbphilharmonie. Am Flughafen angekommen, so schreibt es der Veranstalter Burkhard Glashoff an den Chef des Hamburger Flughafens, Michael Eggenschwiler, habe es eineinhalb Stunden gedauert, bis alle 110 Musiker und Musikerinnen die Sicherheitskontrollen passiert hätten. Einzeln sei nicht nur jedes Gepäckstück, sondern auch jeder Instrumentenkoffer geöffnet worden. In ihrer jahrzehntelangen Karriere, die, die Musiker, um die ganze Welt führte, hätten sie solche Kontrollen noch nie erlebt, so Glashoff weiter. Doch damit noch nicht genug.

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Wegen Nachtflugverbot: Musiker müssen Flugzeug wieder verlassen

Denn als die Musiker endlich vollständig in der Chartermaschine Platz genommen hätten und die Gepäckstücke verstaut gewesen seien, sei es bereits 22:45 Uhr gewesen. Die Kontrolle der Boardkarten habe dann noch mal eine Viertelstunde gedauert, heißt es weiter. Um 23:02 Uhr habe der Pilot dann den Tower um die Starterlaubnis gebeten, zu diesem Zeitpunkt liefen die Turbinen der Maschine schon warm. Zwei Minuten zu spät. Und so machten die Musiker schließlich bittere Erfahrung mit dem in Fuhlsbüttel herrschenden Nachtflugverbot – der gesamte Tross musste nach den stundenlangen Strapazen schlussendlich das Flugzeug wieder verlassen. Unbetreut waren die Musiker anschließend in der Abflughalle des Hamburger Airports sich selbst überlassen.

Neben dem unmittelbaren massiven finanziellen Schaden entstehen für die Musikstadt Hamburg durch solche Vorkommnisse erhebliche Reputationsschäden.

Konzertveranstalter Burkhard Glashoff

Flughafen Hamburg: Kein Passagiermanager nach 23:00 Uhr – keine Kenntnisse über Fluggäste

Flughafen-Sprecherin Katja Bromm bestätigte gegenüber der Zeitung den Vorfall. Wegen des Nachtflugverbots habe die Maschine nicht starten können; dass die Passagiere anschließend unbetreut in der Ankunftshalle ausharren mussten, läge daran, dass nach 23.00 Uhr kein Passagiermanager mehr im Dienst sei.

Wie viele Passagiere in den Maschinen sitzen würden, die nicht mehr abfliegen können und um wen es sich handelt, darüber habe man aus Datenschutzgründen keine Informationen. Auf die langen und ausgiebigen Sicherheitskontrollen ging Bromm nicht ein. Dafür, so die Sprecherin, sei die Bundespolizei verantwortlich. Diese beauftragt mit der Durchführung das Unternehmen FraSec. Der Regionalchef der Frankfurter Firma musste kürzlich einräumen, dass es an Personal fehle und es insbesondere in Zeiten mit hohen Passagieraufkommen – etwa in den Ferien – zu langen Wartezeiten komme. Immer wieder kommt es am Hamburger Flughafen zu chaotischen Zuständen am Gate infolge von stundenlangen Wartezeiten. Die Bundespolizei kündigte bereits an, die Möglichkeit einer Vertragsstrafe gegen den Dienstleister zu prüfen.

Hamburg Airport bei Nacht.
Ab 23 Uhr gilt in Hamburg ein Nachtflugverbot. © pfeifer / Imago

Bundespolizei verweist auf empfohlene Ankunftszeit am Terminal

Auch die Bundespolizei äußerte sich am Wochenende zu dem Vorfall. Auf Nachfrage der Zeitung teilte ein Sprecher mit, dass die Musiker zwischen 21:30 und 22:00 Uhr am Sicherheitsbereich eingetroffen seien, die letzten hätten den Bereich um 22:30 Uhr passiert. Die Zeiten seien durch die Videoüberwachung belegt. Der Sprecher verwies darauf, dass der Flughafen eine Ankunft 2 Stunden vor Abflug empfehle. Doch wie soll eine solche nach einer Abendveranstaltung möglich sein, wenn ab 23:00 Uhr das Nachtflugverbot greift?

Gestrandetes Mailänder Orchester: 20.000 Euro Schaden und riesiger Imageverlust für die Stadt

Konzertveranstalter Glashoff bezifferte den Schaden, der durch die unfreiwillige weitere Nacht in Hamburg entstanden ist, auf etwa 20.000 Euro, die unter anderem für Unterbringung und Transport des 110 Männer und Frauen umfassenden Orchesters entstanden ist. Der Imageschaden für die Stadt sei nicht zu beziffern. „Die weitere Stärkung des Standortes als feste Tourneedestination auf Gastspielreisen der bedeutendsten Klangkörper der Welt leidet darunter“, so Glashoff. Auch mehrere italenische Medien hatten über den Vorfall am Hamburger Flughafen berichtet. Der Flughafen werde in jedem Fall, so Sprecherin Katja Bromm, auf den Brief des Veranstalters antworten.

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