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Hamburg bringt Flüchtlinge im Herbst in Zelten unter – keine Alternativen?

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Von: Kevin Goonewardena

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Die Bilder gleichen 2015: In Hamburg werden Flüchtlinge wieder in Zelten untergebracht. Es fehlt an geeigneten Immobilien. Die Pläne für den Herbst.

Hamburg – Die Bilder von Flüchtlingen in Zelten sind nicht neu. Und mit ihnen auch das Problem nicht. Denn das ist ebenso längst bekannt: Wie schon in einem Pressegespräch des Hamburger Senats Anfang September 2022 angekündigt wurde, greift die Stadt Hamburg für die Unterbringung von Flüchtlingen nun auf eine Option zurück, die vielmehr der Not geschuldet ist, als eine echte Alternative darstellt: Mitten im Herbst werden Flüchtlinge in Hamburg wieder in Zelten untergebracht. Etwa in der Schlachthofstraße im Hamburger Stadtteil Harburg.

Versorgt werden die Flüchtlinge, unter denen nicht nur Ukrainer, sondern auch viele Menschen aus Syrien oder aber Afghanistan sind, vom Deutschen Roten Kreuz. Das Vorgehen der Verantwortlichen in Harburg ist kein Einzelfall: In Hamburg fehlt es überall an Unterkünften, um dem Zuzug der Schutzsuchenden gerecht werden zu können.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755 km²
Bevölkerung:etwa 1,9 Millionen
Erwartete Gesamtzahl an Schutzsuchenden bis Herbst:etwa 50.000

Geflüchtete in Hamburg: Insgesamt bis zu 50.000 Flüchtlinge bis zum Herbst 2022

Denn immer noch erreichen etwa 60 bis 100 Flüchtlinge täglich die Hansestadt auf der Suche nach Schutz. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Der Hamburger Senat rechnet mit insgesamt rund 50.000 Menschen bis zum Herbst, aktuell seien etwa 43.000 Flüchtlinge durch die hanseatischen Behörden registriert worden. Da die Kapazitäten für Flüchtlinge in Hamburg bereits zu 98 Prozent ausgelastet sind, reichen die bestehenden Unterbringungsmöglichkeiten bei dem weiterhin großen Zustrom nicht aus. Dazu kommt, dass es dem Hamburger Senat an Immobilien mangelt, die als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet werden könnten.

Die Situation ist weiterhin und unverändert angespannt.

Daniel Schaefer, Sprecher der Behörde für Inneres und Sport in Hamburg

Sowohl die Innenbehörde von Innensenator Andy Grote (SPD), als auch das Haus von Sozialsenatorin Melanie Leonhard (ebenfalls SPD) hatten deswegen bei dem eingangs angesprochenen Pressegespräch eine Unterbringung der Flüchtlinge in Zelten gar nicht erst ausgeschlossen. Bereits im März 2022 entstand eine Zeltanlage auf dem Parkplatz des Volksparkstadions, die mittlerweile ausgelastet ist. Der Senat will diese Unterbringungsoptionen dennoch weiterhin als vorläufig verstanden wissen. Dauerhaft müssten und sollten die Flüchtlinge in Hamburg im Herbst beim entsprechend der Jahreszeit zu erwartenden Wettern mit niedrigen Temperaturen nicht in den Zelten leben. Das Ziel sei, so heißt es, die Schutzsuchenden schnellstmöglich in feste Unterkünfte verschieben zu können.

Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Frego-Großmarktes in Hamburg-Harburg
In Hamburg-Harburg werden Flüchtlinge wieder in Zelten untergebracht, da die Kapazitäten in den Unterkünften nicht ausreichen. © Kevin Goonewardena

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Flüchtlinge in Hamburg: Kaum Folgeunterkünfte – also auch kein Abbau von Zelt-Städten

Doch da es keine ausreichenden Folgeunterkünfte gibt, verlassen zu wenig Menschen die als Provisorium gedachten Zeltunterkünfte, weswegen diese schlussendlich nicht abgebaut werden können. „Das Problem ist, dass wir kaum Personen haben, die die Unterkunft verlassen, weil es auch keine Folgeunterkünfte in ausreichendem Maß gibt“, konstatiert dann auch ein Mitarbeiter des DRK gegenüber dem Hamburger Abendblatt. „Bis dahin reizen wir jeden Meter aus, den wir in der Halle zur Verfügung haben“, heißt es weiter.

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Hamburger Senat: Auch Containerdörfer werden wieder errichtet – Flüchtlinge in Turnhallen?

Nicht nur die Unterbringung in Zelten verfolgt der Senat aus Mangel an festen Gebäuden. Auf dem Schwarzenberg-Platz in Heimfeld, ebenfalls im Bezirk Harburg, wird die Verwaltung in zwei Bauabschnitten eine Containerunterkunft für zuerst 350, später 600 Menschen errichten lassen. Bezugsfertig soll die Anlage Anfang Februar 2023 sein.

Und auch die Unterbringung in Sporthallen, wie etwa im niedersächsischen Maschen vor den Toren der Stadt Hamburg, ist eine Überlegung. Der Senat, so schreibt das Hamburger Abendblatt, wolle aber – auch weil niemand sagen könne, wie lange der hohe Flüchtlingszustrom anhält – eine Blockierung von Turnhallen für den Vereins- und Schulsport über einen längeren Zeitraum möglichst lange hinausschieben.

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