Corona-Maßnahmen

Fieser Beamter knöpft Rentner-Paar 357 Euro ab – weil kranke Frau zum Klo musste

  • Natalie-Margaux Rahimi
    VonNatalie-Margaux Rahimi
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Weil seine schwerbehinderte Frau dringend auf Toilette musste, hat Werner Braune den Zettel zur Kontaktnachverfolgung nicht komplett ausgefüllt – 357 Euro Strafe!

Hamburg – Vor einiger Zeit sind Werner und Rozalia Braune am Veritaskai in Hamburg unterwegs. Dann muss die zu 100 Prozent schwerbehinderte Frau dringend zur Toilette. Weil sie keine 30 Meter mehr ohne Stock zurücklegen kann, muss ihr Mann helfen. In der Eile füllt Werner Braune den Zettel zur Kontaktnachverfolgung, der laut der Corona-Maßnahmen verpflichtend ist, nicht komplett aus. Als das Rentner-Paar aus der Toilette zurückkehrt, folgt der Schock: Ein Beamter des Ordnungsamtes bemängelt den Zettel. Vier Monate später trudelt dann der Bußgeldbescheid bei Familie Braune ein: 357 Euro Strafe!

Stadt in Deutschland:Hamburg
Einwohner:1,841 Millionen (2019) Eurostat
Fläche:755,2 km²
Vorwahl:040

Ordnungsamt schickt Bußgeldbescheid in Höhe von 357 Euro an schwer kranke Frau – vollständige Daten lagen mehrfach vor

Zuerst hatte die BILD über den Vorfall berichtet. Werner und Rozalia Braune sollen für den unvollständigen Zettel zur Kontaktnachverfolgung jeweils 178,50 Euro bezahlen. Für den Rentner ein herber Schlag: „Wir haben so viele Sorgen, ich pflege meine Frau rund um die Uhr – jetzt kommt auch noch Geldnot dazu“, erklärt er in der BILD-Zeitung.

Rentner-Paar soll 357 Euro Strafe zahlen, weil die kranke Frau auf Toilette musste.

Das Schockierende: Die Kontaktdaten von Familie Braune waren in dem Hamburger Lokal „Backhaus Wedemann“ vielfach vorhanden. Immerhin kommen Werner und Rozalia Braune jede Woche mehrfach zum Mittagessen dort vorbei. Sven Harn, vom Backhaus Wedemann, erklärte in der BILD: „Die beiden sind Stammgäste. Anschrift und Telefonnummer waren also mehrfach vorhanden“. Die komplett ausgefüllten Zettel der Braunes hat er sogar jetzt noch im Lokal.

357 Euro Bußgeld für Toilettengang einer schwer kranken Frau – Behörde weist Vorwürfe zurück

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So herzlos kann doch eigentlich nicht einmal das Ordnungsamt sein, oder? Auf Anfrage der Bild schrieb die zuständige Behörde: „Die von Herrn Braune nachträglich mitgeteilten Gründe für ein Fehlverhalten wurden zum Zeitpunkt der Kontrolle ebenfalls nicht vorgebracht und konnten demzufolge bei der Anzeigenerstellung nicht berücksichtigt werden“. Dem allerdings widerspricht Sven Harn vom Backhaus Wedemann explizit: „Klar hat er das gesagt“, meint er in der BILD.

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Ähnlich fies wurde es für einen Senioren kürzlich am Hamburger Flughafen. Obwohl er zuvor online ein Parkticket gebucht hatte, kam es nach dem Urlaub kurz vor dem Ausfahren zum Schock: Knapp 200 Euro für eine Woche parken. Für die Braunes könnte der Fall im Backhaus Wedemann immerhin noch gut ausgehen. Sie können gegen den Bußgeldbescheid noch Einspruch einlegen. Kaum vorstellbar, dass der Bescheid gegen einen entsprechenden Einspruch mit dieser Begründung noch Bestand hätte. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Peters

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