Niemand will Schuld sein!

Fiese Abzocke? Diese Schilder locken Hamburger in die Radar-Falle

  • Kevin Goonewardena
    VonKevin Goonewardena
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In Hamburg werden Autofahrer in eine Tempo 30-Zone geleitet – dort wartet schon ein mobiler Blitzer. Schuld an der falschen Beschilderung will niemand sein.

Hamburg – Was soll denn das? Im Hamburger Westen leitet eine falsche Beschilderung Autofahrer direkt von der Autobahn in eine verkehrsberuhigte Zone, in der nur Tempo 30 erlaubt ist. Das alleine wäre mit Sicherheit schon ungewöhnlich. Doch es kommt noch dicker: Die von der Autobahn abfahrenden Autos werden nicht nur von einer abrupt auftauchenden Tempobeschränkung, sondern auch durch einen mobilen Blitzer der Hamburger Polizei erwartet. Und Schuld daran will niemand sein.

StadtHamburg
Fläche755,2 km²
Bevölkerung1,841 Millionen (Stand: 2019)
BürgermeisterPeter Tschentscher

A25: Autofahrer in Allermöhe landen in Radarfalle eines mobilen Blitzer

Die merkwürdige Situation ergibt sich für Autofahrer in Allermöhe, im Westen Hamburgs. Wer aus Richtung Moorfleet kommend nach Bergedorf unterwegs ist, der wird vor der BAB-Anschlussstelle Neuallermöhe-West auf insgesamt vier Schildern darauf hingewiesen, dass hier abgefahren werden müsse – sofern man nicht bis Geesthacht durchfahren will, das berichtet das Hamburger Abendblatt. Grund dafür sei eine Sperrung der A25 Autobahnabfahrten Nettelnburg, Bergedorf und Curslack.* So weit, so gut. Doch wer der Beschilderung folgt, landet nicht etwa in Bergedorf, sondern in einer Radarfalle.

A25: Statt Bergedorf wartet mobiler Blitzer der Polizei Hamburg

Das passiert, wenn man nach rechts in den Felix-Jud-Ring einbiegt, der etwa der Richtung der Autobahn, die man nun angeblich nicht weiter befahren konnte, entspricht. Nach nicht einmal 100 Metern wartet dort die Tempo 30-Zone und ein mobiler Blitzer der Hamburger Polizei, der das Einhalten der Tempobeschränkung kontrolliert. Kein ungewöhnlicher Vorgang – nur, dass Autofahrer, die über die A25 in Richtung Bergedorf unterwegs sind, hier eigentlich gar nicht hingeleitet werden müssten.

Polizei, Geschwindigkeitskontrolle (Symbolbild)

A25: Werden Autofahrer extra in die Blitzerfalle gelockt und abgezockt?

Denn: Die Arbeiten am Asphalt zwischen den angeblich immer noch gesperrten Autobahnabfahrten Nettelnburg, Bergedorf und Curslack sind nicht nur bereits fertiggestellt, sondern die Zu- und Abfahrten bereits seit vorletzter Woche wieder freigegeben. Die Hinweisschilder auf die Sperrung stehen allerdings immer noch und dürften vor allem nicht-ortsunkundige Autofahrer in die Blitzer-Falle locken. Wurden die Schilder gar extra stehen gelassen?

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Radarfalle in Hamburg: Bund weist Verantwortung und Abzocke-Vorwürfe zurück

Christian Merl, Sprecher der bundeseigenen Autobahn Gesellschaft, die sich unter anderem für Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung und Finanzierung der deutschen Autobahnen und Bundesstraßen verantwortlich zeichnet, nahm auf Anfrage des Hamburger Abendblatts zu den Vorwürfen Stellung:

Nein, nein, nein, da gibt es keinerlei Absprachen mit der Polizei und erst recht keine Beteiligung der Autobahn GmbH an den vereinnahmten Bußgeldern. Wir sind aber sehr dankbar für den Hinweis und werden die irreführenden Schilder schnellstmöglich von der Autobahn entfernen lassen.

Christian Merl, Autobahn GmbH

Ob und wann denn nun der Blitzer verschwindet, wollte die Polizei Hamburg nicht sagen. Sie führt „Gründe der Verkehrssicherheit“ für die fehlende Auskunft zu dieser Thematik an. Die angeblich gesperrten Autobahnabfahrten der A25 Nettelnburg, Bergedorf und Curslack sind wieder nutzbar. Wer in Allermöhe-West aber doch abfährt und rechts in den Felix-Jud-Ring abbiegt: Unter 30 fahren – so können sie sicher sein, nicht abgezockt zu werden! *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa

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