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Ferien im Gesicht: Mit „Schlabberfotos“ gegen das Tabu-Thema Depressionen

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Von: Steffen Maas

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Daniel Budimann Schlabberfoto Photopia 2022 Ausstellung
Einfach mal abschlabbern: In diesem Fall lässt Daniel Budimann, ein Teil des kreativen Brüderpaares, mal selbst die Maske vor der Kamera fallen. Die „Budibros“ hoffen, mit den ungewöhnlichen Fotos auf das Thema der mentalen Gesundheit aufmerksam machen zu können. © Daniel Budimann

Mit ganz besonderen Fotos wollen zwei Brüder auf das Tabu-Thema Depressionen aufmerksam machen. Ihre „Schlabberfotos“ stellen sie bei der Photopia 2022 in Hamburg aus.

Hamburg – „Obskur, unangenehm, seltsam und unglaublich lustig“ – so beschreiben Ian und Daniel Budimann ihre „Schlabberfotos“. Dafür ermutigt das Hamburger Brüderpaar seine Models, einfach mal alle Gesichtszüge entgleiten zu lassen, die Muskeln zu lockern und kräftig den Kopf zu schütteln.

Die kurzen Momente, in denen die Anspannung und Fassaden dann fallen, halten die „Budibros“ mit ihren Kameras fest. Die Bilder, die sie jetzt auch bei der Fotomesse Photopia 2022 in Hamburg ausstellen, sind für sie ein wertvolles Instrument beim Kampf gegen das Tabu-Thema Depressionen.

Name:Photopia 2022
Art:Festival für Profi- und Hobbyfotografen
Datum:Donnerstag, 13. Oktober 2022, bis Sonntag, 16. Oktober 2022
Veranstaltungsort (u.A.):Messehallen Hamburg, Karolinenviertel

Mit Schlabberfotos mehr Aufmerksamkeit für Tabu-Thema Depressionen schaffen: Bilder von hinter der Fassade

Wo die Schnittmenge liegt zwischen einem Foto und Depressionen, wird für die glücklichen Menschen ohne Berührungspunkte mit dieser oder anderen psychischen Erkrankungen vielleicht nicht sofort ersichtlich sein. Doch Betroffene werden wahrscheinlich schon bei dem Stichwort „Fassade“ hellhörig. Zu oft fühlt es sich für depressive Personen an, als würde man sich für den Alltag eine Maske aufsetzen oder eine einstudierte Routine abspielen, um Probleme zu verstecken und möglichst ungestört durch den Tag zu kommen – sich eine Fassade aufbauen also.

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„Depressionen sind real – auch wenn wir sie nicht sehen können“, unterstreichen Ian und Daniel in ihrem Spendenaufruf, der mit der Aktion verbunden ist. Auch, weil die Krankheit „nur fühlbar, nur schwer in Worte zu fassen“ sei. Und weil den Hamburgern die Textsprache für dieses wichtige Thema so schrecklich unkooperativ erscheint, versuchen sie es in ihrem vertrauten Element – der Bildsprache.

Andere schreiben Bücher über Ihre eigenen Erfahrungen mit Depression und mentaler Gesundheit, wir schießen Fotos. Von und mit tollen Menschen, die sich auf diese Idee einlassen.

Ian und Daniel Budimann, die kreativen Köpfe hinter den „Schlabberfotos“

Schlabberfotos auf der Photopia 2022 – für mentale Gesundheit und gegen Schönheitswahn

Bei den Fotos geht es darum, eben hinter diese Fassade des Alltags zu gucken und der Psyche und dem Gesicht für ein paar Momente Urlaub von der steten Anspannung zu geben. „Auf eine komische Art ermöglichen sie wahrscheinlich die ehrlichste Darstellung von einem selbst, ohne irgendwie, irgendwer oder irgendwas sein zu müssen“, versuchen die Brüder in Worte zu fassen, was sie sonst mit einem Knopfdruck festhalten. „Sie sind Abbilder einer anderen Seite von uns. Eine, die sich eben nur beim Schlabbern zeigt. Entgegen eines Schönheitswahns. Ohne Fingerzeig. Für die Schönheit von Ehrlichkeit.“

Durch die Unterstützung der Deutschen Depressionsliga, der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Photopia-Veranstalter haben Ian und Daniel Budimann vom Donnerstag, 13. Oktober 2022, bis Sonntag, 16. Oktober 2022, die Möglichkeit, ihre Schlabberfotos jetzt in einer eigenen Ausstellung zu präsentieren. In Halle A4 können sich Besucher dann selber von der Schönheit der Anti-Schönheitswahn-Fotos überzeugen.

Was ist die Photopia 2022?

Profi- und Hobbyfotografen, Händler, Fotokultur-Fans und „ganz ausdrücklich auch die riesige Zielgruppe der Smartphone-User“ – die Photopia 2022 ist als Veranstaltung und Festival explizit für alle gedacht. „Wir möchten mit diesem neuartigen Format einem breiten Publikum die Faszination von Fotografie, Video und anderen bildgebenden Verfahren nahebringen“, erklärt Bernd Aufderheide, Geschäftsführer der Hamburg Messe und Congress GmbH, das Ziel des viertägigen Events.

Für Profis und Amateure soll es vom 13. bis 16. Oktober auf dem Messegelände zwischen Sternschanze und Dammtor vieles zu sehen, zu lernen und auszuprobieren geben. Das dortige Festivalgelände ist einer von drei Pfeilern der Veranstaltung – genannt „Photopia Summit“. Auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal gibt es reichlich Programm, Konferenzen und Ausstellungen zu erleben.

Doch auch, wer selbst einmal die Hüllen fallen lassen will – zumindest im Gesicht – und die Aktion tatkräftig unterstützen will, der darf sich in Halle A1.101 in die „Schlabberbooth“, den Messestand der „Budimänner“ trauen. Dort gibt es nicht nur die Möglichkeit, sich über verschiedenste Projekte zum Thema Depressionen zu informieren, sondern mit seinem ganz eigenen Schlabberfoto Teil der wichtigen Kampagne von Ian und Daniel Budimann für mehr Aufmerksamkeit für psychische Erkrankungen zu werden.

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