Hohe Infektionsrate

Fakten-Check: Führen Schnelltests zu hohen Corona-Zahlen?

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Schnelltests gegen das Coronavirus: Darauf setzen Deutschland und Hamburg. Doch steigt mit der Testrate auch die Inzidenz? 24hamburg.de hat die Fakten.

Hamburg – Mithilfe von Schnelltests will auch die Hansestadt das Coronavirus in den Griff bekommen. Gerade in Zeiten, in denen der Impfstoff knapp ist und wenigen Menschen überhaupt ein Impfangebot gemacht werden kann, sollen mit Schnelltests Infektionsketten unterbrochen und Ansteckungen möglichst früh erkannt werden. Einige behaupten, dass das massenweise Testen nun ganz logisch dazu führt, dass die Inzidenz-Werte in Hamburg in die Höhe schießen. Stimmt das? 24hamburg.de macht den Faktencheck!

Stadt in Deutschland:Hamburg
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Bekannte Sehenswürdigkeiten:Elbe, Alster, Elbphilharmonie
Fußballvereine:Hamburger SV, FC St. Pauli
Einwohner:1,845 Millionen (30. Juni 2020)

Behauptung: Corona-Schnelltest treiben die Infektionsrate in die Höhe

Seit Wochen steigt die Corona-Inzidenz in Hamburg an. Am 27. März erreichte der Wert sogar einen neuen Höchststand im Monat März. 487 Neuinfektionen binnen 24 Stunden meldete die Gesundheitsbehörde. Die Inzidenz lag bei 144,1 neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Aber warum steigen die Zahlen seit einiger Zeit überhaupt wieder so stark an? Einige behaupten, das läge an der Schnelltest-Offensive des Landes. Seit geraumer Zeit greifen viele Menschen zu sogenannten Selbsttests von Aldi, dm und Co.

Faktencheck: Schnelltests Schuld an hoher Corona-Inzidenz in Hamburg? (24hamburg.de-Montage)

Aber nicht nur das, seit Mitte März können sich alle Hamburger an verschiedenen Standorten der Stadt einmal die Woche kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen. Diese Möglichkeit gab es vorher nicht. Da musste noch jeder selbst die Kosten für einen Test tragen. Nur logisch, dass dadurch viel mehr Tests in Hamburg gemacht werden und wo viel getestet wird, können auch viele Infektionen gefunden werden, so die Behauptung. Und damit könnte die Aussage, dass die Infektionsraten aktuell steigen, falsch sein.

Faktencheck: Corona-Inzidenz in Hamburg – verfälschen Schnelltests das Infektionsgeschehen?

Aber was ist wirklich dran an den Behauptungen? Es stimmt, dass mehr Tests potenziell auch mehr Infektionen aufspüren könnten. Eine flächendeckende Testung könnte daher das Infektionsgeschehen viel realer darstellen. Das RKI macht übrigens die Ausbreitung der Virusmutation B.1.1.7 für den Anstieg der Corona-Zahlen verantwortlich. Was aber stimmt denn jetzt? In die offiziellen Meldungen der Corona-Inzidenz werden nur die Ergebnisse mit einbezogen, die auf einen PCR-Test zurückzuführen sind.

Da Schnelltests aber keine PCR-Tests, sondern in der Regel Antigen-Tests sind, fließen diese Ergebnisse gar nicht in den Wert mit ein. Das berichtet die Deutsche-Presse Agentur. Der Bremer Professor Hajo Zeeb sagte zu den Behauptungen, dass Schnelltests die Inzidenz nur dann in die Höhe treiben könnten, wenn „Menschen nach einem Schnell- oder Selbsttest einen verpflichtenden PCR-Test machen, denn nur der geht in die Statistik ein“. Bis Mitte März lag der Wert der Menschen, bei denen dem PCR-Test ein Schnelltest vorausgegangen war lediglich bei vier Prozent.

Seit es die Selbsttests für Zuhause gibt und sich die Menschen zusätzlich an einem von vielen Teststandorten wöchentlich testen lassen können, stieg diese Rate laut RKI übrigens nicht. Demnach sei bisher kein Zusammenhang zwischen Schnelltests und gestiegener Inzidenz erkennbar, so die dpa. Die Positivrate der Testungen lag deutschlandweit in Kalenderwoche 11 bei 7,91 Prozent. Das ist ein Anstieg von etwa 1,5 Prozent gegenüber der Kalenderwoche 6. Zum Vergleich: Die Inzidenz hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Ein Verfälschen des Infektionsgeschehens durch Schnelltests kann auf Basis dieser Daten also nicht bestätigt werden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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