Bullen casten Pferd im Internet

Facebook-Hass: Hamburg-Polizei sucht Pferd – Tierschützer attackieren Reiterstaffel

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Die Reiterstaffel der Polizei Hamburg sucht ein neues Pferd. Ausgerechnet über Facebook. Tierschützern passt das gar nicht.  

  • Polizei Hamburg* sucht ein neues Pferd für die Reiterstaffel.
  • Tierschützer brechen auf Facebook einen Shitstorm los.
  • Hamburg* soll einen neuen Wallach bekommen – Preis ist geheim.

Hamburg – Die Polizei Hamburg unterhält auch eine Reiterstaffel. Sie kontrolliert beispielsweise die Parkanlagen. Aber auch bei Fußballspielen wie dem Derby zwischen dem Hamburger SV* und dem FC Sankt Pauli* kommen sie zum Einsatz. Bei Demonstrationen oder Volksfesten. Überall also, wo es laut ist und riesige Menschenmassen zusammenkommen. Für diese Aufgaben sucht die Polizei Hamburg seit Donnerstag, 16. Juli 2020, über Facebook ein neues Pferd. Und die Tierschützer gehen auf die Barrikaden.

BehördePolizei Hamburg
Gründung1814, Hamburg
Bedienstete10.358 (1. Februar 2018)
AufsichtsbehördeBehörde für Inneres und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg
BehördenleitungRalf Martin Meyer, Polizeipräsident
DachorganisationBehörde für Inneres und Sport

Facebook-Shitstorm: Hamburg-Polizei sucht Pferd, offener Hass folgt – Tierschützer greifen Reiterstaffel an

Seit September 2010 hat die Polizei Hamburg eine Reiterstaffel. Aus Kostengründen hatte die Hansestadt sie im Jahr 1975 abgeschafft. Doch einige Vorteile haben die Verantwortlichen wieder überzeugt. Polizisten auf Pferden sitzen erhöht und haben eine bessere Übersicht. Die Tiere seien außerdem imposant, aber nicht bedrohlich, wie die Polizei erklärt. Außerdem könnten Sie im gesamten Stadtgebiet eingesetzt werden.

Die Reiterstaffel der Polizei Hamburg sucht Verstärkung. Tierschützern auf Facebook gefällt das nicht.

Vor allem bei Großveranstaltungen. Also bei Sportveranstaltungen, Protesten oder Partys wie dem Schlagermove*. Für die Tiere sind das jedoch extreme Stresssituationen. Deswegen ist nicht jedes Pferd für den Polizeidienst geeignet. Es muss beispielsweise ein Wallach sein. Also ein kastriertes, männliches Pferd. Es muss ruhig sein, sich auch mal verladen lassen und auf jedem Gelände sicheren Tritt haben.

In Elmshorn mussten am Mittwochabend wegen einer Bombendrohung eine Kneipe und mehrere Wohneinheiten evakuiert werden*, wie 24hamburg.de berichtet.

Polizei Hamburg verstärkt sich mit neuem Pferd – Tierschützer treten Shitstorm auf Facebook los

Auch das Stockmaß ist entscheidend. An der Stelle, an der beim Pferd der Hals in den Rücken übergeht, muss das Tier mindestens 170 Zentimeter hoch sein. Das Gardemaß für den „Amtsschimmel“.

Bei so vielen Anforderungen ist es kein Wunder, dass die Polizei Hamburg mit Facebook einen sehr populären Kanal wählt, um die Suche nach Verstärkung zu starten. Am Vormittag posten sie ihr Gesuch: „Unser ‚Amtsschimmel‘ Athos und die komplette Reiterstaffel suchen tierische Verstärkung, die das Team zukünftig bei den abwechslungsreichen und anspruchsvollen Aufgaben unterstützt.“

Facebook-Diskussion über Reiterstaffel und Pferde: „Mensch freiwillig bei Polizei, Tier nicht“

Dazu schreibt sie die Anforderungen, die das Pferd erfüllen muss. Neben den erwähnten Charaktereigenschaften ist auch das Alter entscheidend. Zwischen sechs und zehn Jahren alt muss das Pferd sein. Ein unschuldiges Gesuch. Doch sehen Tierschützer das anders. Schon nach wenigen Minuten muss die Polizei reichlich Kommentare löschen und immer wieder beschwichtigend eingreifen.

Reiterstaffeln werden oft bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen eingesetzt. Wie hier vor dem Millerntor-Stadion des FC Sankt Pauli.

Ein Nutzer schreibt: „Menschen machen das FREIWILLIG ein Pferd/Tier nicht! Aber das werden Sie nie verstehen! Also ENDE!“ Ein anderer: „So brutal, wie einige bei Veranstaltungen vorgehen, ist das für die Tiere eine Qual. Ach, ich vergaß, laut Gesetz sind Tiere ja immer noch unter Sachschaden zu finden. Ist nun mal so. Und da kann selbst das beste Training nicht immer helfen.“

Tierquälerei oder gutes Leben: Polizei Hamburg diskutiert mit Tierschützern über Reiterstaffel

Der grundsätzliche Tenor ist, dass Tiere – bei allen Vorteilen - nicht in den Polizeidienst geh��ren: „Pferde sind vor allem Lebewesen. Kein ‚Einsatzmittel‘.“ Auch vor den Gefahren sollen die Tiere geschützt werden: „Unnötig, die Tiere möglicher Gewalt und sicherem Stress auszusetzen. Die Polizisten haben sich bewusst für den Beruf entschieden, aber Tiere dafür zu ‚verwenden‘, empfinde ich als falsch.“

Die Polizei Hamburg gibt sich die größte Mühe, auch über die Ausbildung der Pferde und deren Lebenssituation aufzuklären: „Unsere Pferde stehen die meiste Zeit als Gruppe auf einer weitläufigen Koppel und genießen eine intensive Beziehung zu ihrem zweibeinigen Kollegen, der das Pferd nicht nur körperlich, sondern auch geistig in zahlreichen Übungseinheiten während der Aus- und Fortbildungseinheiten fördert und fordert.“

Polizei Hamburg – Preis für neues Pferd geheim – Reiterstaffel soll neuen Wallach kriegen

Welche Kommentare gelöscht werden, ist nicht ersichtlich. Aber immer wieder muss die Polizei Hamburg darauf hinweisen, dass User ein „Mindestmaß an Anstand und Respekt im Umgang miteinander“ gewährleisten sollen. Bei den hitzigen Beiträgen, die stehenbleiben dürfen, kann nur erahnt werden, was gelöscht werden musste. Eine Nutzerin hat sogar Mitleid: „Leute. Lernt doch bitte mal die Meinung eines anderen zu akzeptieren, auch wenn sie euch nicht passt. Kann doch nicht so schwer sein.“

Was die Polizei Hamburg bereit ist zu bezahlen, verraten die Beamten übrigens nicht: „Kein Preis über Funk“, so die Antwort auf eine entsprechende Anfrage. Es ist nicht der erste Shitstorm, mit dem Polizei Hamburg in der jüngsten Vergangenheit umgehen musste. Schon die Postkarte eines kleinen Fans*, führte zu einer regelrechten Hasswelle. Bundesweit löste eine „taz“-Kolumne eine Debatte über fehleden Respekt aus*, in die sich auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Satiriker Jan Böhmermann (ZDF/Neo Magazin Royal) einmischten. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Fabian Bimmer/dpa/picture alliance

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