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„Exit-Strategie vorlegen“: Druck auf Senator Rabe wegen Mega-Inzidenz an Schulen

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In Hamburg gilt an den Schulen Präsenzunterricht. Meinungen dazu spalten sich. Schulleitungen fühlen sich allein gelassen. Eltern und Lehrer sind sich uneinig.

Hamburg – Die Inzidenzen in Hamburg steigen täglich. Mittlerweile musste die Hansestadt knapp 200.000 Infektionen mit dem Covid-19-Virus verzeichnen. Und auch wenn Wissenschaftler meinen, dass die Krise bald überstanden ist, gibt es nach wie vor Probleme und Unklarheiten, was das Vorgehen bei hohen Inzidenzen angeht.

Besonders die Hamburger Schulen und ihre Schüler leiden darunter, denn es gibt keinen genauen Plan. Und entsprechend Druck auf den zuständigen Senator Ties Rabe (SPD).

Corona-Infektionen in Hamburg seit Beginn der Pandemie199.955 (Stand 21. Januar)
Infektionen bei 6- bis 19-Jährigen34.679 (Stand 20. Januar)
Vollständig Geimpfte145.6497 (Stand 20. Januar)
Corona-Tote2059 (Stand 20. Januar)
Corona-Patienten im Krankenhaus450 (Stand 20. Januar)

Dabei wäre dieser dringend nötig, denn die Infektionszahlen unter den 6- bis 19-Jährigen, also unter Kindern und Jugendlichen im Schulalter, sind höher als in jeder anderen Bevölkerungsgruppe. In Hamburg sind laut Angeben der Sozialbehörde bereits 34.679 Menschen in dieser Altersgruppe (Stand 20. Januar) mit Corona infiziert worden.

Corona in Hamburgs Schulen unter Senator Ties Rabe: Eltern besorgt und gespalten – Angst vor Ansteckung und Isolation

Für die Schulen bedeutet das: halbleere Klassenzimmer und immer mehr Lehrer, die sich krankmelden müssen, weil sie ebenfalls positiv auf Corona getestet wurden. Trotzdem sollen Schulen offen bleiben. Zwar wird regelmäßig an den Schulen getestet. Eine Eindämmung der hochansteckenden Omikron-Variante, die in Hamburg die meisten Infektionen ausmacht, ist in vollen Klassenzimmern aber schwierig. Das findet Heiko Habbe, selbst Vater und Mitglied der Eltern-Initiative „Sichere Bildung Jetzt“.

„Als Sachsen diese Inzidenzen hatte, waren alle aufgeregt, aber an den Schulen nimmt man das so hin und erwartet, dass die Kinder sich mit 30 anderen Personen in einen Raum setzen – was kein Erwachsener in der Situation machen würde“, sagt Habbe gegenüber der Mopo. „Wenn Eltern ihre Kinder derzeit nicht zur Schule schicken, um sie vor Ansteckungen zu schützen, gilt das als Schwänzen. Das ist doch fahrlässig.“

Schulklasse mit Kindern mit Masken und ein nachdenklicher Ties Rabe
Die hohen Infektionszahlen an Schulen setzen Schulsenator Ties Rabe (SPD) unter Druck. (24hamburg.de-Montage) © IMAGO Images/Belga & IMAGO Images/Chris Emil Janßen

Andere Eltern machen sich eher Sorgen darum, dass die Schulen wieder schließen könnten und was das für die mentale Gesundheit der Kinder bedeuten würde. Stevie Schmiedel, Mutter von zwei Töchtern, vertritt in der Mopo den Punkt: „Ich bin geschockt, wie viel über Inzidenzen gesprochen wird und wie wenig über die psychischen Belastungen und die Bildungsrückstände durch Schulschließungen.“

Corona-Politik von Schusenator Ties Rabe setzt auf Präsenzpflicht: Schulleitungen sehen das kritisch

So uneinig wie die Eltern sich sind, ist sich auch die Politik, die die Situation noch locker angeht. Aktuell hält Schulsenator Ties Rabe (SPD) an der Präsenzpflicht fest. Kinder in Quarantäne müssen in den meisten Fällen aktuell ohne Unterricht auskommen. Trotzdem halten Rabe und zahlreiche Mediziner der „Initiative Familien“ das aktuelle Modell für das sinnvollste. Einen offenen Brief an die Bundespolitik mit dem Titel „Quarantäneregeln dürfen nicht zu Schulschließungen durch die Hintertür führen“ unterschrieben viele Mediziner – unter anderem der Hamburger Virologe Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit.

Präsenz ist die bestmögliche Bildungsform, aber wir brauchen auch einen Plan B.

Gudrun Wolters-Vogeler, Vorsitzende des Deutschen Schulleitungsverbandes

Eine kritischere Position nimmt dagegen Gudrun Wolters-Vogeler, Schulleiterin der Hamburger Grundschule An der Haake und Vorsitzende des Deutschen Schulleitungsverbandes, ein. Sie ist zwar für den Präsenzunterricht, fordert aber einen Notfallplan bei zu hohen Infektionszahlen: „Präsenz ist die bestmögliche Bildungsform, aber wir brauchen auch einen Plan B“, sagt sie laut Mopo.

Hamburger Schulen fordern Plan von Senator Ties Rabe – teilweise ganze Klassen und Kita-Gruppen in Quarantäne

Momentan fühlen sich die meisten Schulleitungen und Lehrer von der Politik im Stich gelassen. In zahlreichen Klassen sitzen nur noch die Hälfte der Schüler und ganze Kita-Gruppen müssen in Quarantäne. Laut dem Hamburger Gesundheitsamt waren am Mittwoch, 19. Januar, neun Kitas komplett geschlossen, in 36 weiteren gab es auf Grund von Infektionen geschlossene Gruppen.

Was die Schulleitungen tun sollen, wenn sich morgens zahlreiche Lehrer krankmelden, wissen sie meistens selbst nicht. Gudrun Wolters-Vogeler, Schulleiterin der Hamburger Grundschule An der Haake und Vorsitzende des Deutschen Schulleitungsverbandes, sagt zur Mopo: „Wir müssen wissen, ab welcher Quote von Schülern und Lehrkräften in Quarantäne der Präsenzunterricht nicht mehr sinnvoll ist. Wir brauchen einen Handlungsspielraum, innerhalb dessen wir uns rechtssicher bewegen können. Das ist auch wichtig in der Kommunikation mit den Eltern.“

Lesen Sie auch: So viel wurde in den Bundesländern schon über die Schulregelungen diskutiert.

Hamburger Schulbehörde sieht Verantwortung bei Schulen: GEW fordert „Exitstrategie“ von Rabe

Peter Albrecht, Sprecher der Hamburger Schulbehörde, hält aber einen Stufenplan, bei dem ab einer gewissen Inzidenz ins Homeschooling gewechselt wird, für nicht sinnvoll. Schließlich können sich die Zahlen täglich ändern. Stattdessen betont er, dass die Schulleitungen genug Spielraum hätten, um die Schüler in Quarantäne ebenfalls mit Bildung zu versorgen. „Das Gymnasium Hochrad etwa streamt den Unterricht für abwesende Schüler. Natürlich muss das mit der Schulaufsicht abgesprochen werden, ist aber kein Problem.“

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Die Lehrer sehen das allerdings ganz anders und erwarten eine Lösung von der Schulbehörde. Es soll ein Konzept mit Lösungen geben, wenn die Inzidenzen weiterhin so stark ansteigen. Dr. Fredrik Dehnerdt, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW, erklärt laut Mopo: „Es ist Aufgabe der Schulbehörde, dort regelnd einzugreifen, das kann nicht in der Verantwortung einzelner Schulleitungen liegen. Senator Rabe muss eine Exit-Strategie vorlegen.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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